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10. August 2015

Neues Verkehrskonzept: Warum Radfahrer keine Ampeln brauchen

 Von René Kohlenberg
Bei Rot über die Ampel. Bisher droht Radfahrern dafür ein hohes Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.  Foto: dpa-tmn

Sie blinken grün, gelb, rot und regeln den Verkehr – Ampeln. Der motorisierte Verkehr würde ohne sie zusammenbrechen. Doch immer mehr Experten fordern, dass rote Ampeln nicht mehr für Radfahrer gelten sollten. Hier lesen Sie ihre Argumente.

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Radfahrern, die bei Rot über die Ampel fahren, droht in Deutschland ein Bußgeld von bis zu 180 Euro und ein Punkt in Flensburg. Bisher zumindest. In Paris gibt es bereits Kreuzungen, die mit einem gelben Pfeil gekennzeichnet sind, dort dürfen Radler auch bei Rot rechts abbiegen.

Auch Mobilitätsforscher Ulrich Leth von der TU Wien ist der Überzeugung, dass Radfahrer nicht an roten Ampeln halten sollten. Das sind seine Hauptargumente:

Radfahrer sind aufmerksamer

„Radfahrer haben keine Knautschzonen, sie müssen daher besser auf sich achten“, so Leth. Sie seien in der Regel aufmerksam unterwegs. Aus jeder Einfahrt könne schließlich ein Auto kommen.

Radler nehmen Umgebung besser wahr

Radfahrer bekämen auf jeden Fall besser mit, was um sie herum geschieht. „Allein schon durch die fehlende Motorhaube können sich Radfahrer viel näher an Kreuzungen herantasten. Sie nehmen die Umgebung visuell und akustisch viel besser wahr.“

2014 kam es 78.653 Fahrradunfälle auf deutschen Straßen, dabei starben 405 Menschen.  Foto: dpa

Ampeln bremsen unnötig

Leth ist der Meinung, dass Ampeln den Radverkehr langsamer machen, wodurch das Fahrrad als alternatives Verkehrsmittel weniger attraktiv werde. „In den Niederlanden und in Dänemark wurden klare Kriterien festgelegt, wie oft Radfahrer stehen bleiben sollten. Das ist ein klares Qualitätskriterium. Denn jedes Mal, wenn der Radfahrer stehen bleiben muss, verliert er die Energie, die er vorher mühsam aufgebaut hat.“

Besonders für Radler sind Abgase unangenehm

Beim Warten an roten Ampeln atmen Radfahrer die Abgase der Autos ein. Zugegeben, dies ist ein Problem, dass alle Verkehrsteilnehmer haben. „Es ist aber durchaus ein Grund, wieso sich Radfahrer oft an Kreuzungen vorschlängeln, um nicht direkt in der Abgaswolke der Kfz warten zu müssen.“

Postive Entwicklung: In vielen Städten gibt es bereits Radampeln. Sie geben den Radfahrern einen Sicherheitsvorsprung vor den Autos.  Foto: dpa

Ampeln sind teuer

„Die Abschaffung von Ampeln generell würde viel Geld ersparen, funktioniert aber nur bei geringen Geschwindigkeiten und Verkehrsstärken.“

Radfahren muss attraktiver werden

Leth fordert, dass die Innenstädte für Radfahrer attraktiver werden müssen. In Brüssel und Basel gibt es bereits erste Pilotprojekte, wo Radfahrer auch bei roten Ampeln rechts abbiegen dürfen. „Deutschland und Österreich hinken da hinterher. Auch die gelben Pfeile in Paris, an denen Radfahrer auch bei Rot abbiegen dürfen, sind eine große Attraktivitätssteigerung. In Frankreich sind schon ausgesprochen viele Kreuzungen entsprechend gekennzeichnet. Ein generelles Legalisieren des Rotfahren bietet übrigens das Idaho Stop Law (von 1982). Es erlaubt Radfahrern, Ampeln wie Stoptafeln und Stoptafeln wie Nachrangtafeln zu behandeln.“ Im US-Bundesstaat Idaho wurde das Gesetz erstmals 1982 verabschiedet.

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Jahrelang erhielten Autos bei der Verkehrsplanung den Vorzug vor Radfahrern und Fußgängern.  Foto: dpa

Verkehrsplanung diskriminiert Radler

„Ampeln, wie wir sie kennen, wurden entwickelt, um den Autoverkehr durch dicht bewohntes Gebiet zu lotsen. Störfaktoren wie Fußgänger und Radfahrer sollten aus dem Weg geräumt werden. Sie haben hingegen Regeln bekommen, die sie alleine nicht hätten – das ist Diskriminierung“, erklärt. Noch immer seien Ampelphasen zu starr, die Wartezeiten oft viel zu lang. „Das trägt nicht zur Regelbefolgung bei“, analysiert der Mobilitätsforscher.

Mehr Eigenverantwortung wagen!

Leth fordert ein Umdenken bei der Verkehrsführung und -planung: „Die Eigenverantwortung muss gestärkt werden. Der Straßenverkehr ist heute viel zu überreglementiert. Es kommt zu Unfällen – etwa an Zebrastreifen, wo Fußgänger sich auf ihr Recht verlassen und über die Straße gehen ohne zu gucken.

Seiner Auffassung nach müssten mehr Begegnungszonen geschaffen werden. „Wo Regeln wegfallen, gibt es eine geplante Unsicherheit. Die Verkehrsteilnehmer müssen wieder mehr miteinander kommunizieren, dafür muss jedoch auch die Geschwindigkeit angeglichen werden.“

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