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Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

10. Dezember 2012

Oberursel: Bürger sollen Schnee selbst wegräumen

 Von Jürgen Streicher
Für den Abtransport von Schneemassen hat sich die Stadt private Unterstützung gesichert.  Foto: Monika Müller

Der städtische Räumdienst kümmert sich nur noch um „gefährliche“ und „verkehrswichtige“ Straßen. Zwei Drittel der Straßen bleiben ungeräumt, die Stadt will so 60.000 Euro einsparen.

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Das Salzlager ist aufgerüstet. Auf 800 Tonnen wurde der Salzvorrat schon im vergangenen Winter aufgestockt, in dem nur wenig verbraucht wurde. Engpässe soll es nicht mehr geben wie im schneereichen Winter 2010/11, als in der härtesten Phase kein Nachschub mehr kam. Die Schneeräumer sind ebenfalls startklar, zusätzlich zum Tagesdienst steht dem städtischen Bau & Service (BSO) eine 24 Mitarbeiter umfassende Bereitschaftsmannschaft zur Verfügung. Erste Kurzeinsätze waren erfolgreich, gestern stand das Team von Betriebsleiter Gerhard Behrends vor der ersten Herausforderung.

Und mit ihnen die Bürger Oberursels. Denn der BSO wird nur noch die wichtigsten Hauptverkehrsstraßen räumen und streuen. So lautet der Auftrag der Stadt, die auch im Bereich Winterdienst einen Faktor zur Haushaltskonsolidierung sieht. Um die 60000 Euro pro Jahr möchte der Stadtkämmerer am liebsten einsparen und hat dabei die Unterstützung der Parteien.

Streustufe 1

Also fahren die großen Räum- und Streufahrzeuge des BSO mit Kapazitäten von bis zu 18 Tonnen im Winter 2012/13 nur noch durch Straßen der „Streustufe 1“. Das sind 70 Straßen: von der Adenauerallee bis zum Zimmersmühlenweg, also gut ein Drittel des städtischen Straßennetzes. Maßgeblich bei der Prioritätensetzung ist, ob es sich um „gefährliche“ und „verkehrswichtige“ Stellen handelt. Als gefährlich gelten etwa Steigungs- und Gefällstrecken, scharfe und unübersichtliche Kurven, stark frequentierte Kreuzungen oder Brücken. Verkehrswichtig sind Durchgangsstraßen, Buslinien oder Straßen, die zu Institutionen und Einkaufszentren führen. Das System der Streustufen ist auf den Internet-Seiten von Stadt und BSO einsehbar, www.bso-oberursel.de.

In allen anderen Straßen sind die Anwohner aufgefordert, selbst zu Schippe und Besen zu greifen. Die Straßen sollten so geräumt werden, dass sie von den Verkehrsteilnehmern genutzt werden können und die Hauptverkehrsstraßen ohne größere Einschränkungen zu erreichen sind. Der „Schnee ist dabei möglichst auf dem eigenen Grundstück in den Vorgärten abzulegen“, heißt es in der BSO-Anleitung für die Bürger. Vor allem soll das Zuschütten von Verkehrswegen vermieden werden. Im Schneewinter 2010/11 konnten häufig Stadtbusse die Haltestellen nicht ordnungsgemäß anfahren.

Ein Proteststurm wehte damals vom Ortsteil Oberstedten Richtung BSO, weil die Schneeräumer dort mit der Arbeit nicht nachkamen. Jetzt fürchten Pflegedienste und Altenheime um ihre Erreichbarkeit und ihren Service, erste Bürgerklagen sind umgehend beim BSO eingegangen. Dessen Räumdienst arbeitet mit den Großfahrzeugen von 3 bis 24 Uhr, Traktoren und Handräumer werden von 4 bis 20 Uhr eingesetzt. Die aktuelle Rechtsprechung verpflichtet nur zur Räumpflicht bis 20 Uhr, maximal bis 22 Uhr.

Erstmals im Einsatz ist ein Fahrzeug, das über eine selbstmischende Sole-Anlage mit zehn Kubikmeter Volumen verfügt. Auf Mietbasis, so Gerhard Behrends, bei erfolgreichem Test solle der rund 40000 Euro teure Aufsatz die Räumkolonne ergänzen. Mit dem Feuchtsalz wird bei angekündigtem Schnee oder Blitzeis vorgestreut. Die Salzmenge könne dadurch erheblich reduziert werden, sagen die BSO-Fachleute. Für das Wegräumen von Schneemassen zu einem Dutzend Lagerplätzen für Altschnee verfügt die Stadt über vier Radlader und Lastwagen, die Kooperation mit Landwirten und Bauunternehmern ist abgesprochen.

Die Nachbarstadt Bad Homburg räumt ihre innerstädtischen Straßen von 4.30 bis 22 Uhr. Auch dort hat der Betriebshof Lehren aus dem Winter 2010 gezogen und 900 Tonnen Salz an der Nehringstraße eingelagert. Gesichert hat sich der Leiter des Betriebshofs, Ralf Bleser, den Zugriff auf weitere 1000 Tonnen in einem zentralen Lager der Kommunen in Wiesbaden. In Großräumfahrzeugen sind 15 geschulte Fahrer unterwegs, die nach zehn Stunden Schicht abgelöst werden.

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