Mit der kompletten Äquator-Umrundung wird es nichts mehr. Aber immerhin, knapp 60 Prozent der Länge des Äquators sind die Oberurseler „Stadtradler“ in zweieinhalb Wochen auf zwei Rädern und nur mit Muskelkraft unterwegs gewesen. Das zeigt die aktuelle Zwischenbilanz von gestern kurz vor der Zielgeraden, die am Donnerstag überschritten wird. Um 16 Uhr waren es 24.133 Kilometer erradelte Kilometer von 145 Teilnehmern in 13 Teams. Damit haben sie dazu beigetragen, fast 3.500 Kilogramm Kohlendioxid zu vermeiden. Der Vergleich mit dem Äquator wird ebenfalls mit jeder Eintragung aktualisiert und soll die freiwilligen Radler zusätzlich motivieren.
Das etwas kleinere Langen im Kreis Offenbach hat die Äquator-Umrundung geschafft, konnte allerdings auch 300 Stadtradler aufbieten. Trotz Bürgermeister-Beispiel – Hans-Georg Brum fuhr im SPD-Team mit dem Rad die drei Kilometer ins Rathaus, wenn er im Dienst war – ist das in Oberursel nicht gelungen. Im kommenden Jahr soll daher die Werbetrommel etwas kräftiger für das Stadtradeln gerührt werden.
Die Idee der vom Klima-Bündnis bundesweit organisierten Aktion ist einfach: Wenn nur 30 Prozent der Kurzstrecken bis sechs Kilometer in den Innenstädten mit dem Fahrrad statt mit dem Auto gefahren würden, ließen sich in Deutschland 5,7 Millionen Tonnen CO2 jährlich vermeiden. Das soll Mitmacher motivieren. Frank Böhme schafft täglich mehr.
Das Auto eingemottet
Der Stadtverordnete der Grünen wurde in Oberursel zum offiziellen „Stadtradler“ ernannt. Er musste sein Auto für drei Wochen symbolisch einmotten und war nur mit dem Rad unterwegs, was von den anderen Teilnehmern nicht erwartet wurde. Für sie ging es lediglich darum, möglichst viele Wege per Rad zurückzulegen.
Frank Böhme also stand schon eingangs der dritten Woche mit 352 Radkilometern zu Buche und damit an der Spitze. In seinem Blog (www.stadtradeln.de) berichtet er über seine Erlebnisse. Der Leser erfährt etwa, dass auch ein Familienbesuch in Braunfels (110 Kilometer hin und zurück), eine Fahrt zur Fraktionsklausur in Schmitten (17 Kilometer über den Berg und 17 Kilometer zurück) und eine 18-Kilometer-Fahrt nach dem Laufen eines Halbmarathons bei gutem Willen mit dem Fahrrad erledigt werden können.
Als Stadtverordneter wolle er „Vorbild sein und weitere Bürger zum Umstieg auf das Fahrrad bewegen“, sagt Böhme. Das eint auch so unterschiedliche Charaktere wie Ursula Bräuer von der Grundschule Weißkirchen („Lehrer kommen als Vorbild für Schüler mit dem Fahrrad zur Schule“), Christiane Marianek von der Firma Hydrodata ( „Als Umweltfirma wollen wir die Aktion mit Muskelkraft unterstützen“) und Markus Bürgel von der CDU („Die Förderung des Radverkehrs in Oberursel ist wichtig“). Als Teamkapitäne gehen sie voran und sind seit dem 16. September möglichst viel mit dem Fahrrad unterwegs.
Was besser werden kann und was politischen Lippenbekenntnissen folgen muss, zeigen die Team-Diagramme. Da liegen die Grünen nicht nur bei der absoluten Kilometerzahl mit viermal mehr Teilnehmern weit vor den radelnden Kollegen von CDU und SPD. Mit 158 Kilometern pro Teilnehmer haben sie auch dreimal soviel zur CO2-Verminderung beigetragen wie die CDU (58 Kilometer) und fast doppelt soviel wie die SPD (90 Kilometer).

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