Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

12. Dezember 2012

Stadtarchiv Bad Homburg: Werke der hebräischen Druckerei

 Von Martina Propson-Hauck
Kulturdezernentin Beate Fleige (vorn) und Stadtarchivarin Astrid Krüger begutachten die Drucke aus dem 18. Jahrhundert. Foto: Martin Weis

Das Bad Homburger Stadtarchiv hat Bücher einer hebräischen Druckerei gekauft, die es im 18. Jahrhundert in der Stadt gab. Außerdem hat es eine wertvolle Ausgabe von Heinrich von Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ erstanden.

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Die Geschichte der Juden in Bad Homburg wird immer weiter erforscht. So ist es bislang nur einem kleinen Kreis historisch Interessierter bekannt gewesen, dass es im 18. Jahrhundert offenbar eine hebräische Druckerei in Bad Homburg gab – und zwar im damaligen Waisenhaus.

In den Jahren zwischen 1711 und 1749, vermutlich auch noch später (bis 1767), haben Seligmann ben Hirz Reiz und später Israel ben Moses und Aaron Dessau zunächst in Frankfurt eine Druckerei betrieben.

Dem öffentlichen Druck der damaligen Zünfte musste diese kleine hebräische Offizin aber weichen – und sie suchten Zuflucht im Umland, in Hanau und Offenbach und eben auch in Bad Homburg. Kulturdezernentin Beate Fleige (BLB) wertet das als Zeichen großer Liberalität und Offenheit Homburgs gegenüber den Juden.

Das Stadtarchiv hat erst in den vergangenen Jahren damit begonnen, einige dieser Drucke anzukaufen, um auch diesen Teil der Stadtgeschichte zu dokumentieren. 22 Bände sind bislang im Eigentum des Stadtarchivs, zwölf davon sind nun zur Restaurierung gegeben worden.

Religiöse und erbauliche Bücher

Über das Hessische Bibliothekssystem sind sie archiviert und müssen in gutem Zustand erhalten werden, damit sie auch von Wissenschaftlern genutzt werden können. Nach Auskunft von Stadtarchivarin Astrid Krüger handelt es sich bei den hebräischen Drucken um religiöse und erbauliche Bücher: Talmud-Kommentare, Gebetbücher und die Beschreibung von Riten. Auch das jüdische Museum in Frankfurt verfügt über eine kleine Sammlung mit Drucken aus dieser Presse.

Wie viele Bücher die Druckerei hergestellt hat, ist unklar. Laut einer Liste von 1918 des Frankfurter Bibliothekars Aron Freimann soll es sich um 37 Titel handeln. Es müssen aber mehr gewesen sein, weil einige der Stadtarchiv-Bände nicht darunter sind. Zwei Bücher, Talmudkommentare von 1736 und 1741, enthalten als Hinweis auf den Druckort die Anmerkung „Gedruckt in der heiligen Gemeinde Homburg Vor der Höh“. Auf einem der Titelblätter ist eine Homburg-Silhouette zu sehen.

Neu erworben hat das Archiv jetzt außerdem eine wertvolle Ausgabe von Heinrich von Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“. Die Ausgabe von 1916 ist im Verlag Bruno Cassirer erschienen. Illustriert ist das Buch auf Büttenpapier mit Lithographien von Karl Walser. Der Künstler ist im Taunus kein Unbekannter: Er hat die Villa Gans in Königstein ausgemalt.

Der Ankauf ist Teil einer Initiative, nicht nur Hölderlin, sondern auch Kleist in der Stadt zu würdigen. „Im Gegensatz zu Hölderlin war Kleist aber nie hier“, sagt Fleige. Dennoch soll unter anderem diese Neuerwerbung in der Villa Wertheimber gezeigt werden, wenn das Stadtarchiv dorthin umgezogen ist. Das wird allerdings noch mindestens bis 2014 dauern. Dann sollen dort auch ein weiteres Hölderlinkabinett und eine Hölderlinwohnung entstehen.

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