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Adenauerallee: Das große Kastanien-Sterben

Nur 15 von 43 Bäumen in der Adenauerallee haben eine Überlebenschance. Bis zum Hessentag will Oberursel die Straße wieder zum attraktiven Boulevard machen. Von Jürgen Streicher

Sieht gar nicht so aus, ist aber schlimm: der Zustand der Kastanien in der Adenauerallee.
Sieht gar nicht so aus, ist aber schlimm: der Zustand der Kastanien in der Adenauerallee.
Foto: FR/Schick

Das Baumgutachten ist niederschmetternd, im Ergebnis aber war es zu erwarten. Fast alle Rosskastanien entlang der Adenauerallee sind geschädigt, Fachleute geben den meisten noch maximal fünf bis zehn Jahre Überlebenszeit. Bei besten Prognosen können es auch 20 Jahre sein, das trifft auf knapp ein Drittel der 43 mächtigen Bäume zwischen Bären-Kreuzung und Bahnhof zu, die das Bild der Allee der Neuzeit prägen. Sie sind grün markiert im Lageplan des Nauheimer Sachverständigenbüros, das die Bäume im Auftrag der Stadt vom Wurzelwerk bis zur breiten Krone begutachtet hat.

Grün im Plan bedeutet geringe Vorschädigung, die meisten Bäume aber sind gelb (deutlich vorgeschädigt) und rot (schlechter Allgemeinzustand, dauerhafter Erhalt nicht möglich) markiert. Und: "Die gesamte Allee ist aktuell in einem nicht verkehrssicheren Zustand", heißt es im Gutachten zur "Erhaltenswürdigkeit" der Kastanienallee. Nur 15 Bäume dürfen die nächsten Jahre überleben, damit "der Charakter einer vollständigen Allee zu jeder Zeit bestehen bleibt". Der Rest wird ausgetauscht, die komplette Allee bekommt eine Verjüngungskur.

Boulevard Adenauerallee

Zum Hessentag 2011 soll die Adenauerallee zwischen Bären-Kreuzung und Bahnhof Boulevard-Charakter bekommen. Parkstreifen und Gehweg werden entlang der Bebauung niveaugleich ausgebaut, wobei der Gehweg auf drei Meter verbreitert werden soll. Als Belag ist kristallgraues Betonpflaster in unterschiedlichen Formaten vorgesehen. Es erlaubt den "Römischen Verband".

Gehweg und Parkstreifen werden durch schmale Pflasterbänder aus Basaltsteinen getrennt. Zur Straßenbeleuchtung sind gebogene Mastauslegeleuchten in "Glimmer Schwarz" mit einer Lichtpunkthöhe von acht Metern vorgesehen. Von gleicher Farbe sind die ausgesuchten befahrbaren Baumscheiben und die Baumschutzgitter auf der Gebäudeseite der Allee.

Achtzehn Boulevardeichen (Quercus palustris) zwischen Volksbank und italienischem Restaurant an der Ecke zur kleinen Nassauer Straße sollen der Straße den erwünschten Boulevard-Charakter geben. Bei der Pflanzung werden sie rund acht Meter hoch sein. Im Straßenstück sind drei markierte Querungen zur Kastanienallee mit Fußgänger- und Radweg vorgesehen.

So steht es im Sachbericht zu einer Magistratsvorlage, die nach der Sommerpause und nach einer öffentlichen Informationsveranstaltung beschlossen werden soll. Die Zeit drängt, denn wenn die Adenauerallee bis zum Hessentag 2011 im neuen Kleid daherkommen soll, müssen die neuen Bäume im Herbst gepflanzt werden: Sieben bis neun Meter hohe Rosskastanien mit einem Kronendurchmesser von vier bis sechs Metern. Sie wurden vorbehaltlich der Entscheidung im Stadtparlament bereits in einer norddeutschen Baumschule reserviert.

Flohmarkt in die Innenstadt?

Die Bäume, die jetzt noch erhalten werden, sollen dann in einigen Jahren ebenfalls ausgetauscht werden. Damit das Bild nachher stimmt, können sie schon heute in der Baumschule vorgebucht werden. Ziel ist eine neue gleichmäßige Baumallee in einigen Jahren. Zu ihrem Schutz ist zwischen Fahrbahn und Pflanzstreifen eine 70 Zentimeter hohe Mauer mit Natursteinverkleidung vorgesehen. Sie soll vor Tausalzeintrag von der Straße schützen. Die Belastung durch Salz, das sich über Jahrzehnte im Boden konzentriert hat, ist ein maßgeblicher Faktor für die Schädigung des Baum-Altbestands. Die massive Bodenverdichtung durch den monatlichen Flohmarkt in der Allee ist ein weiterer Grund.

Im neuen Park- und Pflegekonzept wird die Verlegung des Flohmarkts in die Innenstadt angeregt. Im Sachbericht steht: "Ein wichtiger Gedanke, der zum Schutz der Bäume weiterverfolgt werden sollte."

Der Geh- und Radweg soll nach der vorliegenden Planung seine Funktion als gemeinsame Verkehrsfläche für Fußgänger und Radfahrer behalten. Auch er bekommt einen neuen Belag mit großformatigen Platten, abgestimmt in Art und Farbgebung auf die, die im Bahnhofsbereich mit Unterführung und Vorplatz verlegt werden sollen. Für die Beleuchtung ist der gleiche Typ Lampen vorgesehen wie auf dem "Boulevard Adenauerallee". Substantielle Eingriffe in die Parkanlage sind nicht vorgesehen, sie steht unter Denkmalschutz.

Im September wird mit dem Ausbau des Boulevards begonnen, rund eine halbe Million Euro sind dafür veranschlagt. Bis dahin müssen die Vorplanungen für die Kastanienallee konkretisiert und die Kosten dafür ermittelt werden. Außerdem ist ein Umgestaltungskonzept für den unteren Bereich des Alleenweges vom Bahnhof zum Friedhof zu entwickeln. Auch in diesem Bereich sind Bäume massiv geschädigt.

Autor:  Jürgen Streicher
Datum:  15 | 7 | 2009
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