Nach knapp zwei Stunden sieht Fips wieder aus wie neu. Oder eben wie nach einer Komplett-Kur im Ganzkörper-Frisiersalon. "Ich arbeite mich langsam um den Hund rum", sagt Angela Bautsch-Limpert, die Fips, einen alten Bekannten in ihrem Salon "Flotte Locke", schon seit viertel nach sieben in der Früh bearbeitet. Das muss er aushalten mehr aus hygienischen Gründen denn um der Schönheit willen. "Wenn ich Hund wäre, würde ich es auch blöd finden", sagt die Chefin im Ein-Frau-Betrieb Hundesalon freimütig. Fips aber scheint sich seinem Schicksal zu ergeben, er hechelt leise und zittert, leistet aber keinen Widerstand gegen die Prozedur.
Die etwas befremdend wirkenden Plastikketten um Hals und Hüften zur Fixierung des Hundes erklärt Angela Bautsch-Limpert als Sicherheitsmaßnahme. Damit sich der Hund nicht die Knochen bricht, falls er meine, plötzlich vom Trimmtisch springen zu müssen. Fips meint das nicht, er sieht nicht so aus, macht keinen Ansatz zum Sprung. Bei anderen Hunden sind die Besitzer bei der Behandlung dabei, können ihre Lieblinge halten, wenn es nötig ist. Fips ist allein, seine Besitzerin erledigt Geschäfte, wenn er in Behandlung ist. Und holt ihn dann später rundum erneuert ab.
Der Putz bröckelt großflächig von der Seitenfassade des alten Jugendstil-Hauses in der Frankfurter Landstraße. Die blassen Läden im Obergeschoss sind geschlossen, ein schlichtes Schaufenster im Erdgeschoss weist auf den Hundesalon hin. Der wirkt mit Gummipflanzen, zwei Kugelleuchten und vier Keramikhunden ein bisschen wie aus einer anderen Zeit. Geduscht wird im Hinterzimmer, im blauen Salon. Die hellblau gestrichenen Wände im Hundebad und die dunkleren blauen Fußbodenkacheln lassen das Neonlicht bläulich erscheinen.
Die Badewanne hat eine Eingangstür, zum Reinschieben für die Widerspenstigen. Wie den Trimmtisch kann Angela Bautsch-Limpert die Wanne hoch- und runterfahren, für Rücken schonendes besseres Arbeiten am Hund. Da sind schon mal 45-Kilo-Kaventsmänner dabei, Fips ist mit seinen paar Kilo Lebendgewicht nur eine halbe Portion und pflegeleicht. Das Zitronenöl-Shampoo scheint ihm zumindest nicht zu missfallen. In 25-Liter-Kanistern steht es im Bad, neben Luxus-Pudel-Shampoo, Welpen-Shampoo mit Kamille-Kräutern, Filz-weg-Cremespülung und Haar-Conditioner.
Ein Quatsch, wenn Hundebesitzer denken, sie würden ihrem Tier mit Baby-Shampoo Gutes tun, sagt Angela Bautsch-Limpert. Der Hund mag´s nicht wie das Baby, er kriegt dann Schuppen. Überhaupt haben manche Hundebesitzer wohl seltsame Anliegen. Wollen Schäferhund und Labrador scheren lassen, weil sie zu faul für die Pflege mit Kamm und Bürste sind.
Wie alles korrekt gemacht wird, hat die frühere Bankkauffrau in einer vierwöchigen Ausbildung bei einer versierten Hunde-Friseurin gelernt und danach im Praktikum vertieft. Die Spur zur schnellen Selbstständigkeit, wenn man mit 43 Jahren im Bankgeschäft für zu alt befunden wird. Das war vor fünf Jahren. Während die Banken nun die Krise voll ausleben, ist das für Angela Bautsch-Limpert ein Fremdwort. Krise? "Kenn ich nicht." Meist ist sie ausgebucht, arbeitet von 7.30 bis 21 Uhr im gemieteten Erdgeschoss der alten Villa. Dann ist der Salon wieder sauber für den nächsten Tag. Und Sally, ihr Königspudel, hat auch keine Lust mehr, auf seinem Schlafplatz zu dösen.
Sally hat übrigens nur eine Krone, so eine Art Haarhaube auf dem Kopf. Den anderen Schnickschnack mit "Bömmel und Puschel und was-weiß-ich" kann Angela Bautsch-Limpert nicht so gut leiden. Schon gar nicht für die weiße Dame Sally. "Dann würde sie sich ja schämen, wenn sie in den Spiegel schaut."
Und was trägt der moderne extravagante Pudel so im Sommer 2009? "Klar gibt es Trendfrisuren", sagt die Fachfrau. Aber das sei eher eine besondere Spielart bei speziellen Zuchthunden, die zu Schönheitswettbewerben geschickt werden. Als bodenständige Frau, so wirkt Bautsch-Limpert jedenfalls, hält sie sich lieber an die "Standard-Frisuren für jede Rasse". Das Gros ihrer Kunden wolle auch "einfach nur einen gepflegten Hund".
Fips etwa erhält das spezielle Terrier-Trimming. Nach dem Duschen bedeutet das Umzug auf den Tisch des Schneidesalons mit den gelben Kacheln. Der "Blower" Vivo G Turbo 1401 bläst mit warmer Luft das Wasser von der Haut weg, der Standfön trocknet das Fell. Dann wird Fips sozusagen entfilzt, bevor es an die Rasur mit dem 16- Millimeter-Scherkopf geht. Alte tote Haare werden ausgezupft, auch in den Ohren. Das tut dem Hund nicht weh, ist aber für die Farbechtheit des Fells wichtig. Sind auch die Bereiche um die Körperöffnungen Thema Hygiene wieder freigelegt, folgt zuletzt der Krallenschnitt.
Und dann die Umarmung von Frauchen, die 38 Euro auf den Tisch legt und einen neuen Termin in sechs Wochen ausmacht. Schönheit braucht Dauerpflege.

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