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Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

11. Januar 2013

Kinder- und Jugendtelefon Hochtaunus: Die Nummer gegen Kummer

 Von Olaf Velte
Tamara Kühne und Ingrid Karutz kümmern sich.  Foto: Martin Weis

Die Anrufe beim Kinder- und Jugendtelefon des Hochtaunuskreises häufen sich. Einige Heranwachsende wollen nur blödeln, andere haben ernsthafte Probleme. Um alle Telefon-Schichten besetzen zu können, werden neue Berater gesucht.

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Ausbildung

Telefon-Berater für die „Nummer gegen Kummer“ werden derzeit vom Kinderschutzbund Hochtaunus gesucht. Eine Informationsveranstaltung findet am 23. Januar ab 18 Uhr in den Räumen an der Schwalbacher Straße 5 in Bad Homburg statt.
Die Ausbildung dauert drei Monate und beinhaltet spezielle Seminare an den Wochenenden oder abends und eine Hospitanz. Der Dienstplan ist flexibel, jeder Berater sollte rund 25 Schichten pro Jahr leisten. Telefoniert wird werktags zwischen 14 und 20 Uhr.

Manche wollen Pizza bestellen oder Lieder singen. „Die Hälfte aller eingehenden Anrufe sind sogenannte alternative Kontaktversuche“, sagt Tamara Kühne, die als eine von vier Koordinatorinnen beim Kinder- und Jugendtelefon (KJT) arbeitet. Die „Nummer gegen Kummer“ wird aber auch gewählt, wenn die Themen schwerer wiegen: Gewalt, Missbrauch, Schwangerschaft, Selbstmordabsicht, Zwangsheirat.

„Der Redebedarf“, so Ingrid Karutz, Vorstandsvorsitzende des Kinderschutzbundes Hochtaunus, „wächst bei den Kindern und Jugendlichen.“ Von montags bis freitags, immer zwischen 14 und 20 Uhr, ist die Telefonstation besetzt. Derzeit stehen dem KJT 24 ausgebildete Berater zur Verfügung – zu wenige, um alle Schichten abdecken zu können. „Wir suchen dringend neue Leute, die sich auf die Jugend von heute einlassen möchten“, sagt Karutz, die wie alle übrigen Mitarbeiter ehrenamtlich im Einsatz ist. Geistige und emotionale Beweglichkeit sei eine wichtige Qualifikation, um die durchschnittlich fünf bis zehn Minuten dauernden Gespräche bewältigen zu können. „Es kann auch mal über eine Stunde dauern.“

In speziellen Seminaren werden die Neulinge nebenberuflich geschult, bevor eine Hospitanz die Ausbildung beschließt. Auf vieles müssen sich die Telefonberater vorbereiten: Blödeleien und Angst, Schweigen und Neugier. Tamara Kühne: „Der große Bereich Liebe, Partnerschaft und Sexualität ist das häufigste Gesprächsthema, gefolgt von Mobbing in der Schule.“ Lösungen könne man keine anbieten, aber Wege aufzeigen – „Hilfe zur Selbsthilfe“. Das Reden sei bei schweren Problemen oft der erste Schritt, um das Selbstbewusstsein zu stärken.

Das Gros der Anrufer ist zwischen 12 und 16 Jahren alt, die meisten stammen nicht aus dem Hochtaunuskreis. Die Leitungen sind überregional geschaltet, alles ist anonymisiert. „Die Nummern können wir nicht sehen.“ Weil heute das Handy allgegenwärtig sei, wachse die Bereitschaft, die kostenlos verfügbare 08001110333 anzuwählen. Im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter des KJT Hochtaunus fast 9000 Gespräche entgegengenommen. Was die Seele belastet, kann einmal im Monat mit einem Supervisor besprochen werden.

Seit nunmehr 32 Jahren gibt es in Deutschland die Kummer-Nummer. Die Hochtaunus-Zweigstelle ist dem Kinderschutzbund angeschlossen, der in Bad Homburg residiert; früher in der Haingasse, heute auf dem Gelände der alten Feuerwache in der Schwalbacher Straße. „Wir sind hier mittendrin – eine ideale Lage“, sagt Ingrid Karutz.

Als Partner des Stadtteilzentrums Mitte wird ein breites Betreuungsangebot bereitgestellt. Täglich kommen Grundschulkinder, denen nach dem Mittagessen bei den Hausaufgaben geholfen wird. Unterstützung bieten Sozialpädagogen, die dreimal pro Woche auch für Schüler der 5. und 6. Klasse da sind. Eine weitere Schülerhilfe existiert in Usingen an der Konrad-Lorenz-Schule. Daneben gehören Kurse für Eltern und Bewegungsnachmittage in den Wintermonaten zum Programm. „Ein Netz der Betreuung“ wie es die beiden Ärztinnen ausdrücken. Dass von Ruhestand keine Rede sein kann, stört sie nicht. Herausforderungen hätten sie gesucht – und beim Kinderschutz gefunden.

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