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Bad Homburg und Hochtaunus
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05. Dezember 2012

Poetry Slam Oberursel: Sprechdurchfall in der Bücherei

 Von Nina Nickoll
Foto: peter-juelich.com

Das Jugendbüro Oberursel veranstaltet den ersten Workshop zum Thema „Poetry Slam“. Teilnehmer zwischen 12 und 20 Jahren lernen dort wie gute Slam Poetry entsteht.

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Es herrscht „Sprechdurchfall“-Alarm in der Bücherei: Jugendliche reden wild durcheinander, fangen an zu schreien, brüllen sich an, umarmen sich, schütteln sich, bis irgendwann jemand „Stopp!“ ruft. Der „Sprechdurchfall“ ist eine Übung, bei der es darum geht, dass so viele Wörter wie möglich den Mund verlassen, Sinn ergeben müssen sie nicht. Sie ist eine von vielen Übungen, die 19 Schüler und Studenten fit machen sollen für den „Poetry Slam“. Wie gute Slam Poetry entsteht, lernen die Teilnehmer zwischen 12 und 20 Jahren bei einem Workshop in der Stadtbücherei unter Anleitung von Lars Ruppel.

Der 27-Jährige hat sein Hobby, den „Poetry Slam“, was sinngemäß „Dichterschlacht“ heißt, vor zehn Jahren zum Beruf gemacht. Übungen, bei denen alle durcheinanderbrüllen und -laufen wechseln sich ab mit solchen, bei denen eigene Gedichte geschrieben werden. „Wichtig ist, dass ihr das Wort spürt, ihr braucht das richtige Gefühl“, sagt Ruppel, denn jedes Wort habe einen eigenen Rhythmus: Katze klinge kratzig, Baum tief.

Genauso wichtig sei die richtige Körperhaltung, dass man den Gedichtzettel mit einer Hand festhalte und die andere nutze, um den Worten Leben einzuhauchen. Wer wütend sei, balle die Hand zur Faust und habe sie nicht in der Hosentasche. „Wir interpretieren immer, was der andere mit seinen Händen macht“, so der Poet aus Marburg.

Schlamm-Dichter brauchen Spaß am Schreiben und Mut zum öffentlichen Auftritt

Zum Poeten geboren werde niemand und dichten habe nichts mit Romantik zu tun, sagt Ruppel, der auch international erfolgreich ist. Im Auftrag des Goethe-Instituts hat er schon Workshops in Indien, dem Sudan und Russland organisiert. Mit seinen Schülern, egal ob aus Indien oder Deutschland, arbeitet er immer ähnlich: „Talent oder Sprachgefühl sind nicht so wichtig, wie Spaß am Schreiben und Sprechen und der Mut, auf die Bühne zu gehen.“

Bei den Themen gibt es für Slam Poeten keine Grenzen. „Am nächsten seid ihr euch selber, nur ihr könnt darüber schreiben, wie es euch geht.“ Eine Teilnehmerin fragt Ruppel: „Wie geht es dir?“, er antwortet „hell-durchsichtig“, sie fragt, „wie durchsichtig?“. Ruppels Blick schweift durch den Raum, auf dem Boden neben dem Mikrofonständer und vor dem Glasfenster steht eine hellorange leuchtende Gans. „Wie eine hellorange leuchtende Gans, die aus dem Fenster schaut…“, beginnt Ruppel sein Gedicht.

Auch Achim Hasselberg dichtet an diesem Nachmittag. Er leitet das städtische Jugendbüro in der Stadtbücherei und ist begeistert, wie viele Teilnehmer gekommen und wie kreativ sie sind. Kennengelernt hat er Ruppel im vergangenen Jahr bei der Verleihung des Hessischen Leseförderpreises im Hessischen Literaturforum im Mousonturm in Frankfurt. Dort wurden die beiden Projekte des Jugendbüros, „JUJU – Jugendliche helfen Jugendlichen“ und „B.L.U.D.S – Jugendleseclub“, mit dem ersten Preis der Hessischen Leseförderung ausgezeichnet. „Ruppel war als Rahmenprogramm da und wir fanden ihn so toll, dass wir ihn nach der Preisverleihung angesprochen haben“, erzält Hasselberg.

Nur noch eine knappe Stunde bis zur Aufführung der eigenen Gedichte. Alle sagen den „Motivationssatz für Slammer“ und gegen Lampenfieber auf: „Ich bin müde, ich bin ein Pinguin, ich kann gar nichts.“

Der Auftritt vor Zuschauern ist freiwillig – die meisten Teilnehmer bleiben und der Abend wird ein Erfolg: Beim „Poetry Slam“ ist der Leseraum voll, mehr als 70 Menschen kommen, viele bleiben vor dem offenen Fenster hinter der selbst gebauten Bühne stehen und verfolgen den Dichterwettstreit. Dann ist Ruppel mit einem eigenem Gedicht dran. „Das müssen wir unbedingt wiederholen“, sagt Hasselberg begeistert.

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