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24. Januar 2013

Wehrheim: Eine Kuppel für alle

 Von Olaf Velte
Weidenernte bei Wehrheim – die richtigen Stücke wollen sorgfältig ausgewählt sein. Foto: Martin Weis

Am Ortsrand von Wehrheim soll ein Bauwerk aus Weidenruten entstehen. Die Ernte des Baustoffes hat bereits begonnen.

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Am Ortsrand von Wehrheim soll ein Bauwerk aus Weidenruten entstehen. Die Ernte des Baustoffes hat bereits begonnen.

Der Gedanke der Allmende lebt in der Hochtaunus-Gemeinde Wehrheim wieder auf. Vor wenigen Tagen wurde das sogenannte Weidenprojekt auf den Weg gebracht – eine Unternehmung, die Gemeinschaft stiften und beispielhaft wirken soll. Geplant ist der Bau einer sechs Meter hohen und zehn Meter durchmessenden Kuppel aus Weidenruten.

Das Weidenprojekt

Für das Projekt werden weitere Mitstreiter gesucht. Informationen finden sich unter www.weidenprojekt-wehrheim.jimdo.com. Ansprechpartner sind Anke Wehr und Hannes Akman (Telefon 06081/59420). In den Osterferien soll die Weidenkuppel in der Nähe des Schwimmbades gebaut werden.

Die Weiden-Ernte ist derzeit im Gange. Am kommenden Samstag, 26. Januar, werden Kopfweiden an der Usa bei Friedberg geschnitten. Treffpunkt zur Abfahrt ist um 10 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Wehrheimer Friedhof an der Rodheimer Straße.

Vor dem Gestalten steht jedoch die Ernte. Das Baumaterial muss geschnitten und eingesammelt werden – 25 Kubikmeter insgesamt. Ein Dutzend Menschen hat sich am vergangenen Samstag aufgemacht, um an den Ufern des Erlenbaches und im Wehrheimer Bizzenbachtal die verschneiten Kopfweidenbestände bei Minustemperaturen zu durchforsten. „Ideales Wetter, um die meterlangen Äste aus den Bäumen zu holen“, sagt Hannes Akman, der das Projekt gemeinsam mit seiner Frau Anke Wehr ins Leben gerufen hat. Inspirierend hätten die Arbeiten des Architekten Marcel Kalberer – Experte für das Bauen mit Bambus und Weide – gewirkt. In den Osterferien wird nahe des Ortes ein Kuppelbau entstehen, der sich innerhalb weniger Jahre vollständig begrünen und als Treffpunkt dienen soll.

Einen Besitzer oder Betreiber, so Akman, werde es nicht geben. Jedermann stehe das vitale Bauwerk offen, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten seien denkbar. Die ansässigen Schulen und Kindergärten hätten bereits ihr Interesse an dem Naturlernort signalisiert. „Morgens Schüler, abends kulturelle Veranstaltungen, sonntags vielleicht auch ein Gottesdienst“, sagt Anke Wehr. Dies alles ohne bürokratische Schranken und in eigener Verantwortung. Materialkosten würden beim Bau kaum anfallen, gefragt sei aber Hilfsbereitschaft. Mit den politischen Gremien der Gemeinde habe man schon früh gesprochen, die zuständigen Behörden hätten den Plänen zugestimmt. Unterstützung hat jedenfalls der Wehrheimer Bauhof zugesagt. Was die Erntehelfer in der Gemarkung nach Längen und Stärken sortiert niederlegen, wird von den Gemeindearbeitern zum auserwählten Standort transportiert.

Die am Bach und neben einem asphaltierten Weg gelegene Wiese wurde von einem Privatmann zur Verfügung gestellt. Dort, mit Blick auf Kirchturmspitze und Freibad, fügen sich ab dem 23. März imposante Rutenbündel zu zwanzig Meter langen Kuppelbögen. Nach elf Tagen konzentrierter Handarbeit soll das Werk vollendet sein.

Vorerst zumindest. „Die ausgeschlagenen Triebe der Kuppel“, so Wehr, „müssen Jahr für Jahr gekappt werden“. Um all dies leisten zu können, setzen die Initiatoren auf das freiwillige Engagement der Bürgerschaft. „Viele Leute werden gebraucht.“ Interessenten können sich unter www.weidenprojekt-wehrheim.jimdo.com informieren.

Doch zunächst stehen die kommenden Samstage unter dem Zeichen von Säge und Astschere. Der Wehrheimer Bestand ist mittlerweile weitgehend niedergelegt, die Erntekolonne will weiterziehen nach Friedberg und Usingen. Akman, ausgebildeter Schreiner und studierter Holzwirtschaftler: „An der Usa befinden sich sehr schöne Kopfweiden“.

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