Es ist nicht weit vom Hause Jacobi zum Homburger Schloss – nur ein kurzes Stück die Dorotheenstraße hinauf. Zwei Menschen haben diese Nähe weidlich ausgenutzt: Architekt Louis Jacobi und Kaiser Wilhelm II. Wie eng und wirkungsvoll der Männerbund war, dokumentieren zwei Ausstellungen zum 100. Todestag des Baumeisters.
Auch die Besucher können die geringe Entfernung zwischen den Präsentationen genießen, wenn sie von der Stadtbibliothek zum landgräflichen Herrschaftssitz schlendern. Während sich Ruxandra-Maria Jotzu dem Jacobi’schen Wirken innerhalb der Stadtgrenzen widmet, informiert Petra Tücks über die vierzigjährige Verbindung zur kaiserlichen Familie. In monatelanger Arbeit wurden Magazine durchstöbert und Recherchen betrieben. Als Fundgrube hat sich dabei das Stadtarchiv erwiesen.
In der Stadtbibliothek, Dorotheenstraße 20-24, ist „Der Architekt und seine Stadt“ dienstags, mittwochs und freitags von 11 bis 18 Uhr geöffnet – außerdem am Donnerstag von 11 bis 19 Uhr und am Samstag von 11 bis 14 Uhr.
Im Schloss von Bad Homburg wird „Baumeister und Freund des Kaisers“ von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr präsentiert. Die Ausstellungen kosten keinen Eintritt.
Beide Ausstellungen sind bis zum 31. Oktober zu besichtigen. ov
Gestern Nachmittag hat Bad Homburgs Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) die Ausstellungen eröffnet. „Die Jacobi-Bauten sind ein Stück unserer Identität“, sagte er vor über hundert Gästen in der städtischen Bibliothek. Es sei ein Glück, dass viele seiner Bauten die Kriegs- und Nachkriegszeiten überdauert hätten. Für Kuratorin Jotzu ist Jacobi „ein Meister der Verwandlungen“, dessen Schaffen nie den Stadtraum außer Acht gelassen habe. Vieles sei noch zu entdecken: „Ich hätte hier alle Räume bestücken können.“
Auf großformatigen Schautafeln hat sie prägnante Beispiele von Jacobis Umgestaltungskunst versammelt – ob die längst niedergelegten Bauwerke „Ritters Park-Hotel“ und „Englischer Hof“ oder die ortsbildprägenden Marktlauben und Bürgervillen. Ein Stadtplan, auf dem die Bauten des Baumeisters verzeichnet sind, ist ab kommender Woche erhältlich.
Wer sich im Obergeschoss des Schlosses auf den Rundgang begibt, geht auf Jacobis Spuren. Noch ganz seine Handschrift trägt der „Gelbe Saal“, in dem Aufzeichnungen und Pläne zur Baugeschichte gezeigt werden. Petra Tücks: „Das Dekor behält oft die Oberhand über statische Bedenken.“ Nicht vergessen wird auch die Bindung von Louis Jacobi zum Hause Hohenzollern, die 1870 ihren Ausgang nahm. Hinter einer Tapetentür ist das „Telefonzimmer“ zu besichtigen. Damit die Kaiserin in Ruhe nach Berlin telefonieren konnte, ließ der Homburger den Fernsprecher in einen Schrank einbauen – die erste Telefonzelle der Welt. Die Liebe zur modernen Technik teilte der Baumeister mit seinem kaiserlichen Auftraggeber. Wie auch die Leidenschaft für die Archäologie – manifestiert in der rekonstruierten Saalburg.
Eine Würdigung besonderer Art findet sich am altehrwürdigen Marktplatz: Seit wenigen Wochen erinnert ein Café mit Namen „Jacobi’s“ an den großen Umgestalter der Stadt.

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