Die marode Sammelunterkunft für Flüchtlinge am Niederstedter Weg in Bad Homburg wird ab 1. Juli geschlossen. Die 69 Bewohner sollen umziehen. "Wir suchen mit Nachdruck Unterkünfte", sagte Sozialdezernent Dieter Kraft (Grüne) am Dienstag.
Für die 34 Asylbewerber unter den Bewohnern ist der Hochtaunuskreis zuständig. Dieter Kraft vermutet, dass sie in der Containersiedlung an den Drei Hasen in Oberursel untergebracht werden. Der Kreis warte zunächst ab, sagte der zuständige Dezernent Uwe Kraft (CDU) am Montagabend vor dem Kreistag. Die Umsiedlung in die Container würde die Lage der Kinder, Frauen und Männer noch verschlechtern, befürchtet die ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin Carola Kaiser-Gunia. Das bereite ihr große Sorgen.
In beiden Sammelunterkünften herrschen ghetto-ähnliche, beengte Lebensverhältnisse, beklagen seit Jahren Vertreter von Kirchen, Sozialverbänden, Oppositionsparteien und Betreuer. Die Grünen forderten am Montag im Kreistag die Schließung der Lager. In Hessen bringe nur der Hochtaunus Flüchtlinge in Containern unter, ergänzte die SPD-Abgeordnete Gabriele Klempert. "Die Kinder geraten psychisch aus dem Ruder. Sie wissen, dass sie hier keine Chance haben."
Kreisbeigeordneter Uwe Kraft widersprach: Man bemühe sich, alle Flüchtlingsfamilien in Wohnungen einzuquartieren. Doch für Asylbewerber seien nach Paragraph 53 des Asylverfahrensgesetzes nun mal Sammelunterkünfte vorgeschrieben. Mit der Mehrheit von CDU und FDP überwies der Kreistag den Schließungsantrag in den Jugend-, Sozial- und Integrationsausschuss. Das sei "eine Beerdigung erster Klasse" für das Schließungsbegehren, spottete der Linken-Abgeordnete Hermann Schaus.
Das Aus für die Bad Homburger Unterkunft verabredete Stadtrat Dieter Kraft nach eigener Auskunft mit der Betreiberin - der Firma Taurus. Für sie rentiere sich das Geschäft nicht mehr, nachdem sie im Dezember bei einer Brandschau mit 44 Beanstandungen konfrontiert wurde. Unter anderem muss Taurus rund um die Uhr eine Brandwache finanzieren. Der Vertrag mit dem Hochtaunuskreis läuft Ende September aus. Taurus muss dann das 1989 errichtete Fertigteilgebäude auf dem städtischen Gelände am Niederstedter Weg abreißen, sagte Dieter Kraft zur FR.
Die 35 nicht als Asylbewerber geltenden Bewohner sind Flüchtlinge mit Aufenthaltsrecht; einige haben schlecht bezahlte Jobs, andere bekommen maximal 5,60 Euro Mietkostenerstattung pro Quadratmeter vom Sozialhilfeträger. Stadtrat Kraft erbittet für sie bezahlbare Wohnungsangebote unter der Telefonnummer 06172/ 10 03 146 (Herr Klein).

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