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Interview mit "Pirat" Kretschmann: Freies Internet für alle

Was will die Piraten-Partei im Hochtaunus erreichen? Das erklärt Gründungsmitglied Kai Kretschmann im FR-Interview

Kai Kretschmann will im Hochtaunuskreis die Piratenpartei etablieren.
Kai Kretschmann will im Hochtaunuskreis die Piratenpartei etablieren.
Foto: FR/Fritzenkötter

Was hat Sie motiviert, Pirat zu werden? Hatten Sie schon länger politische Ambitionen?

Nein, eigentlich war ich früher politisch ziemlich desinteressiert und hätte nie erwartet, mal bei einer Parteigründung dabei zu sein. Es begann damit, dass in den vergangenen Jahren immer häufiger der Privatbesitz von PC-Programmen gesetzlich eingeschränkt oder gar untersagt wurde. Das hat mich sowohl beruflich als auch in meinem privaten Hobby stark beeinträchtigt. Als dann bei der Europawahl im Mai 2009 die schwedische Piratenpartei einen Sitz eroberte, erkannte ich, dass die Piratenpartei in ihren Möglichkeiten anders als andere Splitterparteien ist, und beschloss, Mitglied zu werden. Auch der Kampf der Piraten für freie Bildung hat mich schnell überzeugt.

Wie kam es zu der Idee, einen Lokalverband zu gründen?

In einem Kreisverband hat man ein besseres Standing für lokale Themen und kann diese allein logistisch viel einfacher vertreten - auch in Hinblick auf die anstehenden Kommunalwahlen.

Gibt es schon konkrete lokalpolitische Ziele?

Die Freiheitsrechte und der Datenschutz sind zwei unserer Kernthemen, die auch in der Lokalpolitik eine wichtige Rolle spielen. So möchten wir uns beispielsweise in die Diskussion um eine mögliche Videoüberwachung einschalten, die nach dem Mord im Bad Homburger Schlosspark neu angeheizt wurde. Eine Überwachung stellt für uns nur eine wenig effektive Verlagerung des Problems dar. Außerdem ist es uns wichtig, "Hot-Spots" - öffentliche Plätze mit freiem Internetzugang - in Bad Homburg einzurichten, da wir das Internet als ein kostenfreies Grundrecht begreifen. Die Internetnutzung soll genauso selbstverständlich für die Menschen werden wie die Tatsache, dass sie nachts durch beleuchtete Straßen gehen können.

Wen wollen Sie denn mit Ihren Standpunkten erreichen, um Anliegen der Piratenpartei durchsetzen zu können?

Unser basisdemokratisches Verständnis möchten wir zunächst einmal jedem zwischen acht und achtzig näherbringen. Wir planen, in der Stadt Infostände aufzubauen und dabei Briefkästen einzurichten, in die Bürger Zettel mit ihren Anliegen werfen können. So zeigen wir ein wirklich "offenes Ohr" für die Menschen. Natürlich ist klar, dass unsere Bekanntheit noch stark altersabhängig ist. Aber unser Parteiprogramm wächst stetig, sodass wir mehr und mehr Leute damit ansprechen können. Ein Ziel bleibt natürlich auch, das politische Desinteresse der Jüngeren aufzubrechen.

In die Stadträte der Studentenstädte Aachen und Münster konnten die Piraten jeweils ein Mitglied entsenden. Glauben Sie an einen ähnlichen Erfolg der Piratenpartei im Hochtaunuskreis, der ja eine ganz andere Bevölkerungsstruktur hat?

In Studentenstädten haben wir es natürlich leichter als in einer Stadt wie Bad Homburg, wo seit jeher die etablierten Parteien den Ton angeben. Je dicker das Fell, desto bequemer das Nest, das ist ganz klar. Für den Sommer planen wir eine große Informationsveranstaltung in der Innenstadt, um ein Bewusstsein für unsere Themen aufzubauen. Wir sind überzeugt, dass unser Ansatz auf viele Sympathisanten treffen kann. Außerdem werden wir sicherlich keine Bindungen zu anderen Parteien eingehen, wenn unsere Ziele dabei nicht verwirklicht werden können.

Mit wie vielen Hochtaunuspiraten rechnen Sie bei der Gründungsversammlung am 20. März?

Rund 30 Mitglieder der Piratenpartei leben im Kreis und sind stimmberechtigt, wenn es um die Wahl des Vorstands geht. So viele Gründungsmitglieder möchten wir mindestens haben.

Interview: Viktor Fritzenkötter

Datum:  19 | 1 | 2010
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