Mit 23 Jahren hat er schon über die rheinische Grauwacke und das Süßwasser-Quarzgestein geschrieben – ein grundlegendes Werk erschien ebenfalls im Jahre 1850: „Der Taunus in der näheren Umgebung von Bad Homburg, geognostisch dargestellt“. Und so arbeitete der am 16. Mai 1827 in Homburg geborene Friedrich Rolle weiter fort: Jahr um Jahr veröffentlichte er Abhandlungen, die sich meist mit geologischen und paläontologischen Themen befassen. Doch obwohl sein Lebenswerk schier unübersehbar ist, war ihm bleibender Ruhm nicht beschieden. Das von verschiedenen Bad Homburger Institutionen getragene Gedenkjahr erinnert deshalb an einen weitgehend Unbekannten.
Als Rolle im Jahre 1862 in seine Geburtsstadt zurückkehrt, ist er ein enttäuschter Mann. Von Wien aus, wo er im Hofmineralienkabinett angestellt war, hatte sich der wissenschaftliche Assistent um eine Professorenstelle an der Universität Göttingen beworben. Ohne Erfolg. Auch später werden Versuche, eine Professur zu erlangen, scheitern.
In Homburg arbeitet Rolle als praktischer Geologe und erstellt Gutachten für die landgräfliche Regierung. Daneben handelt er mit Fossilien. Wichtig aber wird sein Engagement für das aufstrebende Kurwesen: Als Berater für die Kommission zur Instandhaltung der Mineralquellen kümmert sich Rolle unter anderem um die Verbesserung der Brunnen. „Er hat – das ist sein großes Verdienst – die ersten Schutzzonen im Kurbezirk geschaffen“, sagt Manfred Wenzel, Gründer und Vorsitzender des seit 30 Jahren bestehenden Geologischen Arbeitskreises der Volkshochschule.
In jener Zeit wohnt der promovierte Gelehrte in der Dorotheenstraße 7, schräg gegenüber des Jacobi-Hauses. Es ist die letzte Station des Weitgereisten: Der an einer schmerzhaften Krankheit Leidende nimmt sich am 11. Februar 1887 das Leben. „Obwohl ihn täglich der Arzt besucht hat, soll er an seinem letzten Abend noch im Kurhaus gewesen sein.“
Verse und Mundart-Lieder
Das Elternhaus, ebenfalls in Schlossnähe gelegen, steht heute nicht mehr. Sein Vater, Major Wilhelm Rolle, arbeitete im Dienste des Landgrafen, und auch der Sohn kommt als Anhänger der alten Landgrafschaft mit den ab 1866 regierenden Preußen nicht zurecht. Dass er bei der Geologischen Landesanstalt keine Anstellung erhält, steigert seine Verbitterung. „Er war kein verschrobener Charakter, hat aber gerne alleine gearbeitet“, so Rolle-Kenner Wenzel.
In Darmstadt, Gießen, Bonn und Tübingen lässt er sich ausbilden, verbringt einige Jahre in der Steiermark und fertigt dort geologische Aufnahmen. „Sie sind bis heute gültig.“ Statt nach England auszuwandern, zieht es den 32-Jährigen zurück in die Heimat, wo sein künstlerisches Talent einst aufblühte. Mundartliche Sprüche und Lieder werden gesammelt, eigene Verse geschrieben. Dichtungen zum Naturdenkmal Rabenstein sind überliefert: „Homburg zur linken im sonnigen Strahle,/Hoch vom schimmernden Thurm bekrönt,/Ursels erhabener Dom, der die Ferne/Mahnend mit flüchtigen Klängen durchtönt./Euch auch begrüß ich,/Euch auch umschließ ich,/Die ihr so herrlich die Runde bekrönt.“
Ähnlich wie Édouard Désor aus Friedrichsdorf war Rolle ein naturwissenschaftlicher Pionier, der in verschiedenen Disziplinen brillierte. Mit dem Zeitgenossen Charles Darwin stand er in regem Austausch – „obwohl er kein Englisch sprach“. Das neue Denken des berühmten Briten hat ihn genauso inspiriert wie Bergbauversuche bei Köppern oder Urvögel der Jura-Zeit.

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