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Bad Homburg und Hochtaunus
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04. Dezember 2012

Psychotests: Vorwürfe gegen Gutachterin

 Von Miriam Keilbach
Wenn der Vater mit dem Sohne... Foto: dpa

Psychologische Gutachten spielen eine wichtige Rolle bei Streits ums Sorgerecht. Doch die wenigsten Psychotests für Gutachten entsprechen wissenschaftlichen Standards. Eine Gutachterin aus dem Hochtaunuskreis steht besonders in der Kritik.

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Gutachter sind Menschen, die auf das Schicksal einer Familie erheblichen Einfluss nehmen können. Auch wenn sie nur einen Rat an das Gericht abgeben, so folgt das Gericht doch meist den Gutachtern – wozu sollte man sonst auch Experten dazu holen? Je nach ihrer Einschätzung, darf ein Vater oder eine Mutter im Extremfall das eigene Kind nicht mehr sehen.

Seit Jahren werden Gutachter in familienrechtlichen Streitigkeiten aber stark kritisiert. Die Tests, die Gutachter durchführen, entsprächen oft nicht wissenschaftlichen Standards, so der Vorwurf. Werner Leitner von der Universität Köln bestätigt das. Er untersuchte 70 Gutachten aus den Jahren 2009 und 2010 – der größte Teil der am häufigsten angewandten Tests entspricht nicht wissenschaftlichen Standards, so das Ergebnis seiner Studie. Die Erkenntnis: Nur Einschätzungen könne der Gutachter abgeben, meist fehle in den Gutachten der fundierte Hintergrund.

So gebe es etwa einen Test, bei dem Kinder ihre Eltern als Tiere malen sollen. Malt das Kind den Vater als Schwein, habe das aber nichts zu bedeuten, so Leitner. Wahrscheinlich habe das Kind gerade ein Schwein im Fernsehen gesehen oder mit einem Stofftier gespielt.

Bezahlung ist ein Problem

Das Problem habe zwei Ursachen, so Gutachtenkritiker. Zum einen ist Gutachter kein geschützter Beruf, auch Laien können als solche arbeiten. Zum anderen habe es mit Geld zu tun: Während der Gutachter früher nach Leistung bezahlt wurde, bekomme er nun einen Stundenlohn. Das führe dazu, dass Gutachten mit belanglosem gefüllt werden, weil es Geld bringt, und die Arbeitsweise leide, so der Gutachtenkritiker Wolfgang Klenner (siehe Interview).

Ein Name, der bei der Kritik im Internet immer wieder auftaucht, ist der einer Gutachterin aus dem Hochtaunuskreis. Klenner untersuchte vor einigen Jahren einige Gutachten von der Frau. Teilweise seien ganze Passagen von einem Gutachten auf das andere übertragen, sagt er – bei verschiedenen Familien, bei verschiedenen Fällen.

Dabei seien Gutachten dafür da, die Personen und die Fälle individuell zu schildern. Die Gutachterin weist die Kritik zurück. „Alle meine Gutachten werden nach herrschenden wissenschaftlichen Standards erstellt. Sie basieren nicht auf Gefühlen. Sie lassen auch keinen beliebigen Spielraum für Interpretationen zu, sondern beantworten die vom Gericht formulierte Begutachtungsfrage“, stellt sie gegenüber der FR klar.

"Man ist machtlos"

Die Frau ist auch die Gutachterin im Fall von Erich B. (siehe oben). B. präsentierte vor Gericht die eidesstattliche Versicherung einer Frau, die diese Gutachterin in einem weiteren Sorgerechtsstreit anprangert und sich von ihr benachteiligt fühlt. So sei die Gutachterin mitten im Verfahren überrascht darüber gewesen, dass die Frau dem Mann nicht das alleinige Sorgerecht überlassen wollte, heißt es in der eidesstattlichen Versicherung. Warum, so die Frau, hätte sie ihren Sohn begutachten lassen sollen, wenn alles klar sei, schrieb sie weiter. Die Gutachterin schlug laut der Frau vor, in zwei Jahren wieder ein Gutachten zu erstellen.

Ausschlaggebend für die Beurteilung im Fall von Erich B. war auch ein – nach Aussagen von B. gestelltes – Video, in dem B. auf die Provokation seiner Frau reagierte und sie aggressiver anging. Daraus schloss die Gutachterin, dass B. generell aggressiv sei und die Entwicklung seines Sohnes störe. Die Gegendarstellungen, die B. ans Gericht schickte, blieben wirkungslos. Die Richterin pflichtete B. zwar an einigen Stellen bei, im Beschluss, wie Urteile vor dem Familiengericht heißen, schloss sie sich aber doch der Gutachterin an. „Man ist einfach machtlos“, sagt B.

Im Internet kursieren zahlreiche Foreneinträge von Elternteilen, die vor Gericht ebenfalls mit der Gutachterin zu tun hatten. Viele berichten ähnliches: von merkwürdigen Psychotests und merkwürdigen Schlussfolgerungen daraus, von einseitigen Gesprächen und einseitigen Gutachten. Selbst die ARD berichtete bereits über die Frau. Die Gutachterin weist in einem Gespräch mit der FR sämtliche Kritik zurück.

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