Erst kam die Zeder für das Kaiserpaar, dann die Rosskastanien. So muss es gewesen sein, so wird es zumindest in den meisten alten Schriften dargestellt. Zur Goldenen Hochzeit von Kaiser Wilhelm I. und seiner Gattin Augusta anno 1879 wurde die heute beeindruckende Atlas-Zeder im unteren Teil der Parkanlage Adenauerallee gepflanzt. Seit 1938 steht sie unter Naturschutz.
Die Straße entlang der frisch gepflanzten doppelten Kastanienreihe mit dem Fußweg in der Mitte wurde vermutlich in den 1870er Jahren zur Frankfurter Straße, im Volksmund die Frankfurter Chaussee. 1933 wurde sie zur Adolf-Hitler-Allee, nach Kriegsende war sie nur noch Allee, ehe sie nach dem Tod von Altkanzler Konrad Adenauer 1967 ihren heutigen Namen bekam.
In ihrer imposanten Breite, eingerahmt von den majestätischen Kastanienbäumen, war die Allee über lange Jahre die eindrucksvollste Straße der Stadt, die vom Jugendstil-Bahnhof zum Hotel Schützenhof und zur Bären-Kreuzung führte. Und natürlich südlich des Bahnhofs geradeaus weiter Richtung Frankfurt. Als Hauptzugang von Süden zur alten Stadt war sie zeitweilig auch Kreuzweg zu den 14 Stationen des Leides Christi, von denen noch drei Bildstöcke erhalten sind.
Als Allee damals noch mit Linden und Nussbäumen wird das Gelände vor der alten Stadt am Ausgang Unter-Pfort schon von Otto Wallau in den "Nova Facies" von 1724 bezeichnet. Noch früher fanden auf dem der Stadt vorgelagerten Gelände der Au die Vollversammlungen der Märkergedinge statt, später bot es Platz für Rummel bei der Kirchweih.
Das Wasserbecken mit Springbrunnen in Bahnhofsnähe stammt aus dem Jahr 1901. Für dessen Bau hatten Oberurseler Bürger im Jahr zuvor ein Komitee gegründet, weil die Stadt das Projekt nicht finanzieren wollte. Das Sandsteinehrenmal mit dem Adler an der Spitze, zum Gedenken an die Oberurseler Opfer des Krieges 1870/71 und zur Erinnerung an die lebend zurückgekommenen Soldaten, wurde 1895 in der Mitte der Parkanlage errichtet.
Ein bisschen ist es auch dem Bürgersinn zu verdanken, dass die Kastanien entlang der Straße zumindest die meisten noch heute so stehen. Denn es ist schon 35 Jahre her, dass ihnen der baldige Tod vorausgesagt wurde. "Die Bürger müssen allmählich vom altvertrauten Anblick der Kastanienbäume in der Adenauer-Allee Abschied nehmen", schrieb damals eine Lokalzeitung. Wassermangel, Alter und Autoabgase habe vor allem die Bäume an der Straßenseite "schwer geschädigt", das Fällen der Riesen wurde für den Herbst 1974 angekündigt.
Nach Bürgerprotesten und Bedenken bei einer Reihe von Stadtvätern wurde die Rosskur für die Rosskastanien vertagt. Eine spezielle Drainage-Leitung für bessere Wasserzufuhr bescherte den Bäumen ein längeres Leben, zusätzlich wurde eine Beregungsanlage installiert.
(jüs)

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