Drei Mal werden wir noch wach, dann ist Blickachsen-Eröffnungstag. Doch regelmäßige Kurpark-Spaziergänger entwickeln bereits in den Tagen davor ausgiebige Kunstgespräche. Welche Skulptur ist wohl diesmal die Interessanteste, Schönste, Provokanteste? Das umgekippte gelbe Auto, das sich um die Kastanie windet – eine eigens für die Blickachsen 8 entworfene Arbeit von Stefan Rohrer? Oder das überdimensionale Bein, das ein Riese zwischen Kurhausgarten und Schwanenteich verloren zu haben scheint – vom niederländischen Künstler Henk Visch? Oder der 3,60 Meter hohe Comic-Hase aus Bronze und Aluminium des gleichen Künstlers, der mit seinen leuchtend grünen Augen auf die Baustelle des Schwanenteichs blickt? Oder doch vielleicht die umgekippten Stahlgerippe-Weingläser, aus denen sich Eisbegonien in weiß und rot zu einem Rosé vermischen? Mit dem prächtigen Erblühen hapert es noch ein bisschen, aber das wird noch, versichern die Gärtner. Großartige Kunst trifft auf ebensolche Natur und umgekehrt. Das ist seit 14 Jahren die Erfolgsformel der Blickachsen-Biennale.
Es sei „weltweit einmalig“, dass im Herzen einer Metropolregion fünf Monate lang hochrangigste Skulpturenkunst in dieser Größe und Dimension zu sehen sei, sagte der Kurator und Bad Homburger Galerist Christian Scheffel gestern bei der Vorabbesichtigung der Skulpturenschau. Sie soll erneut „die beste Blickachsenausstellung aller Zeiten“ werden. Und das ist keine Werberhetorik, sondern ernst gemeint.
65 Großskulpturen von 25 Künstlern aus elf Ländern und drei Kontinenten sind vom 22. Mai bis 3. Oktober in vier Städten zu sehen. Eröffnung ist Sonntag um 11.30 Uhr auf dem Schmuckplatz.
Schwerpunkt der Freiluftausstellung bleibt mit 22 Kunstwerken Bad Homburg (Kur- und Schlosspark).
Führungen im Kurpark finden donnerstags um 18.30 Uhr und sonntags um 11 Uhr statt, Treffpunkt ist der Schmuckplatz; im Schlosspark sonntags um 15 Uhr.
Mehr Infos: www.blickachsen.de prop
Noch nie waren so viele Künstler mit so vielen Kunstwerken an so vielen Ausstellungsorten zu sehen. Denn die Blickachsen erstrecken sich dank der Unterstützung durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain von Bad Homburg über Eschborn und Frankfurt bis nach Darmstadt. Jan Teeuwisse, der Direktor des mit Scheffel kooperierenden Museums Belden aan Zee in Den Haag-Scheveningen, sorgt in diesem Jahr auch für die Teilnahme mehrerer niederländischer und belgischer Künstler. „Die Blickachsen gehören zu den bedeutendsten Skulpturenausstellungen in Europa und die Qualität wächst alle zwei Jahre“, sagte gestern Herbert Beck, Geschäftsführer des Kulturfonds.
Von einem „Fixpunkt in der internationalen Kunstszene“ sprach Kurdirektor Ralf Wolter. Nur der Hartnäckigkeit Scheffels sei es zu verdanken, dass aus dem Blickachsenkonzept des Kurparkschöpfers Lenée nun auch neue Sichtverbindungen im Park, auf die Kunst und in die Region möglich würden, lobte Oberbürgermeister Michael Korwisi. Die Finanzierung der Blickachsen übernehmen größtenteils Sponsoren, wie der Bad Homburger Unternehmer Stefan Quandt. Wenn die weiter so begeistert dabeibleiben, will Scheffel gern „die nächsten 30 Jahre weitermachen“.

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