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Geschäftsmodell: Alten-WG

Valerie Prass plant mit ihren Kunden eine selbstbestimmte Lebensform

        

Valerie Prass  auf der Suche nach der passenden  Senioren-WG.
Valerie Prass auf der Suche nach der passenden Senioren-WG.
Foto: Storch

Spätestens mit 50 Jahren machen sich die meisten Menschen zumindest gelegentlich Gedanken darüber, wie sie im Alter gern leben möchten. „Auf keinen Fall ins Pflegeheim, eine WG wäre gut“, sagen dann viele – um anschließend schnell jeden weiteren Gedanken ans Altern zu verdrängen und aufzuschieben. Wenn der Zeitpunkt kommt, wird sich schon eine Lösung finden.

„Das ist völlig falsch“, sagt Valerie Prass. Die 58-jährige gebürtige Ungarin lebt in Bad Homburg und hat sich mehr als 20 Jahre lang im Personalbereich einer großen Firma mit demografischem Wandel beschäftigt. Daraus hat sie jetzt ein eigenes Unternehmen entwickelt. Es nennt sich „Lebensform 21“ und wirbt mit einer Broschüre, auf der eine tanzende Oma „Lebensform statt Lebensnorm“ verkündet. Dahinter steckt die Idee, Menschen bei den Planungen für ein selbstbestimmtes Alter von Anfang an zu beraten und durch den Dschungel der Möglichkeiten zu helfen.

Schon 40-Jährige sollen sich mit der Hilfe der Beraterin darüber klarwerden, wie sie im Alter einmal leben wollen und welche finanziellen Weichen sie dafür wie stellen müssen. „Man kann sich ja nicht mehr darauf verlassen, dass der Staat es schon richtet“, sagt Prass. Die Folgen des demografischen Wandels seien noch längst nicht in den Köpfen angekommen: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung wird in absehbarer Zeit älter als 60 Jahre sein, aber nur noch 30 Prozent werden Steuer und Rentenbeiträge zahlen.

Ihre Hauptzielgruppe sind die sogenannten „Silver Ager“ der Generation 55plus. Die berät sie, welche Wohnformen es fürs Alter gibt, welche Projekte von Wohngemeinschaften und wie man seine eigene Wohnung, sein Haus fürs Alter umgestalten kann. „Die meisten Menschen träumen von einer gut funktionierenden Alten-WG, aber nur 8000 Menschen in ganz Deutschland leben bislang so“, sagt Prass. Im Hochtaunuskreis etwa gibt es das bekannte Beispiel der Kronberger „Silberdisteln“ mit 13 Wohnungen.

Prass will nun Menschen zusammenbringen, die sich das Leben in einer Senioren-WG wünschen, deren Gelingen aber nicht dem Zufall überlassen wollen. Sie hat einen Fragekatalog entwickelte, anhand dessen Lebensumstände und -gewohnheiten abgefragt werden. Ein „computergestütztes Matching“ soll so passende Partner vermitteln. Ihr Honorar orientiere sich dabei an den für ein Coaching übliches, ein erstes Gespräch sei immer kostenlos.

Sie rät dazu, möglichst früh zusammenzuziehen. „Dann erlebt man zusammen noch genügend gute Zeiten, um später mehr Verständnis zu haben, wenn jemand gebrechlich wird.“ Denn aus einer Wohngemeinschaft könne mit fortschreitendem im Alter auch eine Pflegegemeinschaft werden, wenn man bereits am Anfang an behindertengerechte Umbauten denke. Dafür gebe es gerade jetzt viele öffentliche Zuschüsse.

Die wichtigsten Spielregeln für eine Alten-WG fasst Prass gerade für eine Broschüre zusammen. Geklärt werden müssten etwa Mietverträge, Kosten und was passiert, wenn jemand stirbt. Auch das bietet sie auf Wunsch an, kümmert sich um Pflege- und Fahrdienste und kennt Handwerker, die Wohnungen umbauen. Auch bei der Suche nach einem geeigneten Objekt ist sie behilflich. Sie selbst möchte ebenfalls in eine Senioren-WG ziehen, sobald ihre 17-jährige Tochter flügge ist. Mit einem guten Freund, der Single ist, will die Alleinerziehende nach einem dritten Wohnpartner Ausschau halten.

Ihr Konzept stellt Valerie Prass am Donnerstag, 23. Februar, um 17 Uhr im Parkhotel, Kaiserin-Friedrich-Promenade 53 vor. Anmeldungen unter Telefon: 06172 / 101624.

Autor:  Martina Propson-Hauck
Datum:  22 | 2 | 2012
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