"Respekt vor Johannes Baron!" Albrecht Kündiger, Vorsitzender der Unabhängigen Wählerinitiative Kelkheim (UKW) und Chef der Grünen im Main-Taunus-Kreistag, kann es kaum fassen. Im Kelkheimer Stadtparlament hätte Johannes Baron als FDP-Politiker die Planung zur B8 stets befürwortet. Dass er nun als verantwortlicher Regierungspräsident (RP) politische Überlegungen hintanstelle und sich von fachlichen Gesichtspunkten leiten lasse, findet Kündiger "großartig".
Der "Knaller" zur Bundesstraße B8 macht wie ein Lauffeuer die Runde im Main-Taunus- und Hochtaunuskreis. Die Beschlussvorlage des RP, über die die Regionalversammlung Mitte Dezember entscheiden wird, lässt keinen Zweifel: Die vorliegenden Planungen zur B8 Ortsumgehung Kelkheim und Königstein könnten nicht mit den Erfordernissen der Raumordnung in Übereinstimmung gebracht werden, heißt es darin. Als Bereiche, in denen sich Widersprüche zum Regionalplan ergeben, werden aufgelistet: Wald, Schutz und Entwicklung von Natur und Landschaft, regionaler Grünzug, Schutz von oberirdischem Gewässer, Grundwassersicherung sowie Landschaftsnutzung und Landschaftspflege. Es folgt eine ausführliche 25-seitige Begründung, unterzeichnet ist das Papier von Regierungspräsident Johannes Baron; bis vor einem halben Jahr Erster Stadtrat in Kelkheim.
Die Städte Kelkheim und Königstein planen seit über 40 Jahren den Neubau der B 8 als Ortsumgehung. Sie soll von Hornau am Rettershof vorbei bis zur Billtalhöhe nördlich von Königstein verlaufen.
Umweltverbände und Initiativen machen dagegen mobil, besetzten von 1979 bis 1981 den für die Straße aufgeschütteten Damm. Zwei politische Gruppen sind aus der Dammbesetzung hervorgegangen: die Unabhängige Wählerinitiative Kelkheim (UKW ) und die Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK).
In den 1980er Jahren wurden die Planungen gerichtlich gestoppt.
Vor zehn Jahren nahmen die beiden Städte und das Land das Straßenbauprojekt erneut in Angriff. Das Liederbachtal sollte nun mit einer 32 Meter hohen Brücke überquert werden.
Über eine Million Euro kostete die Planung bislang. Die Kommunen haben sie vorfinanziert. Erst beim Bau der neuen B8 bekommen sie die Kosten vom Land Hessen rückerstattet.
Im Bundesverkehrswegeplan rangiert das Neubauprojekt B 8 als "Straße des weiteren Bedarfs mit hohem ökologischen Risiko". (aro)
Horn sieht keine Alternative
Von einem "herben Rückschlag" spricht der Kelkheimer Bürgermeister Thomas Horn (CDU). Horn gilt aus ausgewiesener Befürworter des Neubaus der B 8 und macht im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau deutlich: "Diese Umgehungsstraße ist alternativlos, es gibt keine andere Möglichkeit der Verkehrsentlastung für die Städte. Wenn sie nicht gebaut wird, riskiert man einen verkehrspolitischen Kollaps." Horn will die Stellungnahme des RP in Ruhe lesen und nach Hinweisen suchen, wie das Straßenbauprojekt vielleicht doch noch realisierbar ist. Er macht aber auch deutlich: "Wenn die Vorzugsvariante, über die wir jetzt reden, nicht infrage kommt, dann ist das Projekt B 8 versenkt."
Robert Rohr, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK), die stets zu den Gegnern des B-8-Neubaus zählte, ist vorsichtig optimistisch. "Ich kann mir vorstellen, dass die Experten des RP zu dem Schluss gekommen sind, dass unterm Strich die Verkehrsentlastung durch die neue Trasse nicht groß genug ist, um die Beeinträchtigungen aufzuwiegen", sagt er. "Da ist der Aufwand viel zu groß."
Claudia Weiand vom BUND Königstein-Glashütten wurde von der Nachricht überrascht. Sie betrachtet die B 8 "seit 20 Jahren als mein Herzblut-Thema". Dennoch müsse man vor der endgültigen Entscheidung in der Regionalversammlung "sehr vorsichtig" sein. Auch ihr BUND-Kollege aus dem Main-Taunus-Kreis, Manfred Guder, will noch nicht in Jubelschreie ausbrechen ob der Expertenmeinung aus Darmstadt. Erst wenn die Regionalversammlung über die Vorlage des RP abgestimmt habe, sei die Sache klar.
Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) kann die Absage an die B8 verstehen. Vor 25 Jahren habe er selbst noch intensiv für die Straße geworben. "Die Zeiten haben sich geändert. Man fragt sich, ob man sie jetzt noch wirklich hätte haben wollen."

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