Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

06. Dezember 2012

Kaiserin-Friedrich-Gymnasium: Auf der Suche nach vergessenen Wörtern

 Von Olaf Velte
Stolz präsentieren die KFG-Schüler ihr Werk. Foto: Martin Weis

Schüler des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums in Bad Homburg forschen nach alten Wörtern. Ihre Funde haben sie in dem Buch „Das vergessene Wort“ verewigt.

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Schüler des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums in Bad Homburg forschen nach alten Wörtern. Ihre Funde haben sie in dem Buch „Das vergessene Wort“ verewigt.

Blitzelement und vermaledeit! Courmacher und Phrasendrescher! Wörter, die von weit herkommen und mit denen sich trefflich fluchen lässt. Es sind vier von Aberhundert Begriffen – allesamt vereint in der fünften Ausgabe von „Das vergessene Wort“ herausgegeben von der Mainzer Lenz-Stiftung.

Das Sprachprojekt

Das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg hat als bisher einzige Schule aus der Rhein-Main-Region an dem bundesweiten Projekt „Das vergessene Wort“ teilgenommen. Jeder
Schüler der Arbeitsgruppe wurde mit einer Aufwandsentschädigung in Höhe von 60 Euro bedacht.

Bei Teilnahme-Interesse können sich Schulen an die Dr.-Ing.-Hans-Joachim-Lenz-Stiftung in Mainz wenden. Kontakt via Telefon 06131/832255 oder www.lenz-stiftung-mainz.de.

Die Lenz-Stiftung wurde vor zehn Jahren gegründet und fördert innovative und modellhafte Projekte zu den
Themengebieten Bildung, Erziehung und Sprache.

In der Edition „Erneuerung geistiger Werte“ sind bislang 27 Bände
erschienen – darunter auch die fünf verschiedenen Ausgaben zu den
vergessenen Wörtern.

Der Band mit den Beiträgen der Bad Homburger Schüler ist im Buchhandel erhältlich und heißt „Das vergessene Wort – Vom Reichtum der deutschen Sprache“. Die ISBN-Nummer lautet 13978-3-938088-30-2.

Gesammelt wurden die sprachlichen Fundstücke von 25 Schülerinnen und Schülern des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums (KFG) zu Bad Homburg. Freiwillig und ohne Leistungszwang. Viel nebenschulische Arbeit war vonnöten, um das Wort-Vorhaben mit Inhalt zu füllen. Das Ergebnis – seit einiger Zeit in Buchform vorliegend – begeistert auch Schulleiterin Heike Zinke: „Unter unseren vielen Projekten ist dies ein ganz besonderes.“ Initiiert von Stiftungs-Mitarbeiterin Katrin Bibiella und Deutsch-Lehrer Markus Scholz beschäftigte sich die altersmäßig gemischte Schülergruppe zwischen September 2011 und März 2012 intensiv mit den Schönheiten und Sonderbarkeiten deutscher Sprachkunst.

Vier Arbeitstreffen standen am Anfang: Rund 30 Jugendliche aus den Jahrgangsstufen 9 bis 12 zeigten Interesse an der Forschung zur Muttersprache. Dass nicht alle bei der Stange blieben, ist für Literaturwissenschaftlerin Bibiella kein Grund zur Besorgnis: „Die Akzeptanz und das Niveau in Bad Homburg waren hervorragend.“ Die von ihr angesprochene „intensive Erfahrung“ wird von den Teilnehmern geteilt.

Schüler wählen Bücher aus

Theresa Püllen, die bald Abitur macht und Märchen von Hermann Hesse durchforstet hat: „Das Bewusstsein, wie man spricht und was man ausdrücken möchte, ist gewachsen.“ In ihrem „Erfahrungsbericht“ schreibt sie: „Die Sprache, die wir selbst benutzen, verrät viel über uns selbst, über eigenen Ideale, über Prioritäten, über unsere Vorstellungen vom Miteinander.“

Wie ihre Mitschüler konnte sie zu Beginn ein Buch auswählen, um darin nach selten gebrauchten Begriffen zu suchen. Ein Vertiefen, das von jedem Teilnehmer nach Gutdünken strukturiert werden konnte.

Dem umfangreichsten Werk hat sich Patrick Böhm gewidmet. „Insel Felsenburg“ von Johann Gottfried Schnabel stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und enthält Wendungen wie „caressiret“ oder „nunmehro“. Die Auseinandersetzung mit der alten Sprachwelt habe seine Wahrnehmung geschärft, so der Abiturient. Die Auswahl an klassischem Bildungsgut reichte von Goethe und Kleist über Else Lasker-Schüler bis zu dem 1934 geborenen Wulf Kirsten.

Entdeckungen zuhauf waren möglich. Fontane-Leserin Marie Hering: „Von Jugendlichen wird heute oft ein reduziertes und mit englischen Ausdrücken durchsetztes Deutsch gesprochen.“

Wer dabei war, blieb nicht unberührt. Lieblingswörter und eigene Schöpfungen durften ins Spiel gebracht werden – das klangliche Element wurde ebenfalls wichtig. „Hier konnte ein Bereich abgedeckt werden“, sagt KFG-Pädagoge Scholz, „der im Unterricht vernachlässigt wird.“

In der alltäglichen Kommunikation, so Anna-Lena Flentje, hätten die alten Sprachbilder zwar keine Chance – trotzdem sei das Projekt eine wertvolle und sinnliche Erfahrung gewesen.

Wo sonst finden sich auch solche Preziosen wie „Tränenseligkeit“ und „Selbstzergliederung“?

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