"Im Sommer ist es wie in einer Sauna und im Winter kriegt man die Container kaum warm", berichtet Wolfgang Waltenberger. Er ist Sozialpädagoge und für die Betreuung der Containerunterkunft für Asylbewerber am Rande des Gewerbegebiets "An den drei Hasen" zuständig. Schon von weitem sind die vier heruntergekommenen, beigefarbenen Quader zu sehen. Dass in ihnen tatsächlich Menschen leben, kann man sich nur schwer vorstellen. Derzeit wohnen jedoch 130 Personen in den vom Rost angefressenen Containern. Alle warten entweder auf den Ausgang eines laufenden Asylverfahrens oder sind lediglich in Deutschland geduldet.
Am Mittwoch haben die Landtagsabgeordneten Barbara Cárdenas und Hermann Schaus von der Fraktion Die Linke die Containersiedlung besucht, um sich ein Bild von den Zuständen zu machen. "Ich bin schockiert und betroffen", gab Schaus bei der anschließenden Pressekonferenz zu Protokoll. Bereits im Sommer hatte das Evangelische Dekanat Hochtaunus bessere Bedingungen für die Flüchtlinge gefordert.
Überall steht Hausrat herum
Einer menschenwürdigen Unterbringung ähnelt das Leben in dem Containercomplex eher nicht. Höchstens 13 Quadratmeter Wohnraum hat jeder Bewohner. Die Zimmer sind durch schmale Flure zu erreichen. Überall steht Hausrat, der nicht mehr in die kleinen Räume passt. Allen Bewohnern stehen Gemeinschaftsküche und -duschen sowie ein Waschraum zur Verfügung. Die sanitären Einrichtungen wirken ungepflegt. Die Waschmaschinen und Trockner sind teilweise nicht funktionsfähig. Die Bewohner wirken betrübt, möchten sich nicht zu der Situation äußern.
"Ein Problem ist auch die Mischbelegung der Einrichtung. Sowohl Asylbewerberber als auch Obdachlose wohnen hier", gibt Barbara Cárdens zu bedenken. Derzeit leben acht Obdachlose in der Unterkunft.
Die Flüchtlingsunterkunft wird zwar vom privaten Betreiber Schmidt & Lindner GBR unterhalten, aber verantwortlich für die Art der Unterbringung ist dennoch der Kreis, erklärt Schaus. Es ist zwar nicht die einzige zentrale Unterbringung für Asylbewerber im Hochtaunuskreis, wahrscheinlich wohl aber eine der schlechtesten. Dass eine zentrale Unterbringung auch zu besseren Bedingungen möglich ist, zeigt das Beispiel des Wohnheims für Flüchtlinge des Diakonischen Werks in Grävenwiesbach.
Teil des öffentlichen Lebens
Auch diese Einrichtung wurde von den Abgeordneten besucht. "Hier leben die Menschen in acht gepflegten Reihenhäusern und werden vor allem angemessen betreut und in die Gesellschaft integriert", erläutert Schaus. Im Gegensatz zu Oberursel seien die Asylbewerber in Grävenwiesbach Teil des öffentlichen Lebens.
In der Unterkunft in Grävenwiesbach sind noch 50 Plätze frei. Eigentlich genug Platz, um einen Teil der Oberurseler Heimbewohner unterzubringen, denn die Kosten für die Belegung dort sind nur unwesentlich höher als für das Wohnen im Container. Am Montag will die Linke-Fraktion im Kreistag die Schließung der Container beantragen. Der Erfolg ist aufgrund der Mehrheitsverhältnisse allerdings fraglich.
Pamela Ruppert, Sprecherin des Landrats, verkündete derweilen, dass die Einrichtung den Vorschriften des Gesetzgebers entspreche und daher kein Handlungsbedarf bestehe. Mängel würden regelmäßig beseitigt.

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