Für den Holzwurm spielt das Jubiläumsjahr anscheinend keine Rolle. Den Hochaltar in der Kirdorfer St. Johanniskirche hat der Gemeine Nagekäfer (anobium punctatum) jedenfalls gründlich zernagt – nur noch rabiate Methoden helfen gegen den weiteren Verfall der betroffenen Holzteile.
Am 31. August 1862 wurde der im Volksmund bekannte „Taunusdom“ eingeweiht. Ob die 150. Wiederkehr des fundamentalen Ereignisses mit dem vollständigen Hauptaltar gefeiert wird, ist derzeit noch nicht abzusehen.
Wegen des Insektenverbisses war die Standfestigkeit der 1880 als Flügelaltar angelegten Verehrungsstätte nicht mehr gewährleistet. „Besonders die Ummantelung der Stufen hatte sehr gelitten“, sagt Pfarrer Werner Meurer. Vor wenigen Tagen habe eine Spezialfirma aus Fulda den Altar daher abtransportiert. „Insgesamt hundert kleine und größere Elemente.“ Sie sollen einer Wärmebehandlung unterzogen werden, danach steht die notwendige Renovierung an. Auf eine baldige Rückkehr des Prunkstückes sei zu hoffen, heißt es aus Kirdorf. Nach Pfarrer Werner Meurer wurden an dem Tisch des Herrn unzählige Heilige Messen begangen – „er ist das Herz des Taunusdoms“.
Der Abbau sei jedoch unumgänglich gewesen. Die Maßnahme wurde nach eingehenden Beratungen mit dem Amt für Denkmalschutz und den zuständigen Stellen im Bistum Limburg getroffen. In der Kirche ist nun – erstmals seit der Aufstellung vor über 130 Jahren – der Steinblock zu sehen. Traditionell steht der 1,50 Meter hohe und 4 Meter breite Steinaltar auf gewachsener Erde. Mit ihm fest verbunden, ragt noch der Tabernakel in die Höhe.
Der hölzerne Mantel soll originalgetreu hergerichtet werden – bei einer Renovierung im Jahre 1952 war der Altar verkleinert worden. Viele Überstreichungen haben zudem die dunkel-goldene Farbgebung verschwinden lassen.
Nachdem die äußere Sanierung des Gotteshauses weitgehend abgeschlossen ist, bleiben noch Arbeiten im Innenraum. Auch die beiden Seitenaltäre und der Figurenschmuck seien renovierungsbedürftig. Zum Jubiläum, so Meurer, müsse auch nicht alles in tadelloser Ordnung sein: „Wir sind ja kein Museum.“

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