Als Franz Brandl in 300 Meter Tiefe einen Wassereinbruch in einem Kupferbergwerk entdeckt, rennt er nicht weg, um sein eigenes Leben zu retten, sondern hilft seinen zwei Kollegen, dem Unglücksbergwerk lebend zu entkommen. Für diese Rettungstat erhielt Brandl das erste Verdienstkreuz der Bundesrepublik. Das war 1951 und überreicht wurde es ihm von Bundespräsident Theodor Heuss.
Kürzlich wurde auch dem Bad Homburger Klaus-Peter Müller diese große Ehre zuteil. Der ehemalige Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken erhielt das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus den Händen des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.
Jeder kann die Verleihung des Verdienstordens an einen anderen anregen. Der Vorschlag sollte den Namen, die Anschrift und das Geburtsdatum der auszuzeichnenden Person enthalten.Natürlich darf die Beschreibung von Art und Umfang der besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland und allgemeine Wohl nicht fehlen. Hilfreich ist es auch, wenn Referenzen angegeben werden oder Organisationen den Vorschlag unterstützen.Die Ordensanregung ist formlos an folgende Adressen zu richten: Hochtaunuskreis - Der Landrat, Ehrungen und Orden, Ludwig-Erhard-Anlage 1-5,61352 Bad Homburg v.d.Höhe
Tel. 06172 999-9116
martina.giebfried@hochtaunuskreis.deoder Hessische Staatskanzlei, Georg-August-Zinn-Straße1, 65183 Wiesbaden
Wer seine eigene Auszeichnung anregt, kann nicht mit einer Verleihung des Verdienstordens rechnen. Auch kann der Verdienstkreuz in der Regel nicht posthum verliehen werden.
Der Vorsitzende des Commerzbank-Aufsichtsrates erhielt diesen Orden nicht auf Grund einer heldenhaften Rettungstat, sondern wegen seiner Verdienste „um den Finanzplatz Deutschland“, wie es Laudator Bouffier formuliert. „Besonders hervorzuheben“ sei auch Müllers Engagement für die Frankfurt School of Finance & Management. Dieser Bildungseinrichtung habe er den Weg zur wissenschaftlichen Hochschule geebnet.
Rainer Kling, stellvertretender Pressesprecher der hessischen Landesregierung, betont, dass sich Träger des Verdienstkreuzes in aller Regel durch jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet haben müssen. „Dass kann im kulturellen Bereich genauso sein, wie im Sport“, sagt Kling. In „Ausnahmefällen“ könne aber auch überdurchschnittlicher, beruflicher Einsatz gewürdigt werden.
Wer das Bundesverdienstkreuz verliehen bekomme, habe außerdem bewiesen, dass er „unter Zurückstellung der eigenen Interessen“ sich für das Gemeinwohl stark gemacht habe, so Kling weiter. Im Hochtaunuskreis erhielten in den zurückliegenden drei Jahren 21 Männer und Frauen für ihre Verdienste um das Gemeinwohl das Bundesverdientskreuz. In der Stadt Bad Homburg waren es zwischen 2007 und 2011 23 Personen, die den Orden erhielten.
Zu dem Personenkreis, die mit dem Verdienstkreuz geehrt wurden, gehören prominente Zeitgenossen wie der Kronberger Wissenschaftler Manfred Pohl. „Sein gemeinnütziges Wirken für die Gesellschaft und seinen engagierten Einsatz für das Zusammenwachsen der europäischen Bank- und Finanzwelt“, waren ausschlaggebend für die Ehrung.
Die Kronbergerin Renate von Metzler erhielt die Auszeichnung für ihre ehrenamtliche Arbeit für den Landesverband Hessen der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG). Ann-Kathrin Linsenhoff ist stellvertretende Vorsitzende von UNICEF Deutschland und hat die Ann-Kathrin-Linsenhoff-UNICEF-Stiftung ins Leben gerufen. Die Ehrung erhielt sie „als Anerkennung ihres vielseitigen und langjährigen ehrenamtlichen Engagements“.
Auch in Bad Homburg dürfen sich bekannte Persönlichkeiten wie die Mäzenatin und Milliardärin Johanna Quandt, Altbürgermeister Wolfgang R. Assmann und die Politikerin Waltraud Herrhausen,Witwe des ermordeten Deutsche-Bank-Chefs Alfred Herrhausen, über das Verdienstkreuz freuen.
Wer jetzt aber meint, nur bekannte Persönlichkeiten haben „Anspruch“ auf das Bundesverdientskreuz, der irrt. Auch der Neu Anspacher Unternehmer Horst Görtz hat es bekommen. Der Stifter unterstützt wissenschaftliche Einrichtungen.
Mit Irmtraut Lukesch aus Oberursel erhielt das Verdienstkreuz außerdem eine verdienstvolle Frau, die sich jahrzehntelang ehrenamtlich für den Sport einsetzte. Die Weilroder Kommunalpolitikerin Karin Müller betreute fast 20 Jahre lang Spätaussiedler, jüdische Emigranten und Asylbewerber, die in der Emmershäuser Mühle untergebracht waren. Dafür erhielt sie im Jahre 2009 das Bundesverdienstkreuz.

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