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Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

12. Januar 2013

Einzelhandel: Alles muss raus

 Von Nina Nickoll
Letzter Versuch, die Winterkleidung zu verkaufen, bald kommt die Frühjahrsgarderobe. Foto: Martin Weis

Nach Weihnachten lockt der Einzelhandel im Vordertaunus mit Rabattaktionen.

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Veränderungen

Bad Homburg:
Lidl in der Thomasstraße schließt am heutigen Samstag. Die Filiale biete nicht mehr die Voraussetzungen, um den Kunden das gesamte Sortiment anbieten zu können, so Lidl. Vielleicht werde es einen Ersatzstandort geben.

Esprit in der Louisenstraße ist ausgezogen, der Laden wird derzeit ausgeräumt.

Rewe in der oberen Louisenstraße ist umgezogen und jetzt im alten Woolworth-Gebäude zu finden.

Hugendubel zieht im Herbst in die ehemalige Schlecker-Filiale.

Oberursel:
Textildiscounter Takko zieht bald in die ehemaligen Verkaufsräume der Drogerie „Ihr Platz“.

United Colours of Benetton zieht aus, ein neues Bekleidungsgeschäft kommt.

Das Modegeschäft Diwa hat Räumungsverkauf, Ende Januar ist Schluss.

Meni Padelli schaut aus dem Schaufenster der Boutique ML Mode in der Oberurseler Vorstadt: Sie sieht Menschen, die beim Bäcker oder Blumenladen gegenüber einkaufen – eigene Kundschaft hatte sie an diesem Vormittag noch keine. Obwohl in dem Geschäft alles um 30 Prozent und mehr reduziert wurde: Mäntel sind von 149 auf 99 Euro herunter gesetzt, Ballkleider von 189 auf 69 Euro.

„Vor Weihnachten war ebenfalls wenig los, es ist so ruhig hier“, sagt die Verkäuferin. Dabei heißt es ringsum „Sale“ oder „Alles reduziert“. Eine richtige Rabattschlacht gibt es nach Meinung von „fokus O.“ – dem Forum der Selbstständigen Oberursel – in der Brunnenstadt aber nicht. „Ein Rabatt von 70 Prozent ist oft auf Inventuren zu Beginn des Jahres zurückzuführen“, sagt Brigitte Zimmermann, Leiterin der Geschäftsstelle von fokus O. „Wir hätten hier gerne einen anderen Mix – also nicht nur Bäckereien und Bekleidungsgeschäfte.“ Beeinflussen könne der Verein diese Ballung aber nicht, denn letztlich hätten die Immobilienvermieter das letzte Wort.

„Wenn Kunden aus dem Umland zu uns kommen, freuen sie sich immer über das Angebot in Oberursel“, so Claudia Kaczinski, stellvertretende Forums-Vorsitzende. Die Dichte an Textilhändlern in der Vorstadt sieht sie als Beweis der Vielfalt. Natürlich habe sich das Einkaufsverhalten der Kunden verändert, aber kreative Unternehmer könnten damit umgehen. Viele Oberurseler pendelten nach Frankfurt zur Arbeit und gingen zu anderen Zeiten in die Läden der Vorstadt. „Boutiquen müssen nicht schon um acht Uhr morgens öffnen, können dafür aber abends länger geöffnet haben.“

Am oberen Ende der Vorstadt gibt es einen zweiten ML-Laden. „ML Fashion“ steht für den Namen des Inhabers: Mohammed Lamalan. Auch er hat bis zu 70 Prozent reduzierte Ware in den Regalen. „Im ersten Jahr lief es gut, im zweiten Jahr nicht mehr“, sagt Lamalan, der 2010 eröffnet hat. Das Problem sei, dass Jugendliche nicht in Oberursel, sondern im Nordwest- oder Main-Taunus-Zentrum einkaufen würden. Und es gebe zu wenige Parkplätze, worüber sich schon einige Kunden beschwert hätten. Die Parkplatzkritik kennt Kaczinski, teilt sie aber nicht. Von den Parkhäusern Altstadt, Stadthalle und City seien es maximal fünf Minuten bis zur Vorstadt.

„Eine Rabattschlacht gab es bei uns nicht – im Gegenteil: Es ging dieses Jahr zivilisierter zu, im Vergleich zum Vorjahr wurde gezielter reduziert“, sagt Eberhardt Schmidt-Gronenberg, stellvertretender Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Bad Homburg und Geschäftsführer der Halbach-Modehäuser. In den eigenen Häusern in Bad Homburg und Oberursel habe er die Ware zwischen 20 und 30 Prozent reduziert, einzelne Artikel auch um 50 Prozent. Die vielen Rabatt-Hinweise in der Louisenstraße würden bei Kunden oft einen falschen Eindruck erwecken. „Wenn Einzelstücke massiv reduziert sind, stellt sich natürlich die Frage, ob sie ursprünglich wirklich so viel wert waren, wie angegeben.“ Es sei ja nicht das Ziel von Einzelhändlern, die Ware möglichst billig zu verkaufen. „So eine Reduzierung ist eher ein Offenbarungseid, die Ware ist ja später nicht weniger Wert als davor. Aber: Wenn ein DJ Musik spielt, zu der keiner tanzt, muss er etwas anderes auflegen – wenn wir Ware auslegen, wird sie idealerweise gekauft, wenn nicht, müssen wir mit dem Preis runter gehen.“

Beim Foto- und Video-Fachhändler Ring-Foto König auf der Louisenstraße wurde in 34 Jahren noch nichts reduziert. „Wir machen stattdessen besondere Angebote“, sagt Inhaber Bernhard König. „Vor allem nach Weihnachten gab es einen großen Kundenschub: An einem Tag haben wir 170 Bilderrahmen verkauft – ich kann mich an keine vergleichbare Aktion erinnern.“ Die extremen Rabatte von 70 Prozent und mehr seien Betrug am Kunden.

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