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Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

14. Januar 2013

Homburger Carneval-Verein: Lange Nasen, lachende Herzen

 Von Olaf Velte
Orden im Jubiläumsjahr: 111 Jahre besteht der HCV.  

Gott Jokus regiert seit 111 Jahren beim Homburger Carneval-Verein. Und zum dreistelligen Schnapszahl-Jubiläum serviert der älteste Narrenbund Homburgs einmalige Neuheiten.

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Mehr als hundert Termine haben Ina I. und ihre Vier Tugenden bereits absolviert, mindestens zwei Dutzend weitere werden bis zum Aschermittwoch folgen. Ein strammes Programm für die Bad Homburger Tollität – während einer Kampagne, die eine besondere ist: Der Homburger Carneval-Verein (HCV) wurde vor 111 Jahren aus der Taufe gehoben.

Zum dreistelligen Schnapszahl-Jubiläum serviert der älteste Narrenbund Homburgs einmalige Neuheiten: Wenn in knapp drei Wochen die Gala-Fremdensitzungen das Kurhaus erbeben lassen, wird auch das Ur-Männerballett wieder die Bühne erklimmen. „1978 gegründet, war es eines der ersten in Deutschland“, sagt HCV-Vorsitzender Marcus Schmidt, der just in jenem Jahre sein Leben dem allmächtigen Gott Jokus weihte. Dass er seit elf Jahren die Vorstandsgeschäfte führt, passt 2013 sozusagen wie die Faust aufs Auge. „Wir werden unter dem aktuellen Motto Herzlich Närrisch nicht nur Rückschau halten“ – erstmals werden zu den Sitzungen auch Vereinsfremde wie Olga Orange aus Frankfurt vor das Publikum treten. Neu ist auch die Kooperation mit dem stadtbekannten Äppelwoi-Theater.

Rund 200 Mitglieder gehören zu dem ältesten der vier kurstädtischen Fassenachtsvereinigungen. Im Reigen der verschiedenen Abteilungen sind die Garden, Büttenredner, Gesangsgruppen und männlichen Tänzer zu nennen. „Ein kleines Wirtschaftsunternehmen“, wie Schmidt sagt. Das ohne Sponsoren-Gelder und ehrenamtliches Engagement jedenfalls nicht zu führen wäre. Unter den Trägern der „Ehrenkappe“ befinden sich namhafte Stadt- und Kreispolitiker.

Keiner kann derzeit jedoch der amtierenden Lieblichkeit das Wasser reichen: Die 93 tollen Tage sind geprägt von Ina I., einer gebürtigen Homburgerin. Sie präsentiert sich in den HCV-Farben Blau/Weiß/Silber und ist umgeben von den Vier Tugenden: Schüchternheit, Pünktlichkeit, Gemütlichkeit und Weisheit. „Charaktereigenschaften“, so Koordinator Nicolas Morand, „die den Verein auszeichnen“. Die schönsten Momente erlebe man bei Auftritten in den Seniorenheimen. Dort greife der ursprüngliche Fassenachtsgedanke: „Die Sorgen für eine gewisse Zeit vergessen.“

Den Traditionen der klassischen Fassenacht wollen die Macher weiterhin verbunden bleiben, müssen dem Unterhaltungsbedürfnis aber Tribut zollen. „Früher hatten die Einlassungen zur Politik viel mehr Gewicht“, sagt Schmidt. Heute wolle das Publikum mit Stimmungsliedern und Comedy-Formaten eingebunden werden. Ein Spagat, der anscheinend gelingt – „das einst recht steife Homburger Publikum lässt sich mittlerweile schnell begeistern“. Noch immer dienen die Lieder von Gründungsvater Paul Grützner der Identifikation. So erinnert der „Urfidele Carnevals Narren Marsch“ auch an den 10. Februar 1902 – als Herren mit auffallend wohlgeformten Riechorganen den „Nasenverein“ ins Leben riefen. Die Namensänderung erfolgte 1937, das lachende Herz als Vereinslogo wurde vor nunmehr sechs Jahrzehnten kreiert.

Was aus heidnischen Wurzeln entstieg, hat sich nach den Worten von Marcus Schmidt zu einer „bürokratischen Veranstaltung“ entwickelt. Keine Kampagne ohne eine Vielzahl von Verträgen und Absicherungen. Nur mit Leidenschaft für die Sache sei der große Aufwand zu bewältigen. Es werde zunehmend schwerer, Leute zu aktivieren, sagt Nicolas Morand. „Bei den mittleren Jahrgängen klaffen Lücken.“ Arbeit für die Narretei sei keineswegs nur Halligalli und Rucki Zucki.

Wenn die tolle Maschine in Gang kommt, ist davon nichts zu ahnen. Wie in alten Zeiten darf die Fünf gerade sein, spielt das Morgen keine Rolle, wird der Alltag zum Fest. Eine Frage – dem Motto der Saison 1986/87 entlehnt – muss erlaubt sein: Ist die Welt des Narren heil? „Nach außen ja“, antwortet Schmidt.

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