Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

05. April 2012

Kronberg: Vom Banker zum Pfarrer

 Von Klaus Nissen
Christian Fahl feiert mit zwei Ministranten den Gottesdienst in der heimischen St. Vitus-Kirche .  Foto: Renate Hoyer

Der Oberhöchstädter Christian Fahl wird an Pfingsten zum katholischen Priester geweiht. Es war ein langer Weg bis dahin.

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Zum Schluss sind es nur noch sieben. Sieben Männer aus fünf deutschen Bistümern, die sich in den nächsten Wochen zu katholischen Priestern weihen lassen. Mit Zölibat und allem Drum und Dran. Christian Fahl ist dabei. Am Pfingstsonntag um 15 Uhr erhält der 33-jährige Oberhöchstädter im Limburger Dom von Bischof Franz-Peter Tebartz- van Elst die Primiz – den Status des Priesters. Gut 60 Jahre hat es gedauert, bis die 1800 Seelen starke Katholiken-Gemeinde von Oberhöchstadt nach Peter Hirt wieder einen Pfarrer hervorbringen konnte.

Christian Fahl wird seine Primiz am Pfingstmontag ab 10.30 Uhr mit der heimatlichen St. Vitus-Gemeinde feiern. Im Sommer wird ihm dann der Bischof eine Gemeinde zuweisen. Vielleicht sogar einen Pastoralen Raum – den Zusammenschluss mehrerer Pfarrgemeinden mit etlichen tausend Gläubigen.

Christian Fahl traut sich das alles zu. Der Mann im schwarzen Anzug mit dem silbernen Kreuz am Revers ist energiegeladen. Beim Kirchencafé nach dem Gottesdienst spricht er lebhaft und gestenreich. Probleme mit dem Zölibat? Die hat er persönlich nicht. „Der Zölibat ist ein Verzicht. Man muss sich gut geprüft haben.“ Ihm selbst bringe der Verzicht auf eine eigene Beziehung und Kinder noch mehr Energie, für andere Menschen da zu sein. „Ich lebe aus dem Gebet heraus und sehe, dass Gott mir Kraft gibt.“

"Wir haben eine Glaubenskrise"

Es sei noch so viel zu tun. „Ich sehe dramatische Veränderungen in der Kirche. Sie darf sich nicht mehr um sich selbst drehen – dann verkrustet sie. Wir haben eine Glaubenskrise. Es geht darum, wie in unserer Gesellschaft der Glaube gelebt wird.“

Der neue Priester aus Oberhöchstadt ist ein Anhänger des Kurses von Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst, der eher als katholischer Hardliner gilt und eine intensive Mission im eigenen Land für notwendig hält. „Er hat die Zeichen der Zeit erkannt“, meint Christian Fahl. Die Welt sei voller Menschen, „die sich im Grunde nach einem sehnen: an einen liebenden Gott zu glauben, der sie geschaffen hat“.

Woher kommt dieses Sendungsbewusstsein? Die in der Familie lebende Großmutter habe ihm den Glauben eingepflanzt, sagt der 33-Jährige. Er ist übrigens am Heiligabend 1978 geboren. Zwei ältere Brüder gab es da schon. Die Mutter war Hausfrau, der Vater Oberstudienrat an der Kerschensteiner-Schule in Bad Homburg.

Die Familie sei in der St. Vitus-Gemeinde verwurzelt und sonntags stets zur Kirche gegangen, erzählt Christian Fahl. Er habe sich früh in der katholischen Jugendarbeit engagiert. Auch, als er in der Altkönigschule auf das Abitur zusteuerte. Der Christian werde mal Papst, scherzten Mitschüler in der Abi-Zeitung.

Doch der damals 19-jährige machte erstmal eine Banklehre. Danach arbeitete er fünf Jahre lang bei der Landesbank Hessen-Thüringen in der Kreditadministration. Abends studierte er zusätzlich Bankbetriebswirtschaft. „Trotzdem fand ich die Kraft, noch jeden Tag zu beten.“

Schließlich habe er sich an der Katholischen Hochschule St. Georgen eingeschrieben. Vier Semester Philosophie, sechs weitere Theologie. Zusätzlich wirkte Fahl als Seelsorger in einem Krankenhaus. Dann als Diakon in Bad Camberg.

Er hätte auch im Laienstand bleiben und Pastoralreferent werden können, sagt Christian Fahl. Das hätte ihm ein ganz normales Leben im Kirchendienst ermöglicht. „Aber ich habe gemerkt: Ich habe die Kraft und den Willen, ganz für andere Menschen da zu sein.“

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