Jetzt ist es heraus. Wochenlang rätselte die Homburger Öffentlichkeit im Herbst, warum Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) die Beförderung seiner Frau zuließ – zur Leiterin der zentralen Verwaltung im Rathaus. Das brachte ihm den Vorwurf der Vetternwirtschaft ein. Er habe keine andere Wahl gehabt, sagte Korwisi am Aschermittwoch. Die Beförderung der Gattin brachte ihm zwar Ärger mit den Medien und Politikern ein. Doch die Nicht-Beförderung hätte ihm „Ärger zu Hause bedeutet. Jeder weiß ja: Eine Frau vergisst nie!“.
Dieses Argument verstand jeder der 200 Zuhörer im Kurhaus. Es gab herzlichen Applaus – die Beförderungsaffäre ist damit Geschichte.
Bei der Bad Homburger Variante des politischen Aschermittwochs herrscht stets eine versöhnliche Stimmung. Gestelzte Redewendungen und Selbstironie sind angesagt. Außerdem müssen die geladenen Honoratioren möglichst viel Säuerling aus dem Elisabethen-Brunnen schlucken, der – mit Verlaub – wie Brackwasser schmeckt.
Ans Buffet mit trockenen Brötchen, Rollmöpsen und Handkäs kommt man erst nach stundenlangen Ansprachen. Alle Teilnehmer tragen schwarze Stirnbänder. Sie sollen nach den Ausschweifungen des Karnevals die Gedanken zusammenhalten, meinte einst der Erfinder des Rituals, Helmuth Bernecker.
Der Gründer und einstige Chefredakteur des 1995 eingestellten Taunus-Kuriers hatte seit 1973 fast jährlich einen Homburger mit dem „schwarzen Band in Samt und Seide“ ausgezeichnet. Der Betroffene musste stets launig darlegen, warum er das breite Stirnband mit der eingestickten Inschrift „Der Narr ist weise“ verdient hatte. 2009 wurde mit dem damaligen CDU-Fraktionschef Alfred Etzrodt der vorerst letzte Band-Träger erkoren. Denn Helmuth Bernecker erkrankte und starb schließlich im Februar 2011. Die Aktionsgemeinschaft und die Stadt Bad Homburg als Organisatoren des Katerfrühstücks wagten bisher nicht, einen Nachfolger für Bernecker zu präsentieren: Dessen Schuhgröße 49 sei einfach zu groß für jeden anderen, beichteten gestern Jörg Hölzer von der Aktionsgemeinschaft und der Moderator Johannes Hübner.
Der Ausweg: Vier Narrenband-Träger präsentierten ein Best-Of ihrer einstigen Ehrung. Henning von Storch (77) bekannte eine Sünde von 1979: „Es grenzte damals an Narretei, das Amt des Landrats anzunehmen.“ Denn sein Parteifreund und CDU-Kreisgeschäftsführer Wilfried Müller habe sich als „Ober-Landrat“ verstanden und ihm in die Politik hineinregiert. 1985 verschwand von Storch wieder gen Norden.
Alfred Etzrodt streute erneut Asche auf sein Haupt, weil er seine Tage nicht als angesehener Gynäkologe im Ruhestand, sondern als Politiker im „Tollhaus erster Güte“ (dem Stadtparlament) verbringt. Saalburg-Direktor Egon Schallmayer hatte noch einmal die Lösung des Staus an der PPR-Kreuzung parat: mittels Untertunnelung der Limeskuppe. „Früher stauten sich hier germanische Ochsenkarren – heut seh’ ich die Ochsen in den Karren ausharren.“
2013 gibt es wieder ein Katerfrühstück, versprach Jörg Hölzer. Wollen wir hoffen, dass bis dann neue Narren gefunden sind.

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