Yma ist die Ruhigere, Bará dagegen legt etwas mehr Temperament an den Tag. Die 16 und acht Jahre alten Islandpferde sind gut aufeinander eingespielt. Wenn dann noch der pfiffige Border-Collie Ben dazu stößt, bilden die drei ein unschlagbares Team. Das finden jedenfalls die Jungen und Mädchen, die derzeit im Projekt „Tierisch stark“ betreut werden. Denn bei Yma, Bará und Ben sollen die Kinder suchtkranker Eltern fürs Leben stark gemacht werden.
Die Ergebnisse einer Umfrage sind erschreckend. Knapp 90 Kinder leben im Hochtaunuskreis in Familien, in denen zumindest ein Elternteil Drogen nimmt, ermittelte das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe im Hochtaunuskreis (ZJS).
„Tierisch stark“ wendet sich an Kinder und Jugendliche bis etwa 16 Jahren aus Suchtfamilien. Das Projekt wird getragen vom Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe für den Hochtaunuskreis (ZJS).
Das Projekt ist dringend auf finanzielle Hilfe angewiesen. Wer Hilfe anbieten möchte und Informationen zum Projekt „Tierisch stark“ wünscht, kann sich an Brigitte Rieth wenden: Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe, Louisenstraße 9, Bad Homburg, Telefon 06172/60080, E-Mail: zjshtk@
jj-ev.de.
Und oft sind die Kinder allein gelassen, können mit den Konflikten, die ihr Leben mit sich bringt, nicht fertig werden. „Ein Drittel der betroffenen Kinder entwickelt selbst eine Sucht, ein weiteres Drittel zeigt psychische und soziale Störungen“, heißt es in einem ZJS-Papier.
An diese jungen Menschen wendet sich das Projekt „Tierisch stark“. Geleitet wird es von der ausgebildeten Reittherapeutin Brigitte Rieth. Sie betreut derzeit sechs Kinder, die für etwa fünf Stunden in der Woche nach Wehrheim kommen, wo die Therapiepferde untergebracht sind. Die Kinder haben oft Bindungsstörungen, weil ihre Eltern sich nicht genügend um sie kümmern. „Oft misstrauen sie Erwachsenen, aber beim Zusammensein mit Tieren ist das anders“, sagt Brigitte Rieth.
Im Umgang mit den Tieren können sie ein Selbstwertgefühl entwickeln, ihre Körperwahrnehmung schulen. „Und sie lernen sich durchzusetzen, etwa wenn sie die Pferde führen. Dann müssen sie schon mal streng sein, wenn die Pferde lieber fressen als laufen wollen“, beschreibt Brigitte Rieth ihre Methode.
Und neben allen therapeutischen Ansätzen können Kinder für ein paar Stunden mal richtig Kind sein, mit Gleichaltrigen ein paar unbeschwerte Stunden verbringen. Im Alltag ist das oft anders. „Viele Kinder müssen früh Verantwortung übernehmen, etwa für jüngere Geschwister“, so die Therapeutin. Aus der Arbeit mit Yma, Bará und Ben gehen die Kinder gestärkt und mit größerem Selbstwertgefühl hervor, das erfährt man aus den Gesprächen mit ihnen. „Sie sagen nicht, ich geh’ zur Förderstunde sondern stolz, ich gehe zum Reiten“, erzählt Brigitte Rieth.
Das im April 2010 begonnene Projekt ist dank einer Spende der Hans-Magiera-Stiftung in Bad Homburg noch bis zum Sommer abgesichert. Wie es dann weitergeht, ist noch offen. „Wir würden gern über den Projekt-Status hinaus die Förderkurse dauerhaft anbieten“, wünscht sich Therapeutin Rieth. Deswegen hat sie Förderanträge an verschiedene Institutionen gestellt, entschieden darüber wurde aber noch nicht.

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