An der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS) sollen Schüler an das Abitur herangeführt werden – jedoch nicht auf dem herkömmlichen Weg. „Wir möchten die erste fachübergreifende Profiloberstufe im Hochtaunuskreis ins Leben rufen“, sagt Schulleiter Walter Breinl. Voraussetzung ist die Zustimmung des Hochtaunuskreises und des hessischen Kultusministeriums.
In den vergangenen Monaten hat ein achtköpfiges Lehrer-Team mit Volldampf gearbeitet, um das Konzept antragswürdig vorzubereiten. Vorbild des bundesweit seltenen Modells ist die Gesamtschule Franzsches Feld in Braunschweig, die von der Robert-Bosch-Stiftung ausgezeichnet wurde. Die bislang einzige hessische Schule, die nach der alternativen Methode lehrt, ist im Rodgau beheimatet.
„Es geht hier um eine andere Art des Lernens“, so Peter Biersack. Als Pädagoge, der auch am Gymnasium Oberursel beschäftigt ist, kennt er das übliche Kurssystem. Der herkömmliche Abitur-Druck soll den IGS-Schülern erspart bleiben. Teamarbeit wird im Vordergrund stehen, die Klassenlehrerfunktion erhalten bleiben. „Man wählt sich in ein Profil ein, nicht in viele Kurse.“ Vier Profile stehen zur Auswahl: Naturwissenschaftlich und bilingual geprägte Blocks stehen neben jenen mit kulturellem und sportlichem Schwerpunkt. Die regelmäßige Arbeit in der Gruppe habe unschätzbare Vorteile für die Lernatmosphäre, sagt Stefan Jung vom Schulelternbeirat.
Getragen wird das Oberstufen-Modell von den Schülern. „Wir haben darüber beraten und abgestimmt“, so David Bender aus der Jahrgangsstufe 10. Er wird die Umsetzung nicht mehr erleben – die heutige achte Stufe könnte als erste in den Profil-Genuss kommen. Die internen Voraussetzungen sind in Stierstadt längst geschaffen: Seit drei Jahren bewähren sich Jahrgangsteams, die von einem festen Lehrer-Stamm betreut werden. Lehrerin Andrea Wolf: „Das Gefühl des Aufgehobenseins ist für den Lernerfolg immens wichtig.“ Die Anregung, eine eigene Oberstufe zu schaffen, kam von den Eltern. Nun muss geworben werden, um die benötigte Schülerzahl für den ersten Abiturjahrgang zu erreichen. Aus der IGS, so die Prognose, werden 50 Jugendliche an den Start gehen.
Der oft schwierige Sprung von der Realschule aufs Gymnasium soll hier unproblematisch vonstatten gehen – neun Jahre Schuldauer sind obligatorisch. „Mit dem neuen Profil sind wir am Puls der Zeit“, sagt Biersack. Die Entscheidung fällt im April, wenn der Kreistag über den künftigen Schulentwicklungsplan berät.
Der Informationsabend ist am 30. November ab 19 Uhr im Forum der IGS.

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