Bad Homburg und Hochtaunus
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28. November 2012

Kiosk Oberursel: Familie Alles hat den Kampf verloren

 Von Miriam Keilbach
Christoph Alles im Oktober 2010 in seinem alten Kiosk, danach zog er in den Container, den er jetzt schließen muss. Foto: ROLF OESER

Obwohl sie 1400 Unterstützer hinter sich hat, muss Familie Alles den Kios am U-Bahnhof in Oberursel aufgeben. Bei einem Gespräch zwischen der Familie - seit 24 Jahren Kioskbetreiber - und Bürgermeister Hans Georg Brum, ging es nur teilweise sachlich zu.

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Oberursel –  

Der Kiosk am U-Bahnhof in Oberursel verschwindet, das hat die Stadtverordnetenversammlung entschieden. Sie lehnte einen Eilantrag der Linken, die den Erhalt des Kiosks forderten, ab. Familie Alles muss Mitte Dezember ihren Container räumen. Da helfen auch 1400 Unterschriften von Bürgern nicht, die sich für den Erhalt ausgesprochen haben. Dennoch wollten die Familie, seit 24 Jahre der Kioskbetreiber, und vier ihrer Unterstützer noch Einiges klären. Sie kamen am Montag zu Bürgermeister Hans Georg Brum (SPD) ins Rathaus.

Bei dem Gespräch ging es nur teilweise sachlich zu. Ein Unterstützer ging Stadtentwickler Arnold Richter, der anwesend war, persönlich an. Brum drohte mit Abbruch, „das ist kein vernünftiger Gesprächsverlauf“, sagte er. Auf beiden Seiten kam der Ärger der vergangenen Jahre hoch.

Kompromiss: Container und Baustelle

Bis 2010 war die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) Vermieterin des Kiosks, dann verkaufte sie das Bahnhofsareal an die Stadt, die den Bahnhof für den Hessentag umgestalten wollte. Der alte Kiosk wurde abgerissen. Weil sie noch einen gültigen Mietvertrag hatte, zog Familie Alles in einen Container, ohne dass es für diesen einen gültigen Bebauungsplan gab. „Das war der Kompromiss, ihr kriegt eure Baustelle, ich darf den Kiosk behalten“, sagte Alles zum Bürgermeister.

Er handelte aus, dass der Vertrag für den Container auf 24 statt 18 Monate abgeschlossen wurde, die Pacht wurde geringer. In der Stadtverordnetenversammlung hieß es, die Stadt zahle 980 Euro monatlich für den Container, Familie Alles 540 Euro – allerdings sind darin auch öffentliche Toiletten enthalten. Eine Abfindung, wie ein Gerücht besagte, hat es nicht gegeben, bestätigt die VGF in einem Schreiben. Brum räumte ein, im Magistrat von einer Abfindung in Höhe von 7000 Euro gesprochen zu haben.

Familie Alles glaubt, dass die Abstimmung im Parlament ohne das Gerücht anders verlaufen wäre. „Ich war vor der Sitzung im Ältestenrat und habe das richtiggestellt“, entgegnete Stadtentwickler Richter.

Brum: "Zwei Herzen in meiner Brust"

Brum sagte, er sei froh gewesen, nicht bei allen Gesprächen mit Christoph Alles dabei gewesen zu sein, weil man sein damaliges Verhalten als Drohung hätte sehen könnte, den Hessentag platzen zu lassen. Zudem habe es Alternativvorschläge gegeben. Familie Alles hielt die allerdings für nicht geeignet: Das Ärztehaus war zu teuer, der DB-Store ist ein Franchise-Unternehmen. „Der DB-Store wechselt schon den Betreiber, so gut läuft es da“, sagte Alles.

Zu lange habe die Stadt offengelassen, ob es weiterginge. „Immer wieder habt ihr uns Hoffnung gemacht“, sagte Christoph Alles. Richter entgegnete, dass der Vertrag mit Absicht keine Verlängerungsklausel beinhaltet habe. Bürgermeister Brum erklärte: „Es schlagen da zwei Herzen in meiner Brust, ich kenne den Kiosk schon lange.“

Eine Lösung wäre für die Familie der Umzug in ein Bürogebäude zwischen dem Bahnhofsgebäude und der Frankfurter Landstraße gewesen. „Da wären wir reingegangen“, sagte Daniela Alles, doch ob überhaupt gebaut wird, ist noch unklar. „Und warum kann der Container nicht bis dahin stehen?“, fragte Angelika Stohrer, die Demonstrationen für die Familie organisierte.

Die Stadt sieht nach wie vor zu viele Probleme mit dem Kiosk. Man befürchte die gleichen Verhandlungen wie jetzt, so Brum. Man wolle einen freien Bahnhofsplatz mit Blickachsen, „das tut dem Bahnhof gut“, sagte Richter. Und man wolle keine parkenden Autos an der Nassauer Straße, die den Verkehr behinderten. Richter: „Wir können nicht jeden Bürger fragen.“

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