Für Tanja Bug war es ein Traum Am Samstagmittag wurde sie auf dem Vorplatz des Kurhauses zur 73. Laternenkönigin inthronisiert. Wenn die 23-Jährige nicht ihrem bürgerlichen Beruf als Bankkauffrau nachgeht, wird sie in den kommenden zwölf Monaten als Tanja II. die Stadt regieren - allerdings mehr in Form einer Repräsentationsmonarchie. Drei Böllerschüsse vom Kurhausdach markierten den Beginn der Amtszeit, die bereits am kommenden Wochenende mit dem Laternenfest ihren Höhepunkt haben wird.
"Für mich erfüllt sich ein Kindheitswunsch", gestand die junge Frau in dem opulenten wallenden, türkisfarben Satinkleid vor mehreren hundert Menschen. Ihr Lächeln strahlte bei diesen Worten noch ein bisschen mehr. Den Grund für ihren Klein-Mädchentraum verschwieg sie dem Publikum nicht. Es sind die persönlichen Wurzeln in der Stadt . In Bad Homburg geboren, besucht sie den Kindergarten Heiligkreuz und die Gonzenheimer Grundschule. Und auch die Ausbildung durchläuft Tanja II. folgerichtig bei einem Geldinstitut in der Kurstadt. Nur beim Fachabitur gab es den Bruch mit der Heimat, das legte sie in Nieder-Eschbach ab. Angesichts der 18-jährigen Tätigkeit als Gardetänzerin des Carnevalvereins Heiterkeit, Kirdorf, ist dieser Ausreißer jedoch vernachlässigbar. Mit Blick auf dieses sportliche Engagement, meinte Tanja II. mit schelmischen Selbstmitleid, dass sie wohl ob ihres neuen Amtes auch in diesem Jahr dem Festzug am nächsten Samstag und Sonntag, 30. und 31. August, wieder nicht vom Straßenrand aus zuschauen könne.
Rede an das Volk
Als Tanja II. ihrem Volk zurief, dass am "nächsten Wochenende der Ausnahmezustand in der Stadt herrsche", reagierte Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) etwas erschrocken und rügte das Wort "Ausnahmezustand" sanft als unpassend. Zuvor hatte sich Viktoria I. verabschiedet und hielt eine kleine "letzte Rede an das Volk". Das "unvergessliche Jahr" werde sie stets in der Erinnerung und in Bildern festhalten. Damit die Nachfolgerin das Gleiche tun könne, gab es aus ihrer Hand für Tanja II. ein (noch) leeres Fotoalben. Als letzten Akt ihrer Amtszeit setzte sie Tanja II. die Krone auf. "Das ist die schwierigste Aufgabe einer Laternenkönigin", bemerkte Kirsten Ohlrogge, erste Vorsitzende des Laternenfestvereins. Offenbar weniger wegen des emotionalen Moments, sondern angesichts der Arbeit mit den Haarnadeln, die das zarte Geschmeide am Haupt befestigen.
Nachdem Tanja II. mit Ring und Perlenkette von Sponsoren geschmückt war, platzte es förmlich aus OB Jungherr heraus: "Das Schönste, was eine Bad Homburgerin werden kann, ist Laternenkönigin." Aus dem Volke kam wohlwollende Zustimmung.

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