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Bahnhof Bad Homburg: Kulturtreff im Kaiserbau

Kurdirektor Wolter will den Homburger Bahnhof wieder zum Leben erwecken - als Kulturtreff mit Gastronomie und Reisezentrum. Von Martina Propson-Hauck

Der Bahnhof in Bad Homburg - bald soll alles schöner werden.
Der Bahnhof in Bad Homburg - bald soll alles schöner werden.
Foto: FR/Schick

Wenn Ralf Wolter vom Bad Homburger Bahnhof der Zukunft spricht, schwärmt er wie frisch verliebt. Von Ein- und Durchblicken, Licht und Glas, Kultur und Historie. Erst vor sieben Wochen hat die Bahnhof GmbH ihre Arbeit aufgenommen, gestern bereits stellte ihr Geschäftsführer eine ganz konkrete Entwurfsplanung vor. Gemeinsam mit der Architektin Ariane Gunzer-Adolf vom Karlsruher Architektenbüro Mailänder ist dabei ein Modell entstanden, das bereits die Unterstützung der Fraktionen gefunden hat.

Wolter ist ein Wiederholungstäter. Als Bürgermeister hat er einst in Eppstein aus dem Bahnhof einen beliebten gastronomischen Kulturtreff gemacht. Und wenn er schwärmt von den Bahnhöfen, die einst gebaut wurden, um die Bedeutung einer Stadt zu repräsentieren, dann ergreift ihn die melancholische Seite der Liebe: "Zerfallende historische Gebäude sind am traurigsten." Der großen Tristesse am Bad Homburger Bahnhof setzten Brandstifter vergangenen Sommer ein fürchterliches Fanal. Doch das neue Konzept soll laut Wolter "das Gebäude wieder zum Leben erwecken und zum Strahlen bringen",

Die Historie

Am 26.10.1907 fuhr aus dem dritten Bahnhof der Stadt der erste Zug ab. Kaiser Wilhelm II. hatte den Bau in Auftrag gegeben, fünf Jahre später stand.

Im Juni 2007 kaufte die Stadt den Bahnhof, den täglich etwa 13 000 Fahrgäste durchlaufen.

In der Nacht zum 4. Juli 2009 haben Jugendliche im Backshop in der Bahnhofshalle einen Brand gelegt, der viele der Jugendstilfenster bersten ließ. Diese werden in den nächsten Wochen ausgebaut, damit sie nicht noch mehr Schaden nehmen. (prop )

Leitgedanke der Bahnhofssanierung ist die Verbindung zwischen Hauptgebäude und Fürstenbahnhof. Von Kaiser Wilhelm II. als Einheit konzipiert, stehen beide heute nahezu zusammenhanglos herum. Ein gläsernes Kulturtor an der Westseite des Hauptgebäudes soll dieses künftig öffnen hin zu einer baumgesäumten Verbindungsachse zum Fürstenbahnhof. Auf dieser Allee sollen Veranstaltungen des Homburger Sommers stattfinden.

Im Innern des Hauptgebäudes sollen viele der in den 1960er und 70er Jahren eingezogenen Wände entfernt werden, um die Anmutung einer lichtdurchfluteten Markthalle zu erwecken. Die ehemalige Bahnhofsgaststätte soll zentraler Punkt einer Kulturgas-tronomie werden. Es soll mehrere Bühnen geben für Veranstaltungen vom sonntäglichen Brunch für die ganze Familie beim Jazz über Tanzveranstaltungen oder Kleinkunst. Auf der Terrasse vor dem Kulturtor kann man auch draußen speisen. Neben einem Reisezentrum der Bahn soll es künftig auch eine Touristeninfo der Stadt im Bahnhof geben, dazu kleinere Geschäfte für den Bedarf von Reisenden.

Der vielbeschworene Kulturbahnhof wird nach den gestern vorgelegten Plänen im Dachgeschoss zudem einen 400 Quadratmeter großen Raum unter Holzbalken bergen, der für Ausstellungen und private Empfänge genutzt werden könnte. Vom Erdgeschoss führt ein ebenfalls gläserner Fahrstuhl hinauf. Im ersten Stock sollen Sozialräume für die Busfahrer entstehen, die bislang das Fehlen solcher Räume am benachbarten Busbahnhof bemängeln. An der Ostseite des Hauptgebäudes wäre eine Fahrradstation angedockt, von der man direkten Zugang zu den Gleisen hat.

Bis Mai muss die Entwurfsplanung fertig sein, damit Zuschüsse rechtzeitig beantragt werden können. Wann es mit den Umbauten losgeht und wieviel sie kosten werden, steht noch nicht fest. Für die Umbauzeit sind zwei Jahre kalkuliert.

Weil den Bad Homburgern ihr Bahnhof heilig ist, will Oberbürgermeister Michael Korwisi noch eine Bürgerversammlung abhalten, um alle ausreichend über die Pläne zu informieren. Seit mehr als zweieinhalb Jahren ist die Stadt Eigentümerin des Bahnhofs. Mit der im Dezember gegründeten Bahnhof GmbH habe der Bummelzug nun endlich Fahrt aufgenommen und sei zum ICE geworden, sagte Korwisi gestern. Die Stadt werde nun aufgewertet, der Bahnhof zu einem regionalen Hingucker gemacht.

Autor:  Martina Propson-Hauck
Datum:  9 | 2 | 2010
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