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Ein-Euro-Jobberin erzählt: „Viel Arbeit für nichts“

Was bringt ein Ein-Euro-Job? Die 19 Jahre alte Katharina W. berichtet der Frankfurter Rundschau von ihren schlechten Erfahrungen mit Willkür, Schikanen und Perspektivlosigkeit.

Ein-Euro-Job
Ein-Euro-Job
Foto: picture-alliance/ dpa

Katharina W. ist 19 Jahre alt, alleinerziehende Mutter, Hauptschulabgängerin. Sie hat einen Plan: Realschule nachmachen, eine Ausbildung finden. Auf der Suche nach einem Kita-Platz für ihre Tochter wird sie zu dem gedrängt, was sie nie werden wollte: eine Ein-Euro-Jobberin.

Entweder innerhalb einer Woche einen Job auf 400-Euro-Basis finden oder einen Ein-Euro-Job in einem Oberurseler Altenheim – das war die Bedingung des Kindergartens für einen Kita-Platz. Unmachbar für die Mutter mit Hauptschulabschluss. Doch damit nicht genug. Im Spätherbst 2010 wird Katharina W. der Ein-Euro-Job gekündigt. „Unentschuldigte Fehltage“ die Begründung, obwohl die Krankheitsbescheinigungen vorlagen. Noch dazu wurde ihre Tochter zu der Zeit operiert. Das Resultat: eine dreimonatige Kürzung von 100 Prozent: 359 Euro weniger im Monat. Aus dem wenigen Geld, das Katharina W. verdient wird ein Nichts.

Ein-Euro-Jobs

635 offene Stellen für Ein-Euro-Jobber gab es im Juni 2010 im Hochtaunuskreis, besetzt davon waren 221.

Die meisten Ein-Euro-Jobber beschäftigen die Kreisverwaltung mit 167 Stellen und die Kreiskommunen mit 134 Stellen. Auch die Altenheime stellen ein: 104 Stellen vergaben sie 2010.

Die Caritas Bad Homburg und das Diakonische Werk Hochtaunus beschäftigen keine Ein-Euro-Jobber. Das Deutsche Rote Kreuz stellt erst 2011 ein. prjw

Hans Dieter Werner, Vorsitzender des Vereins Erwerbslosenhilfe und Kreistagsabgeordneter der Linken, hat sich ihrer angenommen. „Das hier ist kein Einzelfall. Was mit den alleinerziehenden Müttern geschieht, ist ein Skandal.“

Katharina W. ist ein Extremfall unter den Ein-Euro-Jobbern. „Einen guten Ein-Euro-Job gibt es nicht“, sagt die junge Mutter . So viel hat sie in den paar Monaten gelernt. „Ein-Euro-Jobs sind menschenunwürdig.“ Vier Stunden – mehr konnte sie wegen der Tochter nicht arbeiten – verabreichte sie Medikamente, fütterte Patienten, machte Betten: Aufgaben, die sonst Festangestellte erledigen. Aufgaben, bei denen es einer Ausbildung bedarf. Die Leute vor Ort sagten ihr: „Du machst ja nichts anderes als wir – und verdienst nichts.“ Vier Stunden harte Arbeit für vier Euro. Das macht im Monat 80 Euro: Davon abgezogen werden 50 Euro Fahrtkosten und 40 Euro für Mittagessen: Ein Minus von zehn Euro bleibt ihr zu dem üblichen Arbeitslosengeld.

Katharina W. erledigte trotzdem alle Aufgaben, die ihr zugewiesen wurden. Und das, obwohl man zur Medikamentenausgabe eine Pflegerausbildung braucht. Auch sonst vergab das Altenheim ihr Aufgaben, die gegen das Ein-Euro-Job-Prinzip verstoßen. Katharina W. machte das, was die Festangestellten zwischendurch machten. Fakt ist aber, Ein-Euro Jobber dürfen nur zusätzliche Arbeiten übernehmen, nicht notwendige. Auch dürfen Arbeitgeber nicht vorplanen, welche Arbeiten der Ein-Euro-Jobber übernehmen soll. Spontan soll dieser erledigen, was anfällt. Trotzdem fand Katharina W. jeden Morgen eine Karte vor, auf der stand, was sie am Tag zu erledigen hatte.

„Ein-Euro-Jobs sind eine Grauzone, die Altenheime und andere Arbeitgeber ausnutzen“, sagt Hans-Dieter Werner. So sicherten sich diese einen Wettbewerbsvorteil. „Viel Arbeitsaufwand für nichts“ , findet Katharina W. Vorteile – wie dass sie Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsalltag bringen würden –, sieht sie nicht. „ Für die Schule musste ich auch früh aufstehen“, sagt die 19-Jährige. Sie kennt niemanden, der nach einem Ein-Euro-Job in einen versicherungspflichtigen Beruf übernommen wurde.

Katharina W. hofft nun auf einen Neuanfang. Die drei Monate Gehaltskürzung hat sie ausgestanden. Am 31. Januar beginnt sie mit der Realschule. Eine Klage gegen das Altenheim läuft bereits. Den damaligen Arbeitsbericht schaut sie sich heute noch an: „Alles wurde nachgetragen“, sagt die 19-Jährige. Nur das Feld „Arbeitstätigkeit“ – das ist bis heute leer.

Autor:  Julia Wacket
Datum:  2 | 12 | 2010
Kommentare:  55
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