Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

01. Dezember 2010

Hörprobe: Cooler Stoltze mit Bar-Jazz

 Von Jürgen Streicher
Friedrich Stoltze Foto: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt

"Weil doch die Welt bald unnergeht" - Der Oberurseler Raimund Schui rezitiert Mundart-Gedichte von Friedrich Stoltze, unterlegt mit Gitarrengrooves. Wie das klingt? Ein Klick führt zur Hörprobe.

Drucken per Mail

"Weil doch die Welt bald unnergeht" - Der Oberurseler Raimund Schui rezitiert Mundart-Gedichte von Friedrich Stoltze, unterlegt mit Gitarrengrooves. Wie das klingt? Ein Klick führt zur Hörprobe.

"Nach fuffzeh Schoppe“ wäre Friedrich Stoltze begeistert gewesen. Sicher nicht nur über die Vertonung des gleichnamigen Gedichts aus seiner Feder, auch über den Rest der CD mit dem schönen Titel „weil doch die Welt bald unnergeht“. Die Texte des Altmeisters der Frankfurter Mundart im kongenialen Zusammenspiel mit Musik, die den nötigen Raum für vielfältige Stimmungen lässt, wecken gute Laune schon lange vor dem fünfzehnten Schoppen. Ein „Bonusliedchen“, die Geschichte der „Lisbeth von de Dippegass“, ergänzt das Kompendium von 13 Stoltze-Gedichten mit überraschenden musikalischen Wendungen.

Bescheiden, nie aufgeblasen oder poliert kommt die Musik daher. Immer bleiben Wort und Ton im Gleichgewicht, stets setzen Gitarrist Mathias „Muli“ Müller und Stefan „Stöffchen“ Scheurer am Keyboard und E-Piano neue Akzente, ohne die von Raimund Schui gelesenen Texte zu beschädigen. Müller und Scheurer haben die CD in den Urselbachstudios produziert, bei einigen Stücken gastieren bekannte Oberurseler Musiker wie Rolf Bingenheimer, Achim Hasselberg, Ernst Keinz und Joachim Menke.

Audio

"Frihlingslied" von Friedrich Stoltze - rezitiert von Raimund Shui

Jahrelang hat der Maler und Literat Raimund Schui die Musikerfreunde mit seinem Stoltze-Projekt genervt, bis die Skeptiker geglaubt haben, dass Stoltze und ihre Musik zusammenfinden können. Schui, der „Orscheler Bub“, der sich viel eher im Frankfurter Ostend heimisch fühlt. Dessen realistischer Expressionismus stets provoziert. Keine schönen Bilder, die zu ruhiger Meditation einladen, sein Realismus wirkt gewalttätig auf die Sinne. Weil er zum Hinschauen zwingt, wenn man nicht weggucken will.

Aber Schuis Kunst ist auch salonfähig. Er kann versöhnen mit Musik, mit dem Ostend-Blues etwa auf einer seiner drei bisher eigespielten CDs, unter anderem mit Muli Müller und Stöffchen Scheurer. „Mein Schatz aus ’em Ostend, bist wie die Hanauer Landstraß’ - lang, laut und dreckisch - trotzdem: Ich lieb dich.“ Witz und Ironie, Schärfe und Offenheit prägten Stoltzes Werk, der Ostend-Blueser Schui ist der passende Sprecher für dessen Texte.

So wird Friedrich Stoltzes Welt des 19. Jahrhunderts nicht so bald untergehen. Über die handgemachte Musik finden die zeitlosen Bilder des Mundart-Dichters in die aktuelle Wirklichkeit, die in Wahrheit sowieso immer ganz anders ist. So würde es jedenfalls Raimund Schui nennen. Und seine Musiker sprechen auch wieder eine eigene Sprache –mal nehmen sie den Stoltze mit in eine irische Kneipe, mal in eine coole Frankfurter Bar. Aber immer stimmig.

„Weil doch die Welt bald unnergeht“ ist in Oberursel etwa im CD-Laden in der oberen Vorstadt, im Café Arte am Rathausplatz, im Artcafé Macondo sowie über Amazon zum Preis von 11 Euro erhältlich.

Jetzt kommentieren

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie bitte auf das orange Symbol.

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Anzeigenmarkt
Twitter
Top Stellenangebote
Online-Kataloge
Anzeige
Sonderheft

Die Siebziger sind die Frankfurter Jahre. Von hier aus strahlt in die Republik, was das Jahrzehnt bestimmt: das Aufbegehren der Jugend, der Häuserkampf in und ums Westend, die terroristische Bedrohung der RAF - und die Flügelzange der Eintracht mit Grabowski und Hölzenbein.

FR-Geschichte: 70er Jahre in Frankfurt

Unser Sonderheft blickt zurück, dokumentiert Originaltexte und zeigt das Jahrzehnt in Bildern.

Spezial

Knapp 700.000 Besucher jährlich. Und eine TV-Sendung gibt es auch über den Tierpark. Da lauert Erzählstoff!

Hörprobe
Friedrich Stoltze

Der Oberurseler Raimund Schui rezitiert Gedichte von Friedrich Stoltze, unterlegt mit Musik. Wie das klingt? Ein Klick führt zur Hörprobe.

ANZEIGE
- Partner