Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

24. Januar 2013

Kulturbahnhof: Der Bahnhof als Wasserschloss

 Von Miriam Keilbach
Ehr doch: Vom Kaiserbahnhof zum kapitalen Bock... Foto: Michael Schick

Gibt es irgendein Bauprojekt, das seinen Preisrahmen nicht sprengt? Offenbar nicht. Der Umbau der alten Bad Homburger Station zum "Kulturbahnhof" gerät um mehr als vier Millionen Euro teurer, weil man jetzt erst herausgefunden hat, dass Grundwasser das Fundament massiv beschädigt hat.

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Gibt es irgendein Bauprojekt, das seinen Preisrahmen nicht sprengt? Offenbar nicht. Der Umbau der alten Bad Homburger Station zum "Kulturbahnhof" gerät um mehr als vier Millionen Euro teurer, weil man jetzt erst herausgefunden hat, dass Grundwasser das Fundament massiv beschädigt hat.

Der Kulturbahnhof in Bad Homburg wird teurer als erwartet. Der Geschäftsführer der Bahnhof GmbH, Ralf Wolter, sagte am Dienstagabend vor dem Bauausschuss, der Bahnhof werde nach derzeitigem Stand 22,8 Millionen Euro statt der bislang veranschlagten rund 18 Millionen Euro kosten. Grund dafür ist vor allem eine Tiefenentwässerung rund um das alte denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude.

Die ist laut Wolter rund 3,4 Millionen Euro teuer, hinzu kommen noch rund 900.000 Euro für Folgekosten. Die Entwässerung war nötig geworden, weil Wasser in das Gebäude eindrang. Zwar war den Beteiligten bekannt, dass es im Bahnhof entsprechende Probleme gibt, dass diese allerdings so gravierend sein würden, damit hatte keiner gerechnet. „Wir sprechen hier von zeitweise sechs bis zehn Kubikmeter Wasser pro Stunde“, sagte Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne). „Die Empfangshalle war komplett unterspült“, sagt Wolter.

Drei Brunnenbohrungen

Der Bahnhof sei „ein Wasserschloss“, sagte Wolter. Er stehe im Grundwasser. Das Fundament sei durch den ständigen und starken Wassereintritt beschädigt worden. „Das Ausmaß haben wir erst mit der Freilegung der Baustelle entdeckt“, sagte Wolter. Es habe auch ein Gutachten gegeben, doch selbst der Hydrologe habe die Wassermassen unterschätzt.

Hinzu kommt ein weiteres Problem, für das die Deutsche Bahn sorgte. Das Wasser, das sich in den Gleisbetten sammelt, wird hinter eine Schwergewichtswand geleitet – in Richtung des Bahnhofs. So drückt bei Regen Wasser gegen das Gebäude – „das führt zu fontänenartigem Austreten“, sagt Wolter. Dazu käme noch normales Schmelzwasser.

Und weil Grundwasser dem Grundwasser zugeführt werden muss, wird die Flüssigkeit nun hinter dem Gebäude abgefangen und vorne wieder eingeleitet – ein Versuch, das Wasser um das Gebäude herum zu leiten. Es werden auch drei Brunnen gebohrt, um das Wasser gezielt abzuleiten.

Beim Fürstenbahnhof sieht es ähnlich aus. Dort fanden die Arbeiter sogar eine eigene Quelle. Diese sei nun eingefasst und kanalisiert, das Wasser werde ins Abwasser geleitet, so Korwisi. „Wir werden beim Fürstenbahnhof ähnliche Probleme haben“, prophezeit Wolter. „Das ist kein Quell der Freude.“

Rohbau nahezu fertig

Laut Geschäftsführer denke man darüber nach, die Bahn auf Schadensersatz zu verklagen, da bei Vertragsabschluss nicht bekannt gewesen sei, dass die Bahn ihr Regenwasser auf die beschriebene Art umleite.

Die Klage eines Anwohners, der laut Vertrag Fahr- und Wegerechte auf der Baustelle hatte, kostet inklusive der dadurch verursachten Verzögerungen rund 400.000 Euro. Während die CDU Wolter in die Mangel nahm, wieso man bei den Firmen nicht in die Verträge aufgenommen habe, dass es zu Verzögerungen kommen könne, gab die Koalition der ehemaligen Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) die Schuld: Sie habe den Vertrag abgeschlossen, aber nicht mitgeteilt, dass es diese Rechte gebe.

Dennoch: Die Arbeit macht Fortschritte, der Rohbau ist nahezu fertig. In die Wände wurde ein Wasserschutz eingebaut. Sind die Bodenarbeiten abgeschlossen, kann der Innenausbau beginnen. Mitte Februar sollen die alten und neuen Bleiglasfenster eingesetzt werden. Im April sollen die neuen Pächter mit der Inneneinrichtung ihrer Flächen beginnen. Geplant ist, den gesamten Kulturbahnhof zum Poesie Literatur Festival Anfang Juni zu eröffnen.

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