Das Rathaus versteht sich schon lange nicht mehr als Amt mit schläfrigen Bürokraten, die das Geschehen mehr verwalten als gestalten. „Die Stadt“, wie die öffentliche Verwaltung von ihren Bürgerinnen und Bürgern gern genannt wird, ist längst ein moderner Konzern mit vielfältigen Beteiligungen geworden.
Nicht ganz zufällig mag es da erscheinen, dass mittlerweile kein gelernter Verwaltungsbeamter, sondern ein ehemaliger Unternehmensberater als Bürgermeister und Kämmerer die Finanzgeschicke dieses Konzerns Stadt lenkt. Bürgermeister Karl Heinz Krug (SPD) hat in dieser Funktion jüngst den Beteiligungsbericht der Stadt vorgelegt – ein wenig früher als üblich. Und nun will er das Tempo in der Verwaltung weiter verschärfen. „Wir müssen in Zukunft stärker betrachten, wie die einzelnen Gesellschaften arbeiten und was sie mit dem Geld machen“, sagte Krug bei der Vorstellung des Berichts. Um künftig keine Steuern erhöhen zu müssen, müsse man „intensiver auf Zahlungsströme achten“. Denn auch in Bad Homburg wird das Geld knapper.
Insgesamt ist die Stadt an 23 Gesellschaften unmittelbar oder mittelbar beteiligt. Sie hält zudem Anteile an drei Genossenschaften, zwei Wasserverbänden und einem Zweckverband.
Das defizitäre Kurstift ist mittlerweile zwar verkauft, taucht aber noch im Bericht für 2011 auf. Die Tochtergesellschaft Kur- und Kongress GmbH mit den weiteren Tochterunternehmen Bahnhof GmbH, Klinik Dr. Baumstark, KuK Immobilienverwaltungsgesellschaft und vom 1. Januar an mit der François-Blanc-Spielbank-Gesellschaft kümmern sich um den Kurpark und den Kurbetrieb mit einer eigenen Klinik, einem modernen Spa (Kur Royal) und einem Fitness-Center für den gehobenen Bedarf. Dazu gehören auch die Parkhäuser der Stadt, die Sanierung des Bahnhofs und künftig eben auch das Casino.
Gas, Wasser und künftig auch verstärkt Strom kommen vom Energieversorger Stadtwerke. Die sind ein Eigenbetrieb der Stadt genau wie der Betriebshof, der sich um die Sauberkeit der Straßen, die Bepflanzungen und im Winter um das rechtzeitige Streuen von Straßen und Wegen kümmert. Zusammen bringen es die städtischen Töchter auf eine Bilanzsumme von 133 Millionen Euro, ein Anlagevermögen von 89 Millionen Euro sowie Umsatzerlöse von 74 Millionen Euro. Beschäftigt sind dort insgesamt 559 Menschen.
Ein Unternehmen könne viele Aufgaben schneller und marktorientierter erledigen als eine Behörde, begründet Krug die Ausgliederung so vieler Sparten. Um transparent zu bleiben, muss die Stadt jeweils jährlich einen Beteiligungsbericht vorlegen – diesmal geschah das zum neunten Mal. Dass das für das Vorjahr nicht erst im November geschieht wie bislang, müsse künftig auch noch funktionieren, drängt Krug.
Aufgaben delegieren an eigene Gesellschaften dürfe die Stadt nur, wenn diese keinen hoheitlichen Charakter haben und dem öffentlichen Interesse dienen.
Der Betriebshof wies 2011 einen Gewinn von 965.000 Euro aus, weit mehr als ursprünglich angesetzt (142.000) Euro). Das sei vor allem auf höhere Erlöse aus der Abwicklung von Aufträgen direkt von der Stadt zurückzuführen. 2012 übernahm der Betriebshof auch die Betreuung, Pflege und Verwaltung der sechs städtischen Friedhöfe.
Die Stadtwerke wiesen 2011 ein Defizit von 2,1 Millionen Euro aus. Weil der Winter nicht so kalt war, habe man weniger Gas verkauft und zudem auf eine Anhebung der Preise verzichtet. Letzteres soll sich zum 1. Januar nun ändern. Die Geschäftsfelder Strom und Wärme, in denen sich die Stadtwerke künftig stärker engagieren wollen, haben im Jahr 2011 „anlaufbedingte Verluste“ von 281 000 Euro erzeugt.
Erstmals kann man dem Beteiligungsbericht auch entnehmen, wieviel die Geschäftsführer der Tochtergesellschaften verdienen – zwischen 98.000 und 217.000 Euro.
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