Die Stadt Bad Homburg kauft demnächst eine ganz besondere Immobilie: die Villa Wertheimber an der Tannenwaldallee 50. Das riesige Anwesen besteht aus einer großbürgerlichen Villa, einem ebenfalls denkmalgeschützten Pförtnerhaus, einem „Tempel“ aus dem Jahre 1830 und den Ruinen der im Jahr 2003 geschlossenen Neurologischen Klinik. Das teilweise parkähnliche Grundstück umfasst 6,4 Hektar.
Der Magistrat habe den Kauf für 7,2 Millionen Euro einstimmig beschlossen, teilte Oberbürgermeister Michael Korwisi am Dienstag mit. Das letzte Wort haben die Stadtverordneten in einer eigens anberaumten Sitzung am 17. März.
Klinik-Bauten vor dem Abriss
Die aus den Siebzigerjahren stammenden Klinikgebäude lässt die Stadt laut Korwisi so bald wie möglich abreißen. Die Villa, der Tempel und das Pförtnerhaus werden saniert und zu kulturellen oder anderen öffentlichen Zwecken genutzt. Was das genau bedeutet, weiß auch Korwisi noch nicht. Es gebe dafür noch kein Konzept. Auf jeden Fall soll das Gelände öffentlich zugänglich sein. „Wir müssen den Park jetzt erst einmal wieder in Ordnung bringen. Er ist in einem guten Zustand, aber in den letzten Jahren nicht mehr so intensiv gepflegt worden.“
Etwa die Hälfte des Geländes ist nicht denkmalgeschützt und besteht aus dem früheren Klinik-Parkplatz, Wiesen und Abstellflächen. Wenn es nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition und des grünen Oberbürgermeisters geht, wird diese Drei-Hektar-Fläche ebenfalls in eine Parklandschaft umgewandelt. Ein älterer Parlamentsbeschluss forderte, die Bebauung des Areals zu prüfen. Deshalb wollte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn zuerst satte 13 Millionen für das Gelände, berichtet Korwisi. Der Preis konnte nur deshalb auf 7,2 Millionen (40 Euro pro Quadratmeter Park, 750 Euro pro Quadratmeter Gebäude) sinken, weil die Bundesanstalt eine Gewinnbeteiligung für den Fall bekommt, dass der halbe Gustavsgarten doch noch mit Villen bebaut wird. Aber das will offenbar niemand im Rathaus.
Seit 2006 gab es Verhandlungen. 2008 wurden sie unterbrochen, weil eine Filmgesellschaft die Villa mietete, um dort die Fernsehserie „Geld.Macht.Liebe“ zu drehen. Die Villa Wertheimber war darin das Palais einer Frankfurter Bankiersfamilie. Nach wenigen Folgen versandete die Serie, weil zu wenige Zuschauer Interesse an der deutschen Dallas-Version fanden.
1822 ließ Prinz Gustav von Hessen-Homburg einen Landschaftsgarten an der Tannenwaldallee anlegen.
1898 kaufte der jüdische Frankfurter Bankier Julius Wertheimber den Park mit dem Tempelchen im dorischen Stil und ließ dort eine repräsentative Villa mit Pförtnerhaus erbauen.
Um 1940 nutzte der Reichsarbeitsdienst das enteignete Gelände, ab 1944 die Marine-Musik-Akademie. 1945 beschlagnahmte es die US-Armee.
Nach dem Krieg erhielt die Tochter von Julius Wertheimber das Anwesen zurück und verkaufte es an den Bund. Bis 2003 diente es als neurologische Klinik. nes
„Mit dem Kauf des Gustavsgartens sichern wir für die Stadt ein Stück ihrer Geschichte“, frohlockt der Oberbürgermeister. Dieser sei schließlich der einzige nahezu komplett erhaltene Teil der Landgräflichen Gartenlandschaft.

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