Bad Homburg und Friedrichsdorf sind nun Teil eines 1800 Kilometer langen Fernwanderwegs, der auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser quer durch Europa führt. Seinen Ursprung nimmt er in den französischen und italienischen Alpen, er endet in Bad Karlshafen an der Weser.
Am gestrigen Donnerstag stellten Bad Homburgs Oberbürgermeister Michael Korwisi und Friedrichsdorfs Bürgermeister Horst Burghardt (beide Grüne) den gemeinsamen Flyer vor, den die zwei Städte entwickelt haben, um Wanderer auf den historischen Spuren durch die Gemarkungen beider Städte zu führen.
Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser kann man mit Hilfe des neuen Flyers im Taunus wandern. Hugenotten siedelten außer in Bad Homburg und Friedrichsdorf auch in Usingen.
Die Broschüre mit Karte und Informationstexten ist kostenlos in Bad Homburg im Rathaus, im Kurhaus, im Gotischen Haus und in der Stadtbibliothek erhältlich. In Friedrichsdorf gibt es den Flyer ebenfalls im Rathaus und im Forum.
Die Route ist ein europäischer Kulturwanderweg. Die ganze Strecke ist 1800 Kilometer lang und startet im französischen Le Poët-Laval und im italienischen Saluzzo, ihr nördliches Ende ist in Bad Karlshafen. Infos: www.hugenotten-waldenserpfad.eu
In Dornholzhausen ist auf der Strecke die Waldenserkirche zu besichtigen sowie ein original erhaltenes giebelständiges Waldenser-Haus in der Dornholzhäuser Straße. Auf dem dortigen Friedhof ist bereits im November eine Gedenkstätte mit Grabplatten Hugenottischer und Waldensischer Familien eingerichtet worden.
Informationstafeln liefern das nötige Hintergrundwissen. In der Innenstadt sind das Landgrafenschloss, die ehemalige französisch reformierte Jakobskirche in der Dorotheenstraße Etappen der Route. Das Museum im Gotischen Haus verfügt ebenfalls über Ausstellungsstücke zur Geschichte der Glaubensflüchtlinge.
1686 traf eine erste größere Gruppe von Vertriebenen aus dem Piemont in Bad Homburg ein. Landgraf Friedrich II. wollte seine junge Residenzstadt gern erweitern und gründete die sogenannte Neustadt mit Louisen- und Dorotheenstraße. Er gewährte den Männern und Frauen Asyl. In ihrer Heimat Frankreich mussten die Protestanten der katholischen Übermacht weichen.
„Es war eine weise und gute Entscheidung, die beiden Gruppen hier anzusiedeln“, sagte Korwisi. „Friedrich war ein weltoffener Protestant, der heute vielleicht Mitglied bei Pro Asyl wäre.“ Seine Ansiedlungspolitik sei „ein Lehrstück der Integration“.
Auch Burkhardt betonte, dass die Ansiedlung der Hugenotten ein hervorragendes Beispiel gelungener Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen sei. Friedrichsdorf ist geprägt von kleinräumigen Handwerkshäusern, bis in die 1970er Jahre hinein gab es dort eine französisch-reformierte Gemeinde mit französischsprachigen Gesangsbüchern. Viele Familiennamen zeugen noch heute von hugenottischer Abstammung.
In Bad Homburg ist das Interesse an diesem Teil der Geschichte erst mit dem 300. Geburtstag der Waldenserkirche erwacht und wird seither rührig vom Geschichtskreis unter Christian Weizmann und Walter Mittmann gepflegt. 1699 hatten 40 Waldenserfamilien Dornholzhausen gegründet. Korwisi kündigte gestern an, dass die Stadt das letzte in der Dornholzhäuser Straße erhaltene Waldenserhaus erwerben will, um es dauerhaft zu erhalten.
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