Vor 150 Jahren fuhr der erste Zug von Oberursel nach Bad Homburg, vor 100 Jahren ratterte die erste Lokalbahn durch die Brunnenstadt zur Hohemark. Doch richtig zum Feiern zumute ist vielen Oberurselern seit Samstag. Mit dem ersten Spatenstich wurde der Bau der Personenunterführung Ost am Oberurseler Bahnhof auf den Weg gebracht. Das Sechs-Millionen-Euro-Projekt ist wichtigster Bestandteil der Neugestaltung des Bahnhofsareals. Rechtzeitig zum Hessentag 2011 soll der Tunnel fertig sein.
"Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert", zitierte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) einen bekannten Song des Sängers Klaus Lage. Damit war es am Samstag vorbei. "Heute passiert etwas", sagte Brum und bekam Beifall von den vielen Oberurselern, die am Morgen zum Bahnhof gekommen waren, um den historischen Moment live zu erleben.
Die Personenunterführung (PU) Ost ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Oberursel und der Deutschen Bahn. Es ermöglicht den barrierefreien Zugang zu den Gleisen und bindet zudem den Stadtteil Bommersheim für Fußgänger und Radfahrer an. Im Mai 2011 soll der Tunnel fertig sein.
Die reinen Baukosten betragen 4,3 Millionen Euro. Mit Planungs- und sonstigen Kosten investieren die Bauherren insgesamt rund 6 Millionen Euro.
Im Mai beginnt die Verkehrsgesellschaft Frankfurt mit der Sanierung und dem Umbau der Haltestelle der U3 am Bahnhof. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis August.
Ebenfalls im Mai beginnt die Sanierung des Bahnhofsgebäudes. Die Arbeiten ziehen sich bis zum Sommer 2011 hin. Die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes beginnt im Sommer dieses Jahres, sie soll im Frühjahr 2011 beendet sein. (tob)
Denn seit 20 Jahren gibt es Pläne zur Umgestaltung des Bahn- hofsgeländes. Unter anderem scheiterte der Bau eines 420 Meter langen Tunnels unter der Nassauer Straße, auch an den Kosten von 40 Millionen Euro. Die kleine Lösung, die jetzt gebaut wird, ermöglicht den barrierefreien Zugang zu den Gleisen. Angesichts hunderter Menschen pro Tag, die unerlaubt die Gleise überqueren, bedeute das einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit, sagte Brum. Und sie dient Fußgängern und Radfahrern, vor allem den vielen Schülern, als bequemer und sicherer Durchgang von und nach Bommersheim. Dafür wird die Unterführung eigens sechs Meter breit ausgebaut. Brum: "Die jetzige Variante ist eine günstige Lösung mit einem hohen Verkehrswert." Von einem "runden Paket" sprach Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in Hessen, auch wenn das Projekt kleiner ausfällt als einst geplant.
Unter die Schar der Neugierigen hatten sich auch Vertreter der "Interessengemeinschaft lebenswertes und sicheres Umfeld rund um den Oberurseler Bahnhof" begeben. Sie befürchteten, durch die kleine Tunnellösung sei eine groß angelegte Verkehrsberuhigung der Nassauer Straße entlang der Bahn vom Tisch. Inzwischen ist die Kritik leiser geworden. Die Interessengemeinschaft begrüße vor allem die Bereitschaft der Stadt, über eine Verlegung der Nassauer Straße auf eine Trasse parallel zu den S-Bahn-Gleisen nachzudenken, so Pressesprecherin Jutta Schmidt. Die Bürger fordern, in die Planung zur Umgestaltung des Bahngeländes einbezogen zu werden. "Das betrifft vor allem die Verkehrsführung", sagt Anwohner Wolfgang Neef. "Was passiert mit den Autos, den Fußgängern und Radfahrern? Bis jetzt ist das nur Stückwerk."

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