Die älteste Frau, die 2009 in der Beratungsstelle am Marktplatz bei Hildegard Calmano und Eva Beyer vorgesprochen hat, war 82 Jahre alt. Weil sie die Misshandlungen durch ihren Sohn so satt hatte. Eine andere Frau, Mutter von fünf erwachsenen Kindern, kam mit 70 zum Frauenhaus. Frauen, die ein Leben lang ihr Leiden ausgehalten haben, weil man das nicht macht, sich trennen. Und sich dann durchgerungen haben, den Rest Leben, den sie noch haben, für sich selbst zu wollen. Sie haben den Mut gefunden, den der Verein "Frauen helfen Frauen" all denen machen will, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind.
25 Jahre gibt es die Zuflucht
Deswegen sehen die Beraterinnen auch einen Grund zum Feiern, obwohl die Zahlen keinen Grund dafür bieten. In den 25 Jahren seit Öffnung des Frauenhauses musste es 1460 Frauen mit 1127 Kindern Schutz vor gewalttätigen Männern bieten. Viel höher ist die Zahl derer, die abgewiesen werden mussten, weil die Kapazität erschöpft ist, rund 200 Frauen waren es im vergangenen Jahr.
Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt ist gestiegen, das zeigt die jüngste Statistik aus dem Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit. Und sie geht durch alle Schichten und Altersgruppen, der reiche Hochtaunuskreis macht da keine Ausnahme. Und doch gibt es Erfolg bei der Arbeit im Netzwerk gegen häusliche Gewalt, in dem Polizei und Ärzte eine wichtige Rolle spielen, wenn sie mit den Frauenorganisationen kooperieren. Das geänderte Bewusstsein in der Bevölkerung seit Einführung des Gewaltschutzgesetzes 2002 hat viele Fälle ans Licht gebracht, die früher noch als Kavaliersdelikt hingenommen wurden.
Jede vierte Frau zwischen 16 und 65 Jahren erfährt einmal im Leben körperliche oder sexuelle Gewalt, meist von Lebenspartnern. So die offizielle Statistik. Da mutet die Zahl von 2560 Frauen, die in 20 Jahren Beratungsstelle zum Marktplatz kamen, um Unterstützung zu finden, vergleichsweise gering an. Auch hier wächst die Zahl der Frauen, die Hilfe suchen. "Und die Problemlagen werden immer vielfältiger und machen zahlreichere, intensivere und längere Beratungen nötig", so Hildegard Calmano, eine Mitgründerin des Vereins und seitdem in der Beratungsstelle tätig.
Dass die Zahl der hilfesuchenden Frauen mit Migrationshintergrund extrem steigt, ist nur ein Aspekt bei der erschwerten Arbeit. Den 18-seitigen Antrag auf Hartz IV auszufüllen, verlangt viel, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist. Und die Frauen ohnehin traumatisiert in die Beratung kommen. "Es braucht länger, eine Frau nach Misshandlungen wieder auf die Füße zu bringen, die nie ein selbstbestimmtes Leben geführt hat", so Calmano.
Einen Grund zum Feiern gibt es auf jeden Fall beim Jubiläum von Frauenhaus und Beratungsstelle. Noch in diesem Jahr wird wohl mit dem Bau des neuen Frauenhauses begonnen, für das im Frauennetzwerk seit Jahren gekämpft wird. Eine Million Euro kostet das Projekt, die Hälfte finanziert der Verein durch eine Erbschaft. Je 200000 Euro tragen Stadt und Kreis bei, gebaut wird auf einem städtischen Grundstück. Eine Kapazitätserweiterung wird es nicht geben, wohl aber eine Steigerung der Wohnfläche für die maximal 21 Frauen auf das Dreifache. Bisher müssen sich Frauen ohne Kinder zu dritt oder viert ein Zimmer von 15 Quadratmetern teilen.

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