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Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

22. Januar 2013

Bad Homburg: Parsifal im Gotteshaus

 Von Olaf Velte
Organistin Susanne Rohn vor dem Instrument ihrer Wahl.  Foto: Michael Schick

Kirchenmusikerin Susanne Rohn wird am Dienstag mit dem Musikpreis der Volksbank Hochrhein-Stifung geehrt - und hat Großes vor.

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Leise Klänge wehen durch die Nacht und verhallen jenseits von Schlossmauer und Sinclair-Haus. Es ist die späte Stunde von Susanne Rohn. Eine Stunde, in der sich die Kantorin der Erlöserkirche ganz dem Orgelklang und der Atmosphäre des dunklen Sakralbaues hingibt. Die Früchte dieser Hingabe kann sie jetzt ernten: Am heutigen Dienstag wird die Kirchenmusikerin mit dem hoch dotierten Musikpreis der Volksbank Hochrhein-Stifung ausgezeichnet.

Eine „herausragende musikalische Entwicklung“ hat ihr das Kuratorium – das sie 1990 bereits mit dem Förderpreis ehrte – attestiert. Herausragend ist auch das, was Susanne Rohn alljährlich für die Kurstadt auf die Beine stellt. Das Programm 2013 hat es in sich. Händel und Rachmaninow werden ebenso zu hören sein wie Kompositionen von Britten und Holst. Höhepunkt der Saison und „Wagnis“ ist aber die konzertante Aufführung des „Parsifal“ von Richard Wagner. Seit zwei Jahren plant Rohn, was sich am 16. und 21. Juni in dem mächtigen Gotteshaus ereignen soll. Schon die Eckdaten beeindrucken: 70 Musiker plus Solisten, eine Woche intensiver Proben, knapp über vier Stunden Dauer, Kooperation mit verschiedenen Institutionen und Experten. Die Aufführungen sollen mitgeschnitten werden. Damit das Großprojekt nicht scheitert, werden weitere Sponsoren gesucht.

„Die Ästhetik in der Erlöserkirche ist passend“, sagt die seit 15 Jahren in Homburg tätige Kantorin. Der wilhelminische Bau mit seinen Emporen und Umgängen biete beste Möglichkeiten für Wagners letztes Werk. Und über den Schlusssatz „Erlösung dem Erlöser“ lasse sich auch im christlichen Kontext trefflich nachsinnen. Eine Premiere: Nie zuvor wurde das festliche Weihespiel in einer Kirche dargeboten. Die gebürtige Südbadenerin geht keinem Risiko aus dem Weg – und kann sich dabei auf ihre famosen Chöre stützen. „Was meine Vorgänger hier aufgebaut haben, ist großartig.“ Dass sich am Ende auch das Publikum einstellt, ist Lohn aller Mühen: „Wenn dies nicht so wäre, hätte ich den Taunus längst verlassen.“

Verschiedene Lehraufträge haben die Professorin nach Düsseldorf, Freiburg und Mainz geführt – im überschaubaren Bad Homburg schätzt sie den direkten Kontakt zu den Menschen, den Freiraum für Experimente und außergewöhnliche Vorhaben. „Eine Insel der Seligen.“

Das klare Bekenntnis zur Profession des Kirchenmusikers ist nicht selbstverständlich in Zeiten, in denen aus Spargründen immer mehr Stellen abgebaut werden. In Zukunft, so Rohn, werde es weniger Musiker in kirchlichen Gemeinden geben. Schon heute treibe es junge Talente eher in den Schuldienst. Für sie habe es dagegen keine Alternative gegeben: „Schon mit 14 habe ich Orgel gespielt.“ In dem großen Homburger Kirchbau stehen zwei Klangfarben zur Verfügung: Während die Sauer-Orgel ihre romantisch-dunklen Töne in den Raum entlässt, glänzt die Bach-Orgel mit klaren, hellen Strukturen. Am 17. März wird die Benefiz-Veranstaltung „100 Jahre Lambarene“ unter Beteiligung des Schauspielers Christian Nickel realisiert.

Die 46-Jährige weiß um die Grundbedingungen ihrer Kunst. Über 200 Jahre liegen zwischen unserer Gegenwart und der bescheideneren Welt des sprachmächtigen Jean Paul – und doch ist es nicht weit von seinen ehrfürchtigen Dorfkantores mit ihrer wehmütigen Heiterkeit bis zu den nächtlichen Versenkungen unterm Dach der Erlöserkirche.

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