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Biker im Taunus: Holzkreuze markieren ihren Weg

Auf der Kanonenstraße verunglücken trotz verschärfter Kontrollen weiterhin Motorradfahrer. Eine Initiative fordert ein sofortiges Tempolimit. Von Klaus Nissen

Das Kreuz an der Kanonenstraße erinnert an einen tödlich verunglückten Motorradfahrer.
Das Kreuz an der Kanonenstraße erinnert an einen tödlich verunglückten Motorradfahrer.
Foto: FR/Storch

Knapp 50 Meter unterhalb der Applauskurve sieht man noch die Kreidestriche auf dem Asphalt. Der 23-jährige Cornelius starb hier am Samstag, nachdem sein Motorrad mit einem Auto kollidiert war. Zwei dunkle Flecken zeigen, wo seine liegende Maschine Benzin verlor.

Drei Tage später fahren andere Motorradpiloten über die Markierungen und grüßen sich freundlich mit der kurz vom Kupplungsgriff erhobenen linken Hand. Am rechten Fahrbahnrand haben Cornelius´ Angehörige eine kleine Gedenkstätte aufgebaut. Blumen und ein Holzkreuz mit einem Foto, das den jungen Friedrichsdorfer mit einem Kind auf dem Arm zeigt. Weiter in Richtung Oberursel erinnert ein Holzkreuz an den dort gestorbenen Oli. Oberhalb der Applauskurve liegt eine Gedenkstätte für Mario am rechten Fahrbahnrand. Und zwischen Ober-Reifenberg und Sandplacken hat der tote Jan sogar einen Grabstein in Herzform. Am Kreuz hängen verblichene Mini-Teddybären, davor steht eine ganze Reihe frischer Sonnenblumen.

Die Todesstrecke

Fünf Tote und rund 35 Schwerverletzte gab es seit Anfang 2006 auf der sieben Kilometer langen Kurvenstraße zwischen Oberursel und dem Feldberg. Meist waren es Motorradfahrer. Nicht alle Unfälle kamen durch Raserei zustande. Die meisten geschahen an Wochenenden.

Das jüngste Opfer ist ein 23-jähriger Motorradfahrer aus Friedrichsdorf, der am Samstagmittag unterhalb der so genannten Applauskurve mit einem Auto kollidierte und vor Ort starb.

Ein Tempolimit und ein Fahrverbot für Motorräder am Wochenende sind bisher nicht beschlossen, werden zurzeit aber intensiv und kontrovers diskutiert.

Biker-Treff auf dem Feldberg: Nur die Wenigsten von ihnen rasen anschließend ins Tal, aber leider immer noch zu viele.
Biker-Treff auf dem Feldberg: Nur die Wenigsten von ihnen rasen anschließend ins Tal, aber leider immer noch zu viele.
Foto: FR/Storch

Zu befürchten ist, dass bald weitere Holzkreuze für tote Motorradfahrer aufgestellt werden müssen - trotz der seit Juli verstärkten Tempokontrollen an den Strecken zum Feldberg. "In den letzten drei Wochen war es ein bisschen ruhiger geworden", sagt Polizei-Sprecher Siegfried Schlott. Doch nun sei es wieder zu einem schweren Unfall gekommen.

Nach den vielen Unglücken in dieser Gegend hatten Polizei, Landrat und Vertreter der Kommunen Anfang Juli Maßnahmen gegen Motorradunfälle beschlossen. Seitdem gebe es zwei- bis dreimal pro Woche mobile Tempokontrollen, so Schlott. Das Personal dafür komme auch aus den Ordnungsämtern von Oberursel, Schmitten und Glashütten. Um zu schnelle Motorradfahrer zu identifizieren, muss man sie auch von hinten fotografieren. Das bindet jeweils drei bis vier Ordnungskräfte. Außerdem stehen jetzt nagelneue Tempo-Kontrollsäulen der Marke "Police Scan" an der Ortseinfahrt von Oberreifenberg aus der Richtung Sandplacken und zwischen dem Sandplacken und Arnoldshain. Falls die Feldberg-Strecken weiter Unfallschwerpunkt bleiben, haben die Behörden noch ein Tempolimit und im äußersten Fall ein Fahrverbot für Motorräder am Wochenende im Köcher. Thomas Graf ist da allerdings skeptisch: "Tempo 60 bringt überhaupt nichts", sagt der Frankfurter, der zu den 17 Gründungsmitgliedern des am Wochenende gebildeten Schmittener Vereins "Taunus aktiv" gehört. Der protestiert vorsorglich gegen eine Streckensperrung für Motorradfahrer. In der spitzen Applauskurve sei schon jetzt höchstens Tempo 50 erlaubt - und trotzdem fuhr sich Cornelius dort zu Tode, gibt Graf zu bedenken.

Es gebe immer Unbelehrbare, die auch auf einer gesperrten Strecke zu schnell fahren würden. Außerdem stünden die neuen Blitzgeräte am falschen Platz, glaubt Graf. "Am Ende der langen Gerade der Kanonenstraße hätten sie viel mehr Effizienz." Am Sandplacken müssten jeweils die mobilen Tempokontrolleure ran. Unter den Motorradfahrern würde sich schnell herumsprechen, dass man dort besser langsam fährt.

Etwas anderer Ansicht als der Schmittener Verein hat die etwa 50 Mitglieder zählende Feldberginitiative (www.feldberginitiative.de.) Sie ist nach Auskunft ihres Sprechers Olaf Gierke für ein sofortiges Tempolimit an der Kanonenstraße. Begründung: Die schnellen Motorräder seien gefährlich. Und der Lärm beim Hochziehen der Gänge "führt zu enormen Lärmbelästigungen der Anwohner". Die Feldberginitiative sammelt zurzeit Unterschriften für ein Tempolimit.

Das taten bis Mitte Juli auch die Betreiber der Webseite "philipp-ludwigs-erben". Doch nach etwas über 200 Einträgen in der Internet-Petition stoppte man die Aktion, berichtet Aktivist Bernhard Gärtner. Er fühlte sich von einem der kontrovers diskutierenden Forumsteilnehmer bedroht. Die Lösung der Verkehrsprobleme am Feldberg "muss für alle Seiten verträglich sein", sagt Gärtner nun. "Ich habe kein Interesse daran, alle Motorradfahrer zu vergraulen."

Was halten die Motorradfahrer selbst von einem Tempolimit oder gar der Wochenendsperrung der Kanonenstraße? "Das hatten wir zuletzt in der Nazizeit. Man nennt es Sippenhaft", meint der 52-jährige Ulrich aus Kronberg. Er ist am Dienstag mit seiner Suzuki auf einen Schwatz zum täglichen Motorradtreff am Feldberg-Kiosk gefahren. Es sei unfair, wegen "so ein paar Deppen" auf Rennmaschinen alle vernünftigen Motorradfahrer zu bestrafen.

Der 36-jährige Honda-Fahrer Nico aus Oberursel hätte Verständnis für eine Sperrung am Wochenende: "Dann sind auch viele Radfahrer und Wanderer unterwegs. Die Kurven sind schlecht einsehbar. Am Wochenende kommen auch Fahrer mit übermotorisierten Motorrädern. Die sind überfordert - und dann passiert es halt." Das könne aber auch jenseits der Feldberg-Straßen passieren. Landrat Ulrich Krebs und die Polizei planen noch im August eine erneutes gemeinsames Gespräch über die gefährliche Motorradstrecke.

Autor:  Klaus Nissen
Datum:  5 | 8 | 2009
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