Den Ort hatten die Organisatoren der Demonstration bewusst ausgesucht. „Das Containerdorf für Asylbewerber in Oberursel ist das mieseste in Hessen“, sagte Timmo Scherenberg, Geschäftsführer des Hessischen Flüchtlingsrats. Politisch verantwortlich für das Lager ist die Kreisverwaltung. Zusammen mit rund 30 weiteren Demonstranten protestierte Scherenberg deshalb am Dienstag im Innenhof des Landratsamts gegen die Gängelung von Flüchtlingen und für die sofortige Schließung der Oberurseler Einrichtung.
Anlass war der Auftakt der bundesweiten Kampagne zur Abschaffung diskriminierender Gesetze gegen Flüchtlinge. Nach der etwa einstündigen Demo in Bad Homburg machten die Protestierenden auch in Oberursel auf ihr Anliegen aufmerksam.
„Wir leben mit 35 Leuten auf einem Flur. Warmes Wasser gibt es nur morgens, mittags und abends für je zwei Stunden. Dann will jeder duschen, waschen oder kochen“, sagt eine Frau.
Die Iranerin wohnt bereits seit eineinhalb Jahrzehnten in Flüchtlingsunterkünften im Hochtaunuskreis, seit 2000 in dem Heim in der Karl-Hermann-Flach-Straße in Oberursel, das derzeit rund 150 Menschen beherbergt. „Die Zimmer sind überfüllt, aber 60 weitere Container stehen leer“, sagt sie. Es sei dort dreckig, die Mülltonnen würden zu selten geleert. Die sanitären Verhältnisse seien katastrophal. „Die Duschen der Frauen können nicht abgeschlossen werden, viele Waschmaschinen sind kaputt. Aber Beschwerden werden einfach ignoriert“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, weil sie Schikanen des Heimbetreibers fürchtet.
„Die Menschen in Oberursel müssen menschenwürdig untergebracht werden.“, sagt Dorotheas Köhler vom Aktionsbündnis gegen Abschiebung Rhein/Main. „Oberstes Ziel ist aber die Schließung der Unterkunft.“ Dass dies möglich ist, zeige ein Blick auf die Praxis in anderen hessischen Kreisen. „In Frankfurt und Gießen leben 95 Prozent der Flüchtlinge in Wohnungen. Im Hochtaunuskreis sind es 21 Prozent“, sagt Regine Trenkle-Freund vom Aktionsbündnis unter Berufung auf Zahlen aus dem hessischen Innenministerium. Damit liege der reiche Hochtaunuskreis hessenweit auf dem letzten Platz.
Die Demonstranten wollten am Dienstag ihr Anliegen direkt dem zuständigen Kreisbeigeordneten Uwe Kraft (CDU) übermitteln, der war allerdings außer Haus. Die dreiköpfige Delegation hinterließ aber in seinem Vorzimmer die Bitte um einen Gesprächstermin.
Unabhängig davon hat der Oberurseler Linken-Abgeordnete Hans-Dieter Werner eine Idee entwickelt, auf die Misere aufmerksam zu machen. Werner: „Wir haben demnächst Hessentag. Dann werden wir für die auswärtigen Besucher Führungen zur Karl-Hermann-Flach-Straße veranstalten, damit sie wissen, wie bei uns Flüchtlinge behandelt werden.“

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