Bad Homburg könnte Unesco-Weltkulturerbe werden. So steht es in einem Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hat. Der Kurpark und die kosmopolitische Stellung der Stadt als Ort der internationalen Begegnungen zu Kaiserzeiten und zu Zeiten der Spielbank-Eröffnung seien dafür ausschlaggebend. Doch bis zu einer möglichen Aufnahme, können Jahre vergehen – und einige Schritte sind erforderlich.
Zunächst möchte Bad Homburg Mitglied der Initiativgruppe Greatest Spas of Europe werden, einem Zusammenschluss einiger Bäderstädte wie Baden-Baden und dem belgischen Spa. Sie verfolgen das gemeinsam Ziel, auf die Vorschlagsliste für das Unesco Weltkulturerbe zu kommen. Das Gutachten, das der französische Kunsthistoriker Dominique Jarrassé erstellte, ist Voraussetzung für die Aufnahme in der Gruppe. Die Mitgliedschaft kostet Bad Homburg einen fünfstelligen Betrag.
Bad Homburgs Alleinstellungsmerkmal sind die historischen Parks wie der Kurpark mit den Heilquellen. Relevant ist auch das internationale gesellschaftliche Leben etwa in der Kasino-Zeit.
Zu den Greatest Spas of Europe gehören Baden-Baden, Wiesbaden, Bad Kissingen, Karlsbad (Leitung), Marienbad, Franzensbad, Spa, Vichy, Montecatini Terme, Luhacovice Lazne und Bath.
Die Gruppe prüft nun den Homburger Antrag. Sie will sich dann offiziell um den Titel Weltkulturerbe bewerben. Dafür werden Pläne für Erhalt, Präsentation und Vermittlung des Kulturerbes der Städte aufeinander abgestimmt.
„Als Teil einer größeren Gruppe kann Bad Homburg eine bedeutende Rolle einnehmen und durch die Qualität seines Parks und seiner Bäder sowie durch seine Rolle bei der Entwicklung einer europäischen Gesellschaft und einer internationalen Bäderkultur im 19. Jahrhundert zum universellen Wert der Gruppe beitragen“, heißt es in dem Gutachten. „Alleine hat eine Stadt keine Chance, das geht nur im Verbund“, sagt Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne). Jede Stadt habe eigene Schwerpunkte.
Der Kurpark mit den Heilquellen ist für die Bad Homburger Bewerbung zentral. Die Stadt habe früh erkannte, dass der Park mit Golfplatz und Tennisanlagen ihr höchstes Gut sei. Dazu gehören auch die Villen entlang der Kaiser-Friedrich-Promenade und in den Nebenstraßen. Kurdirektor Ralf Wolter sagt: „Es gibt viele Städte mit schönen Gebäuden und internationalem Charakter, aber nicht alle haben so einen Kurpark.“
Die landgräflichen Gärten und der Schlosspark seien ebenfalls universelles Erbe. „Wir sind uns dem Erbe bewusst und tun alles dafür, es zu erhalten und zu fördern“, sagt Korwisi, „das ist Grundvoraussetzung für die Aufnahme.“ Einige Forschungs- und Erhaltungsprojekte seien in den kommenden Jahren geplant.
Die Bemühungen Bad Homburgs gehen auf den ehemaligen Direktor der Schlösser und Gärten des Landes Hessen, Kai Mathieu, zurück. Er erfuhr 2010 von der Initiativgruppe. „Das Gutachten ist ein erster Schritt, der Sicherheit gibt“, sagt Korwisi, „Bad Homburg erfüllt alle Kriterien, um in die Gruppe aufgenommen und Weltkulturerbe zu werden.“
Mathieu verweist auf Prestige und Perspektiven. „Als das Kloster Lorsch Weltkulturerbe wurde, hat sich das positiv auf die Kultur und die Infrastruktur ausgewirkt.“ Korwisi betont, die Tradition als „grüne Bäderstadt“ zu erhalten. „Wir müssen uns auf das Erbe besinnen und schauen, wo wir noch mehr tun können.“ Der Antrag für die Gruppenaufnahme ist offiziell gestellt, nun sucht der OB Gespräche mit den anderen Stadtvorstehern und dem Landesamt für Denkmalschutz, das das Gutachten ebenfalls erhielt.
Kulturdezernentin Beate Fleige (BLB) sagt, man wollt das Projekt nun den Bürgern vermitteln. Das könnte zu Diskussionen führen: Weil die Luftqualität im Kurpark nicht mehr so gut wie einst ist, soll die Kaiser-Friedrich-Promenade zur verkehrsberuhigten Straße werden. „Vielleicht müssen wir sie auch sperren, um unser Potenzial zu schützen“, so Fleige. Die Stadtverwaltung diskutiert derzeit erste Entwürfe.
Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.