Auf das Eis kann man sich nicht vorbereiten. Auf Schnee und Straßenglätte sind die Leute vom städtischen Bau & Service (BSO) nach dem Fiasko vom Vorjahr in diesem Winter perfekt vorbereitet. Aber das Eis kommt wie es will. Und die Überschwemmungen, die den Einsatzkommandos nun zu schaffen machen. Das Wasser des Urselbachs ist zum Problem geworden in diesen eisigen Zeiten. Überall drängt es aus dem Bachbett, überflutet Straßen und Firmengelände, Spazierwege und Wiesen. Und kommt der Wohnbebauung bedenklich nahe, ehe es zum Eisbett gefriert.
„Die Männer machen einen Knochenjob“, lobt Teamleiterin Tanja Knoth vom BSO ihre Trupps, die seit Anfang der Woche bei klirrendem Frost am und im Eis arbeiten. Unter den orangenen Arbeitsjacken und -hosen stecken mehrere Schichten Unterkleider, es ist schweinekalt am Bach. Mit einem Bagger muss das Eis in Höhe der St. Hedwigskirche aufgebrochen werden, die Straße ist bereits auf einer Hälfte zur Eisplatte geworden. Auf der anderen Seite überflutet das Wasser die Grünanlage vor den Wohnblocks im Eisenhammerweg.
Trotz bis zu 80 Zentimeter hoher Mauerabgrenzung hat sich das zu Eis gefrorene Wasser aufgetürmt, das nachdrängende Wasser sucht sich den Weg nach oben, wenn es unter dem Eis zu eng wird. Oder es staut sich wie ein Stück weiter oben auf mindestens doppelte Bachbreite. Die Eisbarrieren müssen vorsichtig entfernt werden, damit ein unkontrollierter Rückstau nicht plötzlich wegschießt und eine weitere Überschwemmung auslöst.
Ein Stück bachabwärts, hinter Feuerwehr- und DRK-Zentrale an der Marxstraße ist der Bach im flachen Bett durch den Eiswuchs ebenfalls über die Ufer getreten. Hat den Spazierweg zur Eisbahn gemacht und bedroht die Gebäude im Hintergrund. Hier können auch die Bagger vorfahren, kritisch wird es am Gattenhöferweg und noch weiter südlich, wo der Bach sich seinen Weg durch Gelände sucht, das vom Bagger nicht angefahren werden kann: Handarbeit mit Spitzhacke und Eisenstangen für die BSO-Männer wie auch im zugefrorenen Kanal neben Rathaus und Stadthalle.
„Es wird kritisch, wenn es so weitergeht mit der Kälte, können wir an manchen Stellen auch nichts mehr machen“, sagt Tanja Knoth. Wo das Wasser unter der Erde in Kanälen oder unter Straßen fließt, ist es so eng geworden, dass sie keinen Mann mehr ohne Gefahr für Leib und Leben hineinschicken kann. Zur Not muss man dem Wasser seinen Lauf lassen.
Wer solche Sorgen hat, kümmert sich naturgemäß zweitrangig um das Vergnügen derer, denen die Kälte ein neues Spaßfenster öffnet. Seit dem Wochenende tummeln sich Hunderte Schlittschuhläufer, Eishockeyspieler und Spaziergänger mit Kind, Hund und Kegel auf dem Maasgrundweiher. „Betreten der Eisfläche verboten“ steht auf vier Schildern am Rand, sie schrecken die Nutzer aber nicht mehr, wenn der Praxistest erfolgreich ist.
Frühestens ab 15 Zentimeter Eisdicke werde die Fläche freigegeben, heißt es beim BSO. Dies sei noch nicht gegeben, weitere Bohrungen müssten erfolgen. Ab 15 Zentimeter kann die Stadt bei Unfällen nicht regresspflichtig gemacht werden, wenn sie zusätzlich Schilder mit der Aufschrift „Betreten auf eigene Gefahr!“ aufstellt. Ihr obliegt auch die Verkehrssicherungspflicht, sie muss etwa die beiden Zuflüsse mit rot-weißem Flatterband absichern.
Im benachbarten Bad Homburger Schwanenteich im Kurpark ist das Eis zwar 15 Zentimeter stark, Schlittschuhläufer sind aber wegen der gerade erst fertiggestellten neuen Uferbefestigung unerwünscht. Das gilt auch für die Weiher im Schlosspark und im Kleinen Tannenwald. Als Alternativen werden Homburger Eisläufern der geflutete HTG-Tennisplatz und der ebenfalls präparierte Rollschuhplatz in Ober-Eschbach empfohlen.
Auch auf dem Kronberger Schillerweiher im Viktoriapark gilt „Betreten verboten“, wie Claus Harbers von der Pressestelle der Stadt mitteilt. „Freigegeben wird erst ab 15 Zentimeter, davon sind wir noch ein ganzes Stück entfernt.“ Eislaufvergnügen bietet die geflutete Rollschuhbahn am Jugendzentrum Oberhöchstadt.

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