Patienten, die am Dienstag in der Paul-Ehrlich-Klinik ihre Rehabilitationskur beginnen sollten, wurden kurzfristig wieder ausgeladen und auf einen Tag später vertröstet. Der Grund: Vier von sieben Ärzten haben einen Tag lang gestreikt. Der Klinikbetrieb konnte zwar aufrechterhalten werden, aber die für Neuankömmlinge vorgesehenen ausführlichen Untersuchungen hätten von den verbliebenen Ärzten allein nicht durchgeführt werden können.
Die Bad Homburger Ärzte folgten damit einem deutschlandweiten Streikaufruf des Marburger Bundes. Hintergrund ist der Wirrwarr bei der Entlohnung der Ärzte, die in Reha-Kliniken der Rentenversicherung beschäftigt sind. Sie werden momentan nach drei unterschiedlichen Tarifen bezahlt. Darüber hinaus gibt es nach Auskunft Betroffener auch Einzelvereinbarungen mit unterschiedlichen Zulagen. Ihr Einkommen bemesse sich danach, wie geschickt die Ärzte verhandelten.
Insgesamt aber sei das Einkommen der Reha-Ärzte deutlich niedriger als das von Ärzten in anderen Krankenhäusern. Entsprechend groß sind die Nachwuchssorgen. An manchen Standorten können offene Stellen nicht mehr besetzt werden, teure Honorarkräfte werden für bis zu 600 Euro Tagessatz bei Engpässen eingekauft. Auch auf der Homepage der Paul-Ehrlich-Klinik ist gegenwärtig die Stelle eines leitenden Oberarztes ausgeschrieben, man verweist dort bei der Gehaltsfrage auf die Tarifverhandlungen mit dem Marburger Bund. Die Verwaltung der Klinik war gestern zu keiner Stellungnahme bereit.
Insider behaupten, dass sich gut ausgebildete Ärzte auf ausgeschriebene Stellen in Bad Homburg eher in der privaten Wicker-Klinik bewürben. Dort nämlich haben die Ärzte bereits per Streik erreicht, dass der Klinkbetreiber die Tarifverträge mit dem Marburger Bund abgeschlossen hat.
Der fordert als Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands auch die Deutsche Rentenversicherung seit mehr als einem Jahr zu Tarifverhandlungen auf. Rund 2000 Ärzte arbeiten in den rund 100 DRV-Häusern in Deutschland.
Die Paul-Ehrlich-Klinik verfügt über 165 Betten. In der Einrichtung werden orthopädische und internistische Reha-Patienten behandelt. Die Klinik beschäftigt momentan sieben Ärzte, die unbesetzte achte Stelle wird durch eine Honorarkraft ersetzt, um die Belegung der Betten aufrechterhalten zu können.
An dem gestrigen Streik beteiligten sich mehrere Kliniken. Ein weiterer zentraler Streik ist für den 5. Januar geplant.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+