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Bad Homburg und Hochtaunus
Berichte und Bilder aus Bad Homburg und dem Hochtaunus

16. Januar 2013

Tierärzte bad Homburg: Notärztin für Vierbeiner

 Von Martina Propson-Hauck
Catalina Otto vor ihrem Tierarzt-Einsatzwagen .  Foto: Michael Schick

Catalina Otto kommt rund um die Uhr ins Haus. Eigentlich wollte sich die mobile Tierärztin auf Frankfurt und den Hochtaunuskreis beschränken. Nun düst sie zwischen Gießen und Darmstadt, zwischen Mainz und Hanau hin und her.

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Catalina Otto kommt rund um die Uhr ins Haus. Eigentlich wollte sich die mobile Tierärztin auf Frankfurt und den Hochtaunuskreis beschränken. Nun düst sie zwischen Gießen und Darmstadt, zwischen Mainz und Hanau hin und her.

Zwei heftige Blutergüsse verunstalten Catalina Ottos Unterarme. Noch Mitte Januar sind die Spuren ihrer Arbeit an den Weihnachtsfeiertagen deutlich zu sehen.

An solchen Feiertagen, Wochenenden oder nachts ist für die mobile Tier-Notärztin aus Bad Homburg Hochsaison. Kurz nach Weihnachten wurde sie nach Frankfurt gerufen, ein vollkommen aufgelöster Hundehalter hatte sie alarmiert: Sein sonst friedlicher Parson Russell Terrier biss wild um sich, attackierte den eigenen Schwanz, das Gesicht seines Halters. „Die ganze Wohnung war bereits voll Blut, der Mann übel zugerichtet, das war bislang wirklich mein krassester Fall“, erzählt die 32-Jährige.

Mobiler Tiernotdienst

Der Tiernotdienst springt ein, wenn der Tierarzt geschlossen hat, ein Haustier plötzlich oder lebensbedrohlich krank wird, einen Unfall hat oder würdevoll zu Hause eingeschläfert werden soll.

Behandelt werden Klein- und Haustiere, also Katzen und Hunde sowie Meerschweinchen, Hamster und andere Gefährten des Menschen, keine Reptilien. Eine spezielle Pferdetierärztin soll den Notdienst später einmal ergänzen.

Abgerechnet wird nach der normalen Gebührenordnung der Tierärzte. Dazu kommen 2,30 Euro pro Kilometer für die Anfahrt, nachts 3,40 Euro. Die Notfallgebühr beträgt den dreifachen Satz der normalen Gebühren.

Das Notruftelefon ist rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen, besetzt. Zu erreichen ist die Tierärztin unter der Handynummer 0160-881 1884.

Selbst nach mehreren Narkosespritzen tobte der Hund immer noch wie verrückt. Mit Maulkorb und Decke schaffte sie es irgendwann doch, das Tier im Transportkäfig ihres Kleinwagens zu verstauen. In der Hofheimer Tierklinik wurde der tobsüchtige Hund sofort eingeschläfert. „Wahrscheinlich eine Art epileptischer Anfall“, sagt Otto, der das Tier trotz der Verletzungen, die auch sie bei dem Einsatz davontrug, furchtbar leidtat.

Wohl die Einzige in Hessen

Erst am 20. Dezember hat sich die in Dornholzhausen lebende Tierärztin mit dem mobilen Tiernotdienst selbstständig gemacht. Seither schläft sie wenig, das Telefon klingelt pausenlos. „Ich wollte ursprünglich nur in Frankfurt und dem Hochtaunuskreis im Einsatz sein“, sagt sie, doch jetzt pendelt sie von Gießen bis Darmstadt, von Mainz bis Hanau.

Sie ist nach eigener Aussage die einzige mobile Tier-Notärztin in Hessen, die rund um die Uhr ins Haus kommt, wenn Haustiere leiden. Akute Bandscheibenvorfälle sind bei Hunden so schmerzhaft wie beim Menschen, Blasenentzündungen lassen Katzen vor Schmerzen schreien. Manchmal können die Tierhalter ihre Vierbeiner auch einfach nicht selbst zum Tierarzt oder in die Tierklinik transportieren, weil sie krank, alt oder ohne Auto sind.

In all diesen Fällen springt Catalina Otto ein. Manchmal kommt sie zu spät, das Tier ist schon tot. Während dieses Gesprächs hat sie einen toten Berner Sennenhund-Mischling im Auto liegen, der in die Pathologie nach Gießen gebracht werden soll. „Der Halter will schließlich wissen, woran sein Hund gestorben ist“, sagt sie, während ihre beiden eigenen Hunde, Chiquitita und Penelope, brav unter dem Schreibtisch dösen. Das Konterfei von Penelope, ein weißer Boxermischling, ziert auch den pinkfarbenen Werbeflyer der Tierärztin.

Feste Tätigkeit unmöglich

Nach dem Abitur am Bad Homburger Kaiserin-Friedrich-Gymnasium war für Otto klar, dass sie Tiermedizin studieren wollte. „Ich hatte schon als Kind 100 Tiere.“ Ratten, Hamster, Goldfische und Hunde waren darunter. Heute engagiert sich die Tierärztin nicht nur beruflich, sondern auch ehrenamtlich für Tiere in aller Welt: In sogenannten Kastrationsprogrammen bremst sie gemeinsam mit Gleichgesinnten die unkontrollierte Vermehrung streunender Straßenhunde und -katzen. Kürzlich war sie dafür in der Dominikanischen Republik unterwegs. „Das ist auch der Grund, warum ich nicht fest in einer Klinik oder Praxis arbeiten kann, denn ich muss immer mal für ein paar Wochen weg“.

In Berlin hat Otto mobile Tiernotdienste kennengelernt und auch bei einem gearbeitet. Dort sind sie seit etwa fünf Jahren weit verbreitet. Als Otto auf einem Tierärztekongress erfuhr, dass es diesen Service in Hessen nicht gibt, ging sie kurzentschlossen zurück in die Heimat nach Bad Homburg, wo auch ihre Eltern leben.

„Als angestellte Tierärztin verdient man trotz 70-Stunden-Woche nur 1600 Euro“, sagt Otto. Auch von dem Notdienst hat sie sich nicht unbedingt materiellen Wohlstand versprochen. Umso überraschter ist sie, wie gut das erst knapp vier Wochen alte Unternehmen läuft. Die Zahlungsmoral der Menschen im Rhein-Main-Gebiet begeistert sie zudem: „In Berlin zahlt man spät oder nie, hier sogar ganz ohne mehrfache Aufforderung.“

Mit den niedergelassenen Tierärzten, an die sie ihre Notdienstpatienten überweist, hat sie ein gutes Verhältnis. „Ich hatte anfangs befürchtet, dass die mich als unliebsame Konkurrenz betrachten.“ Doch Impfungen und andere Dienstleistungen der Tierarztpraxen bietet sie erst gar nicht an. „Ich bin überzeugt, dass es tierärztliche Notdienste bald in ganz Deutschland geben wird“, sagt Catalina Otto.

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