Es braucht keine Windkraftanlagen, um den Taunus zur Geldmaschine zu machen. Der Tourismus könnte viel Umsatz und Arbeitsplätze bringen, meinen Experten. Schon jetzt besuchen jährlich 945.000 Menschen den Feldberg, schätzt eine Projektgruppe des Kölner Instituts für Freizeit- und Tourismusberatung (ift).
Das Potenzial sei riesig: 1,8 Millionen Menschen leben maximal 30 Minuten Fahrzeit entfernt. In einer 138 Seiten starken Machbarkeitsstudie listen die Experten für den Kreistag auf, was viele zahlende Gäste anziehen würde. Erstaunliche Spaß-Installationen, von deren Existenz so mancher noch nie gehört haben dürfte.
Harmlos fängt es an: Eine Riesen-Attraktion wäre eine kilometerlange Seilbahn von der Hohemark bis zum Feldbergplateau. Die Talstation wäre just dort, wo mit ziemlicher Sicherheit ein touristisches Informationszentrum gebaut wird.
Der Sozial- und Kulturausschuss des Kreistages billigte am Montagabend einstimmig das rund 2,8 Millionen Euro teure Projekt. Links neben dem Hohemarkkreisel soll bis zum Hessentag 2011 auf 3180 Quadratmetern eine täglich geöffnete Touristeninformation mit Gaststätte, Ausstellungs- und Seminarräumen und der Verwaltung des Naturparks Hochtaunus entstehen. Bauherr wird der Naturpark-Zweckverband.
Kunstwerke mit Waldbezug
Wer mit der Seilbahn zu Berge fährt, könnte entlang der 4,5 Kilometer von der Hohemark bis zur Mittelstation Kunstwerke mit Waldbezug in den Baumwipfeln bewundern. Sie wären nur für Seilbahnbenutzer zu sehen und könnten somit Menschen in die Bahn locken.
Wer am Feldberg ankommt, könnte oben dann viel erleben. Zum Beispiel wäre an den Fernmelde-Gebäuden eine hohe Kletterwand machbar. Schon am Informationszentrum an der Hohemark ist eine acht Meter hohe Kletterwand in Planung. An einem bewaldeten Hang des Feldberges könnte man die Wald-Arc begehen - einen bogenförmigen Weg, auf dem selbst Rollstuhlfahrer ohne Steigung an den talwärts sinkenden Bäumen bis in die Wipfel gelangen könnten.
Wer gerne klettert, für den wäre ein kommerzieller Seilgarten lohnend. Die Nachfrage sei noch größer als das Angebot, meinen die Autoren der Studie. Einen Seilgarten gibt es schon in Friedrichsdorf.
Ski- und Rodelpisten im Winter
Im Winter können sich die Autoren Ski- und Rodelpisten am Feldberg vorstellen, etwa am Nordosthang in Verlängerung der Drachenwiese. Allerdings müssten dort mindestens 60 Tage im Jahr winterliche Verhältnisse sein - das gehe nur mit einer teuren Beschneiungsanlage. Dies dürfte auf viele Bedenken stoßen, meinte Landrat Ulrich Krebs schon am Montag bei der Präsentation der Machbarkeitsstudie. In den vergangenen zehn Wintern gab es durchschnittlich nur an 35 Tagen Natur-Schnee im hohen Taunus.
Weniger problematisch wäre eine 500 Meter lange Sommerrodelbahn, wie sie der Feldberghof-Wirt Peter Stürtz schon vor längerer Zeit vorgeschlagen hat. Im Alpine Coaster - komfortablen Zweisitzerschlitten - könnte man geräuschlos auf wartungsfreien Edelstahlrohren den Berg hinabsausen. Auch eine Sommertubing-Piste könnte installiert werden: eine Plastikbahn, auf der man in Gummireifen sitzend bergab rutscht.
Machbar wäre ebenfalls eine Bullcart-Piste. Bullcarts sind niedrige vierrädrige Fahrzeuge, die sowohl flink als auch sicher zu bremsen sind. Solche sportlichen Höhen- und Abfahrtserlebnisse werden im Fachjargon Gravity Zone genannt, sie seien für Jugendliche besonders attraktiv, so der ift-Projektleiter Christoph Schrahe.
Downhillstrecke für Mountainbiker
Für Mountainbiker empfehlen die Experten eine Downhillstrecke, die mit speziellen Fahrrädern zu befahren ist. Dafür wäre auf dem Berg eine Verleihstation einzurichten. Freilich würden auch dann immer noch "wilde" Parcours im Wald genutzt, wandte Landrat Krebs am Montag ein.
Viele weitere Touristenattraktionen wären machbar, meinen die vom Kreis bezahlten Experten. Skyglider, in denen man angeseilt auf Ski eine Sprungschanze herabfährt, simuliertes Gleitschirmfliegen oder Baumhäuser, in denen man gegen Bezahlung auch übernachten könnte. Auf jeden Fall würde der "Bergerlebnispark Hochtaunus" viel mehr Übernachtungsgäste in die Region bringen. Je mehr Angebote es vor Ort gebe, desto längere Aufenthalte und Anfahrtswege nehme das Publikum in Kauf.
Wo sollen all die Gästeautos parken? Am Feldberg ist nur Platz für sechs Busse und knapp 500 Autos. Hier machen die Autoren in der Studie den radikalsten Vorschlag. Die Besucher sollen mit der U-Bahn bis zur Hohemark reisen und dann die Seilbahn nehmen: "Wenn man es ernst meint mit dem Anliegen, die Verkehrsbelastung auf dem Feldberg zu reduzieren, wird man um eine Sperrung nicht herumkommen." Wenigstens Durchfahrtbeschränkun-gen oder eine Maut für Auto- und Motorradfahrer wären fällig.

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