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Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

10. Dezember 2012

Bad Homburg: Eine Synagoge für die Kurstadt

 Von Martina Propson-Hauck

Imrich Donath wird 65 und träumt von der Fortsetzung alter jüdischer Tradition.

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Es ist gar nicht so einfach den vereinbarten Treffpunkt zu finden. Das Jüdische Zentrum liegt in einem Hinterhaus der Ludwigstraße. Es geht um viele Ecken herum, dann weist nur ein einfaches Klingelschild in einem mehrstöckigen Wohnhaus den Weg.

Hinter der ganz normalen Wohnungstür stehen Tische mit weißer Folie abgedeckt. An der Wand hängen ein paar Kinderzeichnungen mit hebräischen Buchstaben. Mitten im Raum thront ein dunkelbrauner Thoraschrank. Eine weiße Spitzengardine schirmt den Blick darauf ab.
Das Gemeindezentrum befindet sich noch im Aufbau. Seit April ist es gemietet. Alle zwei Wochen findet hier bereits ein jüdischer Gottesdienst statt, weil Rabbiner Sholom Dovber Rabinowitz zwar in Bad Homburg wohnt, aber auch noch für Bad Kreuznach zuständig ist.
Seit wenigen Wochen kommen außerdem acht Grundschulkinder zur Sonntagsschule, um hier hebräisch zu lesen, jüdische Geschichte und Werte kennenzulernen. Dienstags treffen sich die Frauen.

Den Schrank, so erzählt Imrich Donath, hat seine Familie aus der Synagoge seiner Geburtsstadt Sala gerettet. Er ist noch leer, eine Thora leiht sich Rabbiner Sholom Dovber Rabinowitz nur zu hohen Festen in Frankfurt aus.

Donath ist der Motor hinter allen Aktivitäten zum Aufbau des jüdischen Zentrums in Bad Homburg. Er hat gerade einen Fragebogen entwickelt, mit dem er herausfinden will, was sich seine jüdischen Mitbürger von dem Zentrum erwarten: Von dem Begehen jüdischer Feiertage über Informationen zur Geschichte des Staates Israel bis hin zum Schach- und Jugendtreff reichen die möglichen Angebote.

Donath lebt seit mehr als 30 Jahren in Bad Homburg, betreibt eine Versicherungsagentur in der Dietigheimer Straße. 15 Jahre lang war er Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
1968 hat er die Tschechoslowakei verlassen. Seine Eltern haben die Vernichtungslager der Nationalsozialisten in Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt.

Er ist Honorarkonsul der Slowakischen Republik für Hessen, organisiert in dieser Funktion alle drei Jahre slowakische Kulturtage, ist Träger der Dubcek-Medaille und Ehrenbürger von Sala. Vor zehn Jahren holte Donath eine viel beachtete Andy-Warhol-Ausstellung in die Englische Kirche der Kurstadt.

Am Donnerstag wird Donath 65 Jahre alt. Ans Aufhören denkt er aber weder beruflich noch in seinem Engagement für jüdisches Leben in Bad Homburg. „Ich möchte hier wieder eine Synagoge haben und eine funktionierende jüdische Gesellschaft“, sagt er. Das Gemeindezentrum soll ein erster Treffpunkt für jüdische Kultur werden, die jüdische Tradition in der Kurstadt ganz offen gelebt werden.

Für Mittwoch, 12. Dezember, hat er ein öffentliches Chanukka-Fest auf dem Marktplatz organisiert. Dort wird um 19 Uhr ein 2,70 Meter hoher Chanukka-Leuchter angezündet, Klezmer-Musiker werden spielen und die für das Fest typischen Süßspeisen gereicht. Im Vorjahr waren schon ohne Ankündigung 150 Leute gekommen, diesmal sollen es mehr sein, hofft der Vater von vier Kindern und Großvater von zwei Enkeln.

Das Fest erinnert an ein Wunder: Nachdem vor rund 2000 Jahren das Öl der Juden im Tempel entweiht worden war, fand sich nach dem Makkabäeraufstand nur noch ein Krug Öl, doch der brannte statt nur eines Tages ganze acht Tage lang – so lange bis neues, reines Öl hergestellt werden konnte. Deshalb wird zu Chanukka jeden Tag ein weiteres Licht entzündet, bis acht Lichter im Leuchter brennen. „Wir wollen gern die alte jüdische Tradition Bad Homburgs fortsetzen“, sagt Donath. In Bad Homburg und Umgebung leben rund 600 Juden.

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