Die Grünen stellen in Hessen erstmals einen Oberbürgermeister. Bei der Stichwahl in der der Kreis- und Kurstadt Bad Homburg im Taunus setzte sich der Grünen-Politiker Michael Korwisi am Sonntag deutlich gegen Amtsinhaberin Ursula Jungherr von der CDU durch.
59,5 Prozent der Wähler stimmten für den 57 Jahre alten Korwisi, der als unabhängiger Kandidat angetreten war, aber seit 30 Jahren den Grünen angehört. Auf Jungherr entfielen 40,5 Prozent der Stimmen.
Damit wurde in Bad Homburg ein historischer Machtwechsel vollzogen: Die CDU stellte in der noblen Kurstadt seit gut 60 Jahren den Oberbürgermeister. 45,8 Prozent der knapp 39 000 Wahlberechtigten gingen am Sonntag an die Urnen.
Im ersten Wahlgang Ende April hatte es die Christdemokratin Jungherr auf 39,0 Prozent der gültigen Stimmen gebracht, Korwisi schnitt mit 39,3 Prozent etwas besser ab. Nach dem Ausscheiden des SPD-Kandidaten Karl Heinz Krug, der im ersten Wahlgang auf 21,7 Prozent der Stimmen gekommen war, wurde Korwisi außer von den Grünen auch von den Sozialdemokraten unterstützt. Die Oppositionsparteien Neue Homburger Union (NHU) und die Bürgerliste Bad Homburg (BLB) empfahlen ebenfalls die Wahl des ehemaligen Stadtrats.
Der hessische Grünen-Landesvorsitzende Tarek Al-Wazir wünschte dem ersten Oberbürgermeister seiner Partei in Hessen viel Glück: "Die hessischen Grünen gratulieren Michael Korwisi sehr herzlich und sind sehr stolz darauf, dass wir jetzt auch einen direkt gewählten grünen Oberbürgermeister haben." Die Partei sei froh, dass sie "in den Gemeinden so tief verankert" sei.
Korwisi hatte der Deutschen Presse- Agentur dpa wenige Tage vor der Stichwahl gesagt: "Ich werde kein grüner OB sein, sondern als Unabhängiger mit allen Kräften in der Politik sprechen und arbeiten." Im Bad Homburger Stadtparlament ist die CDU mit 21 Sitzen stärkste Kraft. Die SPD hat 8, die Grünen 6 und die FDP 5 Sitze. Hinzu kommen 4 Stadtverordnete der BLB, 3 der NHU und 2 fraktionslose Abgeordnete, davon ein Republikaner und ein Vertreter der Partei Die Linke. (dpa)

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