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Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

17. März 2011

Kissen für den Notfall: Aufblasbarer Lebensretter

 Von Martina Propson-Hauck
Ein Dummy wird vom Übungsturm geworfen.  Foto: Michael Schick

Die Bad Homburger Feuerwehr schafft als erste in Deutschland Sprungkissen für Hochhäuser an. Ein Versuch zeigt: Es funktioniert.

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Der beißende Rauch dringt ganz langsam ins dämmernde Bewusstsein vor. Es brennt! Nichts wie raus, aber wohin? Die Tür, das Fenster, der Balkon. Im Kopf dreht sich alles. Ich bin in diesem Hochhaus eingeschlossen wie in einen Albtraum. Plötzlich kann ich fliegen, durch das mit eisernen Türen verschlossene Treppenhaus, aber der Flug nimmt kein Ende. Schweißgebadet erwache ich.

Es ist ein immer wiederkehrender Kindheits-Albtraum der Autorin, die in einem Hochhaus einen Teil ihres Lebens verbrachte. Vielleicht träumen ihn auch andere Menschen, die in Hochhäusern leben.

Die Bad Homburger Feuerwehr kümmert sich dagegen täglich um ganz reale Albträume. Als erste Wehr in Deutschland hat sie nun ein aufblasbares Sprungkissen angeschafft, das acht mal fünf Meter misst und mit Überdruckbelüftungsgeräten auf 3,50 Meter Höhe aufgeblasen werden kann.

Jetzt demonstrierten Feuerwehrchef Daniel Guischard und seine Männer eindrucksvoll vor laufenden Kameras, wie das Sprungkissen funktioniert, das äußerlich einer überdimensionalen Hüpfburg gleicht und im Notfall sogar auf parkende Autos gestellt werden kann: Qualm dringt aus dem Übungsturm, mit Sirenengeheul rücken zwei Einsatzfahrzeuge an. In 25 Metern Höhe schreit ein Mann um Hilfe. In wenigen Sekunden haben die neun Feuerwehrmänner das Tuch ausgerollt, die Lüfter angeschlossen und per Megafon den Mann zum Sprung aufgefordert. Zwei Helfer werfen ihn über die Balkonbrüstung des Übungsturms. Er fällt mitten aufs Tuch, rutscht ab, saust unsanft auf den Asphalt. Das hätte sicher ein paar Knochenbrüche gegeben – wenn es sich nicht nur um einen ohnehin kopflosen Dummy gehandelt hätte. Der sei mit 30 Kilo ein wenig zu leicht, erläuterte Guischard. Zudem hatten die Wehrleute ihn im Eifer der Vorführung wohl mit ein wenig zu viel Schwung über die Brüstung geschleudert. Die nächsten Versuche klappen reibungslos.

Die aufblasbare Sprungfläche soll im Ernstfall den Sturz eines Menschen aus bis zu 60 Metern Höhe auffangen und sein Leben retten. Die Drehleiter normaler Rettungsfahrzeuge der Feuerwehr reichen nur in eine Höhe bis zu 23 Meter. Allein in Bad Homburg stehen aber 21 Wohnhäuser, mit einer Höhe von 22 bis 56 Metern. Ins Sprungpolster kann man laut Aussage des Herstellers selbst noch aus dem 25. Stockwerk springen. Wer allerdings jemals auf dem Balkon eines Hochhauses jenseits des vierten Stockwerks gestanden hat, kann sich vorstellen, wie viel Überwindung so ein Sprung kostet. Nur bei unmittelbarer Lebensgefahr wird das Tuch laut Guischard eingesetzt. Trotz der Rettungswege schaffen es viele Leute bei Feuer, das meistens nachts ausbricht, nicht, sich in Sicherheit zu bringen. Das neue System kostet 20 000 Euro.

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